05. Januar 2012

Feminismus Deutschlandradio entschuldigt sich für Aussetzer einer taz-Redakteurin

Teil einer Trendwende

Normalerweise schweigen unsere Medien geschlechterpolitische Bücher, in denen es um die Anliegen von Männern geht, konsequent tot. Wenn solche Titel doch einmal besprochen werden, dann bemüht man sich, eine Rezensentin daran zu setzen, die dermaßen feministisch ideologisiert ist, dass eine freundliche Besprechung nicht zu befürchten ist. Denn wenn sich Bürgerrechtler für Männer einsetzen – Väter, die ihre Kinder nicht sehen dürfen, Jungen, die sexuell missbraucht werden, männliche Opfer von Gewalt in der Partnerschaft oder die Unzahl der Obdachlosen – dann heißt es in den deutschen Medien fast immer: Feuer frei! Wer sich für Leute einsetzt, denen Mutter Natur das Y-Chromosom gegeben hat, der hat offenbar nichts anderes als Prügel verdient.

Nach diesem Schema wählte das Deutschlandradio zur Besprechung des von Eckhard Kuhla, dem Vorsitzenden der „Arbeitsgemeinschaft zur Verwirklichung der Geschlechterdemokratie“ (AGENS), herausgegebenen feminismuskritischen Forschungsbandes „Schlagseite – MannFrau kontrovers“ offenbar gezielt die frauenpolitische taz-Redakteurin Simone Schmollack aus, die schon früher gegen AGENS geätzt hatte. Das so entstandene Rezensionsimitat stellte mit abenteuerlichen Beschimpfungen der männerpolitischen Bürgerrechtler („zerfressen von Hass und Zerstörungswut“) aber nicht nur auf stilistischer Ebene eine Entgleisung dar. Schmollacks Text war auch mit nachweislich falschen Behauptungen gespickt: Den Autoren wurden Äußerungen in den Mund gelegt, die sie in diesem Buch gar nicht getätigt hatten.

Einer der von Simone Schmollack Angegriffenen war der renommierte Anti-Diskriminierungs-Wissenschaftler Dr. Peter Döge, der auf eine Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag und als Professor für internationale Geschlechterforschung zurückblicken kann. Er und der Herausgeber des verfemten AGENS-Wissenschaftsbandes legten beim Deutschlandradio Beschwerde ein. Dieser kam der Sender zwei Tage später nach: Er korrigierte auf dem auch online veröffentlichten Text die falschen Zuordnungen, nahm einige Schärfen heraus und sperrte das dazugehörige Audio. Diese Änderungen wurden in dem Text auf der Webseite auch ausdrücklich mit dem Hinweis deutlich gemacht: „Die Textfassung weicht von dem ursprünglich gesendeten Beitrag ab.“ Darüber hinaus bat der verantwortliche Redakteur um Verzeihung für diesen Eklat.

AGENS betrachtet diesen Vorfall als Beispiel dafür, wie fahrlässig im feministischen Journalismus gearbeitet wird, aber auch als Teil einer Trendwende, da sich die öffentliche Korrektur solcher ideologisch bedingter Falschbehauptungen in eine Reihe ähnlich gelagerter Ereignisse einordnet. So wurde kürzlich beispielsweise Alice Schwarzer durch eine gerichtliche Verfügung untersagt, die Urteilsbegründungen im Fall Kachelmann nach ihrem Geschmack umzudeuten. Durch solche Erfolge sieht sich AGENS in seiner Aufklärungsarbeit und seinem Bestreben, eine weniger einseitige Geschlechterdebatte herbeizuführen, klar bestätigt.

Die wahre Gleichberechtigung allerdings, kommentierte jemand den Vorgang im Internet, sei erst erreicht, wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender auch einmal einen ausgewiesenen Männerrechtler um die Rezension eines feministischen Buches bittet. So weit ist es lange noch nicht. Noch gilt im Hauptstrom unserer Medien: Frauen und Männer sind gleich, aber Frauen sind um einiges gleicher. AGENS wird auch 2012 dafür kämpfen, dass der Trend zu einer ideologiefreien Geschlechterpolitik immer stärker wird.

Links:

Die vom Deutschlandradio teilweise korrigierte  „Rezension“

Ausführlicherer Bericht auf Genderama: Simone Schmollack blind vor Hass?

Seriöse Rezension des AGENS-Forschungsbandes auf ef-online

Telepolis interviewt Eckhard Kuhla zum AGENS-Buch

AGENS e. V.


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