06. Januar 2012

Katholischer Blick auf Amerika Ron Paul, die Alternative

Diesseits vom „flip-flopping“

Die „Tagespost“, katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur, schrieb kürzlich, der Republikaner Mitt Romney sei ein „ideologisch flexibler Mormone“. Genau deshalb können Katholiken und viele andere Republikaner ihn nicht wählen. Der Knackpunkt ist nicht seine Religion, sondern vielmehr jenes Phänomen, das die Amerikaner als „flip-flopping“ bezeichnen. Romney wechselt seine Positionen noch häufiger als Newt Gingrich seine Frauen (was nicht heißt, dass Gingrich seine Standpunkte nicht wechselt – ganz im Gegenteil). Wie soll man als Wähler und als Katholik einem Kandidaten sein Vertrauen schenken, der nicht unbeirrbar ist?

„Tagespost“-Autor Clemens Mann charakterisiert den Katholiken Rick Santorum, gleichauf mit Romney in Iowa, als „christlich-konservativere Positionen“ vertretend. Das mag in Bezug auf einige Positionen stimmen, von denen sich Katholiken und andere „konservative“ Wähler gerne blenden lassen. Santorum macht aber aus seinen Plänen keinen Hehl, den Iran zu bombardieren, sollten keine Inspektoren in die iranischen Atomanlagen vorgelassen werden. Während einer der Debatten im Wahlkampf zeigte er sich überzeugt, dass die USA fortfahren sollen, „den Irak zu stabilisieren“. Die Christen im Irak werden Santorum aber etwas anderes sagen, als dass sich ihre Lage seit dem Einmarsch von US-Truppen stabilisiert hätte. Tausende amerikanische Soldaten und zehntausende muslimische Zivilisten haben im Irak und in Afghanistan ihr Leben gelassen. Santorum mag pro-life sein in Bezug auf die Ungeborenen. In Bezug auf die jungen Männer und Frauen in Uniform sowie die muslimischen Bewohner des Nahen Ostens trifft dies jedoch nicht zu. Ein Katholik sollte sich mehr als einmal fragen, ob es wirklich mit seinem Glauben zu vereinbaren ist, einen so kriegstreibenden Kandidaten wie Santorum zu wählen!

Die einzige Alternative zu den Vertretern des republikanischen Establishments ist Dr. Ron Paul (nur knapp hinter Romney und Santorum in Iowa). Als Frauenarzt half er bei der Geburt von 4000 Kindern. Paul ist voll und ganz pro-life. Einen militärischen Schlag gegen den Iran lehnt er vehement ab. Man habe schließlich jahrelang mit tausenden Atomwaffen der Russen in Reichweite gelebt und durch Verhandlung (etwa in der Kubakrise) den Einsatz dieser Waffen verhindert, wird Paul nicht müde zu erinnern. Ähnlich sollte man mit dem Iran verfahren, dessen Waffen nicht einmal bis nach Amerika gelangen können. Die im Nahen Osten stationierten Truppen will er zurück in die USA versetzen – ebenso die Soldaten in Deutschland, Japan und Korea.

Die anderen Kandidaten wollen Ausgaben kürzen, indem sie die Staatsausgaben etwas weniger stark ansteigen lassen als einst beschlossen. Dieser Ansatz ist mit jemandem zu vergleichen, der 100 Kilo wiegt und vorhat, noch bis 150 Kilo weiterzumachen, stattdessen aber eines Tages beschließt, nur bis 140 Kilo zu gehen und stolz zu verkünden, er habe abgenommen! Paul hingegen schlägt tatsächliche Sparmaßnahmen vor, indem er allein im ersten Jahr seiner Präsidentschaft die Ausgaben um eine Billion Dollar kürzt. Das Geld spart er durch ein Ende der amerikanischen Militärpräsenz auf der ganzen Welt und das Abschaffen von fünf Ministerien. Schließlich strebt Paul eine Rückkehr zum Goldstandard an, um der Inflation ein Ende zu bereiten – was dem Kleinsparer zu Gute kommt, dessen Guthaben nicht jährlich an Wert verliert. Jeder Wähler und Katholik sei dazu aufgerufen, einen näheren Blick auf Ron Paul zu werfen! Und dabei wird man feststellen, dass Ron Paul als Kongressabgeordneter seit über 30 Jahren seinen Prinzipien treu ist (weit und breit kein „flip-flopping“ in Sicht)!


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Martin Bürger

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