Athanasios

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Athanasios die Glosse: Rassismus-Skandal im deutschen Fußball

von Athanasios

Blaue Augen schützen gegen Sperre

Marco Reus ist der Shooting-Star der Bundesliga. Mit Spielfreude und Spritzigkeit hat er sich in die Herzen der deutschen Fußballfans und in den Einkaufswagen der Dortmunder Borussia gespielt. Umso schockierender, dass der blonde Flügelflitzer mit den blauen, vielleicht auch grünen, jedenfalls nicht braunen Augen nun mit einer rassistischen Aktion für Furore gesorgt hat. Im Pokalspiel gegen Schalke 04 setzte er den Deutsch-Amerikaner Jermaine Jones für Wochen außer Gefecht.

Reus ließ sich von Jones, der wegen seines Vornamens („der Deutsche“) drei Freundschaftsspiele für die Nationalelf absolviert hat, vorsätzlich auf den linken Fuß treten. Vorher hatte er sich just an diesem Fuß den kleinen Zeh gebrochen, um den Tritt wie eine Körperverletzung aussehen zu lassen. Damit schließt die Bundesliga in Sachen Rassismus zur englischen Premier League auf, wo der Uruguayer Suarez den schwarzen Franzosen Evra als „negro“ (spanisch für „Schwarzer“) beschimpft haben soll. Dafür bekam Liverpools Stürmer eine Sperre von acht Spielen und eine Geldstrafe von 47.000 Euro. Und in Deutschland? Verkehrte Welt. Reus kommt ungeschoren davon, Jones wird für sechs Spiele gesperrt und zeigt sich einsichtig: „Ich habe keinen bespuckt, keinen rassistisch beleidigt. Es ist sehr populistisch, wenn einige jetzt eine so überzogene Sperre fordern.“ Was ihm blühte, ahnte der Sohn eines amerikanischen Soldaten und einer deutschen Hartz-IV-Empfängerin schon 2009.

Damals sprach Jones gegenüber der „New York Times“ über seinen Wechsel von der deutschen zur amerikanischen Nationalmannschaft: „Wenn man mich anschaut, bin ich nicht der perfekte Deutsche. Leute in den Staaten sehen mir ähnlicher. In Deutschland sagen die Leute mit meinen Tattoos: Oh, er ist kein guter Mann.“ Vielleicht seien es aber auch nicht die Tätowierungen, sondern die falsche Haar- und Augenfarbe. Tätowiert ist Reus auch, es werden also die Augen gewesen sein.

07. Januar 2012

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