Athanasios

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Athanasios die Glosse: Woina gegen Russland

von Athanasios

Biennale 2012 und die Kunst der Geopolitik

Wahre Kunst ist gesellschaftskritisch. Genauer gesagt, kritisiert wahre Kunst die Gesellschaften von Feindesstaaten. Das hat die Kulturstiftung des Bundes gut verstanden. Die zweieinhalb Millionen Euro ihrer Spitzenförderung stellt sie für die Biennale 2012 dem polnischen Künstler Artur Zmijewski zur Verfügung. Der weiß anscheinend, wie man sich scheinbar unbeliebt macht und unscheinbar beliebt. Als Co-Kuratoren der Ausstellung für Gegenwartskunst hat er sich die Gruppe „Woina“ (Krieg) aus Russland nach Berlin geholt.

„Sie gehören“, so der polnische Antifaschist, „zu den letzten wenigen Gläubigen, die eine Kunst ausüben, die einen direkten politischen Auftrag hat.“ Und wie lautet dieser Auftrag? „Woina hat einen Job in Russland zu tun“, zitiert ihn die FAZ, deren Korrespondentin den gleichen Job hat, „Putin müsse aus dem Land gejagt werden.“ Die obdachlosen Künstler zünden Polizeibusse an oder kippen sie um, sie besprengen Polizisten mit Pisse oder führen sich vor der Kamera Supermarkthühnchen ein. Aber jammern, wenn die Papiere beschlagnahmt oder das Kindergeld gestrichen wird. Ihr Rädelsführer wird wegen Rowdytums mit internationalem Haftbefehl gesucht, wie der „Spiegel“ mitfühlend berichtet: „Wir entwickeln uns weg vom friedlichen Protest. Aber wir müssen eine Revolution ohne Blut schaffen.“ So wie im Arabischen Frühling, als der Lindenblütensirup auf die Straßen troff.

Zmijewski selbst favorisiert eine Kunst, „die keine Kunst ist“. Er filmte Gehörlose beim Singen von Bach-Kantaten, Fangespielen in Gaskammern und KZ-Häftlinge beim Nachtätowieren ihrer Gefangenennummer. Bewog Neid ihn dazu, sich die Feinde aus dem Woina Untertan zu machen? Die haben nämlich letztes Jahr den Innovations-Preis des russischen Kultusministeriums bekommen. Gegenüber dem Inlandsgeheimdienst malten sie einen Riesenphallus auf die Liteiny-Zugbrücke. Ein Kunstwerk ganz nach russischem Geschmack.

21. Januar 2012

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