11. Februar 2012

Athanasios die Glosse Neue Deutsche Stimme

„The Voice of Germany“ und die Sehnsucht nach Exotik

Als die „Battle Round“, die zweite Runde der Casting-Show „The Voice of Germany“ begann, meldete die „taz“ den Bankrott der „Deutschen Stimme“. Vom 15. Dezember 2011 bis zum 10. Februar 2012 musste das deutsche Volk um seine Stimme bangen. Seit gestern ist die Angst vor dem Stimmverlust ausgestanden, ist der Stimmbruch überwunden. Ivy Quainoo heißt die neue Zarah Leander, nur ist sie keine Indogermanin wie die Schwedin mit der dunklen Stimme, sondern eine Afrogermanin mit Beeren in Berlin und Wurzeln in Ghana.

Der Endsieg der 19-jährigen Ivy war „nichts Geringeres als ein Großereignis, ein Massenphänomen, ach was, eine televisionäre Revolution“ (Die Welt). Er war friedlich wie die letzte deutsche Revolution, wie die vorletzte deutsche Revolution war er legal. Ivys finaler Song „Do you like what you see“ wurde vom deutschen Volk durch Anrufe und Downloads – mit überwältigender Mehrheit – mit „Ja!“ beantwortet. So singt Deutschland erstmals mit einer Stimme, aber in englischer Zunge. Die Produktionsfirma des Springer-Verlags namens „Schwartzkopff TV“ hat das Sendeformat aus Holland übernommen. Dort hieß es „The Voice of Holland“, woanders wird es „The Voice of France“ heißen, „The Voice of Italy“, „The Voice of Ghana“, bis die ganze Welt schwartzkopffert in der Lingua franca des Papiergelds auf der großen Bühne der Gummimusik repräsentiert wird.

Die erste Runde von „The Voice of Germany“ bestand in den sogenannten „Blind Auditions“. Die Jury durfte das Kandidatenvölkchen nicht sehen, sie durfte nur nach Stimme entscheiden. Denn Stimmen haben keine Hautfarbe. Oder doch? Singt Ivy nun mit deutscher Stimme oder mit der Stimme von Deutschland? War es die ganz eigene Stimme der Ivy, ihre ivorische Färbung, die das Wahlvolk an die Urnen trieb, an die Hörer und Rechner? Egal, es war eine rauschende Ballnacht, die große Liebe, es war ein Aufbruch zu neuen Ufern.


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