21. April 2012

Athanasios die Glosse Vom „Stern“ hinterm Mond

Breiviks rechtsextremer Gruß

Es geschah am vierten Prozesstag, da ließ Anders Behring Breivik den „rechtsextremen Gruß“ bleiben, denn „Angehörige seiner Opfer hatten ihn am Vorabend darum gebeten“, wie der „Stern“ berichtet. Der Gruß besteht darin, dass Breivik die rechte Faust am ausgestreckten Arm in Kopfhöhe hält. Er ist insofern „rechtsextrem“, als die rechte Extremität mit im Spiel ist, was allemal genügt in Zeiten, in denen journalistische Volontäre in Wissenstests die Teilnehmer von Castingshows identifizieren müssen.

Cristiano Lucarelli ist ein Stürmer aus Livorno in der Toskana. Auch er kam vor Gericht und musste 30.000 Euro Strafe zahlen, weil er die rechtsextremen Fans des AS Livorno mit der Breivik-Faust begrüßt hatte. Dagegen kam Paolo Di Canio glimpflich davon, mit 10.000 Euro, nachdem er die „Irriducibili“, die unbeugsam-linken Lazio-Fans, gegen Livorno begrüßte wie im Italien der Zwanzigerjahre. In „Saló oder Die 120 Tage von Sodom“, einem Spielfilm des Neo-Faschisten Pier Paolo Pasolini, streckt ein Gefangener seinen faschistischen Wärtern die Faust entgegen, bevor er erschossen wird, weil er ein Verhältnis zu einer Mitgefangenen unterhielt. Auch der faschistische Gruß kann ihn also nicht retten. Wer sich in politischer Symbolik auskennt, weiß: der Gruß hat eine Vorgeschichte. Die ‚Eiserne Front‘, das Bündnis von Nationalisten und Nationalsozialisten, reckte die rechtsextreme Faust zur Erkennung.

Und bei der Olympiade 1968 in Mexiko rissen zwei Olympiasieger vom berüchtigten Ku-Klux-Klan die Fäuste mit weißen Handschuhen in die Höhe, um für die Rassentrennung zu protestieren. Was wird sich Breivik zum Hohn seiner Opfer als nächstes einfallen lassen? Eine rote Rose am Revers? Drei Pfeile im Köcher? Manche Journalisten sind etwas kritischer als Herr oder Frau „mlr“ vom „Stern“ hinterm Mond. Sie hegen den Verdacht, Breiviks Gruß sei selbst erfunden. Vielleicht ist es ja rechts, überhaupt zu grüßen.


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