28. April 2012

Athanasios die Glosse Hüter des olympischen Feuers

Saudi-Arabien und der Wert der Gleichberechtigung

Wie viele wissen, fordert Christoph Wilcke, der Nahost-Experte von „Human Rights Watch“, Saudi-Arabien von der Olympiade in London auszuschließen, weil es „das Gleichberechtigungsgebot der Olympischen Charta“ verletze: „Das IOC muss den Olympischen Werten gerecht werden.“ Der Wüstenschrat-Staat will keine Frauen entsenden. Stattdessen will er nur darauf achten, dass jede saudische Sportlerin, die auf eigene Initiative an der Olympiade teilnimmt, sich an die Kleiderordnung der Scharia hält.

So etwa die gerade volljährige Springreiterin Dalma Malhas, die bei der Jugendolympiade in Singapur die Bronzemedaille geholt hat. Schon in Singapur 2010 hatte Dalma ihr Land als Kombattantin im Sinne der Genfer Konventionen vertreten, also ohne Eingliederung in die regulären Olympioniken Saudi-Arabiens. Auch in London wird sie gegen den Willen ihres Landes antreten müssen, quasi im Verfahren der Individualbeschwerde. Kronprinz Nayef bin Abdul Aziz soll zwar den Olympia-Start der Damenreiterin freigegeben haben, aber nur mit einem orangen Licht. Kleriker fürchten nämlich, Frauen könnten beim Sport ihre Jungfräulichkeit verlieren. Nach der modernen olympischen Charta haben Frauen aber ein Recht auf Sport. Das hat ein holländischer Freund von mir so kommentiert: „Die Alten Griechen hatten auch keine weiblichen Athleten. Mir scheint Saudi-Arabien also dem olympischen Ideal näher zu kommen als die Länder mit weiblichen Athleten.“

Tatsächlich durften in der Antike nur Männer an der Olympiade teilnehmen, zuschauen nur unverheiratete Frauen und Priesterinnen der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter. Aber im alten Griechenland, das wollen wir nicht verschweigen, gab es auch die „Heraia“, Wettkämpfe zwischen Frauen zu Ehren der Ehe- und Frauen-Göttin Heras. Und im Grunde genommen sind die Frauen-Weltkämpfe ja nichts anderes, nämlich Wettkämpfe unter besonderen Bedingungen neben („para“) den Olympischen Spielen.


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