16. September 2012

Athanasios die Glosse Thomas V. Mann

Anatomie eines politischen Mordes

Wenn Sie von einem sogenannten Rechtsextremisten angegriffen werden, dann wehren Sie sich auf keinen Fall. Verteidigen Sie sich auch nicht, sondern versuchen Sie einfach ihn anzuwerben. Die Chancen stehen gut. Thomas S. etwa, der die CDs der Neonazi-Band „Landser“ vertrieb (auf einem Label, nicht in einem Vertriebenenverband), war „erstaunlich zugänglich“, steht im „Spiegel“, als ihn die Berliner Polizei 2000 unter ihre Fittiche nehmen wollte. Er schlug ein und blieb bis 2011 ihr V-Mann.

„V“, werden Sie mich fragen, ist das nicht diese Partei, deren Verbot debattiert wird? Nein, das ist ein Film: V wie Vendetta. Ein maskierter Mann namens V kämpft vorgeblich gegen den Staat, tatsächlich verfolgt er eine Gruppe von Verschwörern. Um das Volk auf seine Seite zu ziehen, verteilt er revolutionäre Masken unter Demonstranten – wie der V-Mann Peter Urbach anno 1968 Molotowcocktails vor dem Springer-Hochhaus. Oder Thomas S. in der brandgefährlichen „Zwickauer Terrorzelle“ Sprengstoff im Schuhkarton. Wenn ein Extremist Ihnen etwas anbietet, sei es eine Maske, ein Cocktail oder ein paar Schuhe, dann nehmen Sie besser nicht an. Es könnte der Stoff zu einem Politthriller sein. So wie „Z“ von Costa-Gavras: in einem totalitären Staat, wo der Buchstabe „Z“ nicht gebraucht werden darf, wird ein Oppositioneller, allerdings ein Professor, ermordet. Und versuchen Sie ihn keinesfalls anzuwerben, sicher ist er schon in guten Händen.

Was tat doch gleich Uwe Mundlos, als der MAD (nicht der Comic, sondern der Abschirmdienst) ihn als „rechtsextremen“ Wehrpflichtigen anwerben wollte? Er lehnte ab, sagt die dpa. Wohingegen MAD-Präsident Birkenheier (nicht zu verwechseln mit Alfred E. Neumann) mit einem Ulbricht-Zitat versichert: „Der MAD hat zu keinem Zeitpunkt die Absicht gehabt, Herrn Mundlos als Quelle anzuwerben.“ Erfahren wird man‘s nicht, denn Mundlos ist ja mundtot. Und Zschäpe, die Zirpe, die zwitschert nicht.


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