14. November 2013

Geldplanwirtschaft 1974 wie 2013

Goldgeld würde den Dollar verkrüppeln

In den Tiefen der US-Politikarchive ist wieder mal ein neues (und für Zweifler: ganz offensichtlich echtes) Dokument aufgetaucht, das schon für die Schlussphase des Bretton Woods Systems Pläne oder zumindest Absichten der US-Regierung belegt, den Goldpreis unter allen Umständen tief zu halten, damit er nicht zur existenziellen Bedrohung des US-Dollars würde. Damals 1974 war noch von einer Bedrohung der „SDRs“ die Rede, die allerdings später gescheitert sind – und die hier getrost schlichtweg als Synonym für „US-Dollar“ gelesen werden können, wie ich bereits 2009 in diesem Artikel „1968 wie 2009: die gleichen ‚Meister des Goldes‘ “ gezeigt hatte. Daraus nur ein Auszug: „Vergessen Sie alles, was an vernebelnden Erklärungen in heutigen Geschichts- oder VWL-Lehrbüchern zu den ‚SDRs‘ (spezial drawing rights) des IWF steht. Seit der öffentlichen Zugänglichmachung der beiden Dokumente steht nun offiziell fest, dass der erste Versuch der Etablierung von SDRs als Währung nichts anderes als ein (gescheiterter) Versuch war, physischem Gold nach der absehbaren Abdankung des (scheinbar) Gold-gedeckten Bretton-Woods-Dollars seinen natürlichen und berechtigten Platz als Welt-Leitwährung und als wahres Geld vorzuenthalten. Anfang 1968 war für die offiziellen Stellen der USA und des IWF klar absehbar, dass die seit Bretton Woods 1944 etablierte Goldkonvertibilität des Dollars (und damit indirekt auch die fast aller anderen relevanten Weltwährungen) wegen der exzessiven Verschuldung der USA nicht mehr lange haltbar sein würde. Die Goldabflüsse aus den USA und dem IWF waren 1967 und 1968 derart angeschwollen, dass der später durch Nixon vollzogene Bruch des Goldeinlösungs-Versprechens der USA schon Jahre zuvor absehbar gewesen war. Die Fed und der IWF wollten aber ebenso wie die US-Regierung unter keinen Umständen von ihrer teuren Macht- und Verschuldungspolitik abrücken – und suchten verzweifelt einen Weg, über den der absehbare Wiederaufstieg des Goldes hin zu wahrem Weltgeld verhindert werden sollte. Wie heute verfiel man zu diesem Zweck auf das Kunstgeld ‚SDRs‘.“

Nun also ist 2013 ein weiteres Dokument aus dieser Zeit des Zusammenbruchs der noch bis 1974 behaupteten faktischen Golddeckung des Bretton-Woods-Dollars aufgetaucht. An dessen Echtheit dürfte es dieses Mal keine Zweifel geben, denn das Dokument vom 6. März 1974 steht (wenn auch bislang unbeachtet) ganz offiziell und mit sehr genauer Dokumentenreferenz zum Original-Papierdokument auf der offiziellen „Geschichts-Webseite“ des US-Department of State. Geschrieben wurde es von einem Sidney Weintraub (damals stellvertretender Assistent des US-Ministers für Internationale Finanzen und Entwicklung) – gerichtet war es an Paul Volcker (damals Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium, später bekanntermaßen Fed-Chef) und indirekt an Außenminister Kissinger, der sich (aus gutem Grund) damals offenbar zu allen Goldpreisentwicklungen genauestens informieren ließ. Das Memo ist in Gänze lesenswert, denn es geht darin nicht nur um das damals noch neue trojanische Betrugs-Pferd der „SDRs“, sondern auch um den Schutz des Betrugsgelds namens „US-Dollar“ vor allem gegen einen steigenden Goldpreis; sowie um die aus US-Sicht mit allen Mitteln (der Goldpreisdrückung) unbedingt und bis heute zu verteidigende Rolle des Dollars als Weltreservewährung. Es wird hier auch kein Hehl daraus gemacht, dass der US-Import von Öl möglichst lange, umfassend und günstig gegen grüne Papierfetzen erfolgen sollte, was ja bekanntermaßen bis heute, 40 Jahre und mindestens fünf Öl-Dollar-Kriege später, noch immer klappt.

Darum seien nachfolgend einige Passagen aus dem Original-Memo übersetzt – wenn sie auch weder für objektive Geschichtsforscher noch für die tumben „Goldmanipulations“-Verschwörungstheoretiker wie uns sonderlich überraschend kommen: „U.S. objectives for world monetary system—a durable, stable system, with the SDR as a strong reserve asset at its center — are incompatible with a continued important role for gold as a reserve asset.... It is the U.S. concern that any substantial increase now in the price at which official gold transactions are made would strengthen the position of gold in the system, and cripple the SDR.“

„Das US-Ziel eines dauerhaften und stabilen Geldsystems mit den SDRs (Sonderziehungsrechten, vereinfacht gesprochen ein Euphemismus für neue fiat Dollars) als starker, zentraler Leitwährung ist mit der fortgesetzten Rolle des Goldes als Reserve-Währung unvereinbar. Die USA müssen jeden substanziellen Anstieg des (offiziellen) Goldpreises zu ihrem Thema machen, denn solche Anstiege würden die Rolle des Goldes im System stärken und die Rolle der SDRs (also des Dollars) verkrüppeln.“

Klarer geht es kaum in einem offiziellen Dokument: Gold gefährdet das (ansonsten „dauerhafte, stabile“) SDR-Dollarsystem. Dies durfte keinesfalls zugelassen oder auch nur zugegeben werden – wenn auch langfristig die Rolle des Goldes als wahres Geld aus physikalischen, geschichtlichen und psychologischen Gründen unumstößlich ist, was den US-Verantwortlichen damals wie heute klar gewesen sein dürfte... In dem Dokument werden dennoch in fast militärischem Jargon für die Entscheider Volcker und Kissinger das Goldproblem, die „Optionen“ (zur betrügerischen und/oder planwirtschaftlichen Niederhaltung des Goldpreises) sowie die Strategie und sogar die „Taktik“ zur Erreichung des Ziels „Dollar über alles und auf ewig“ durchdekliniert. Ferdinand Lips uralter „VT“-Begriff vom Gold War ist hier treffender denn je. Es ist zwar ein Krieg gegen Wahrheit, Naturgesetze und Redlichkeit; dennoch wird er von den Dollar-Verteidigern bis zur letzten Falschgeldpatrone geführt.

„To encourage and facilitate the eventual demonetization of gold, our position is to keep the present gold price, maintain the present Bretton Woods agreement ban against official gold purchases at above the official price and encourage the gradual disposition of monetary gold through sale s in the private market. (...) Any redefinition of the role of gold must be based on the principle stated above: that SDR must become the center of the system and that there can be no question of introducing a new form of gold– paper and gold–metal bimetallism, in which the SDR and gold would be in competition.“

„Um die angestrebte De-Monetisierung von Gold zu fördern und herbeizuführen, bleibt es unsere Position, den aktuellen Goldpreis gemäß Bretton Woods Vereinbarung zu halten (damals noch immer in Kraft bei fixen 42,22 Dollar pro Unze), den Bann gegen Goldkäufe über diesem offiziellen Preis aufrechtzuerhalten und Goldverkäufe (…) zu befördern. Das Ziel der Neudefinition der Rolle von Gold muss sein, SDRs (bzw. Dollar) (statt Gold) zum Zentrum des Geldsystems zu machen. Keinesfalls darf (Gold im neuen System wieder eine Rolle bekommen – etwa als Gold-Silber-Bimetallsystem gegen Papiergeld und damit) eine Konkurrenz zwischen Gold und SDRs (Dollar) zugelassen werden.“

Fast 40 Jahre. Und nichts hat sich an diesen Einschätzungen und Absichten geändert. Einzig die Umsetzung der Welt-Geldplanwirtschaft mit ständigen Eingriffen in den GoldSilber-Preis wurde inzwischen perfektioniert. Über die heute fast allmächtigen Papier-GoldSilber-Future-Märkte wird fast nonstop mit riesigen aus dem Nichts gedruckten Falschgeldsummen gegen das wahre Geld interveniert.

Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang auch die folgende aktuelle Rechnung nicht vergessen: Nur einen Tag nach der (temporären?) Aussetzung der US-„Schuldenobergrenze“ nahmen die USA am 18. Oktober 2013 mehr als 329 Mrd Dollar an Krediten auf - und damit 2 Prozent der in den seit dem Gründungsjahr 1776 vergangenen 87.000 Tagen bisher aufgelaufenen US-Schuldenmenge.   Der Gegenwert dieser Nettoneuverschuldung nur eines Tages entspricht zu heutigen Marktpreisen fast auf die Milliarde genau dem offiziell noch vorhandenen US-Staatsgold von gut 8.100 Tonnen Gold… Schon 2005 schrieb ich, dass die USA im Falle einer Bezahlung ihrer Schulden per Staatsgold noch etwa 42 Tage lang liquide wären. Heute wären sie es trotz inzwischen verdreifachtem Goldpreis nur noch geringere Zeit… Auch das deutsche Gold bei der Fed (weitere gut 1.500 Tonnen) wäre im Ernstfall innerhalb weniger Stunden „verdampft“. Zeichnen Sie darum gerne weiter mit bei der Bürgerinitiative „Holt unser Gold heim“. Vielen Dank dafür.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Goldseitenblog.


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