12. Dezember 2013

Putins unsichtbarer Terror Du machst uns nichts vor, Bürschchen!

Freie Meinungsäußerung, keine Zensur – gehts noch durchsichtiger?

Jedes Kind weiß: Für Putin den Schrecklichen ist kein Mittel zu schändlich, seine grenzenlose Macht zu sichern. Wie perfide der russische Finsterling dabei im Detail vorgeht, ist vielen unbekannt. Höchste Zeit, darüber aufzuklären.

Unter dem Titel „Wie der Kreml die Medien kontrolliert“ bringt Zeit-Online dieser Tage ein erschütterndes Interview mit dem oppositionellen russischen Journalisten Michail Fischman. Wer noch Zweifel hatte – hier werden sie ausgeräumt. Putins Strategie könnte abgefeimter nicht sein. Denn: Man kann ihm einfach nichts nachweisen.

Es gibt keine offizielle Pressezensur, erzählt Fischman. Das Internet ist sowieso frei. Die im Westen kritisierten Gesetze, etwa das Verbot homosexueller Propaganda gegenüber Minderjährigen, finden in der Praxis kaum Anwendung. Private Nachrichtensender bleiben vom Staat unbehelligt. Selbst der Sender Echo Moskwy, obgleich zu Gazprom gehörig, schlägt regelmäßig regierungskritische Töne an. Fischman schließt fassungslos: „Die Regierung lässt kritische Berichterstattung einfach geschehen.“

Das ist natürlich ein starkes Stück. So verschleiert Putin geschickt seine wahren Absichten. Und die haben es in sich. Denn wie jedes Kind weiß: Für Putin den Schrecklichen ist kein Mittel zu schändlich, seine grenzenlose Macht zu sichern!

Seine Propaganda wirkt im Verborgenen. Die Russen üben Selbstzensur. Die Menschen interessieren sich schlichtweg nicht für die kritischen Medien. Russische Unternehmen schalten dort kaum Werbung. Freiwillig? Ha! Wo kämen wir denn da hin. In Wahrheit haben sie alle Angst. Vor der Regierung. Vor Putin. Denn, aufgepasst: Für Putin den Schrecklichen ist kein Mittel zu schändlich, seine grenzenlose Macht zu sichern!

So schauen sich die Menschen völlig unkritisch im Fernsehen an, wie das olympische Feuer durch Sibirien getragen wird. Dabei ist, wie Fischman beklagt, die wirkliche Nachrichtenlage doch ganz anders: Pussy Riot! Die Greenpeace-Aktivisten! Das sind die wirklichen Themen! Aber für die tumbe Masse an Don und Wolga ist „wirklich“ und „westlich“ einfach keine Gleichung. Es ist zum Heulen. Die Russen üben mal wieder – Selbstzensur. Sie haben Angst. Unglaubliche Angst. Vor der Regierung. Vor Putins unsichtbarem Terror. Denn wie jedes Kind weiß… ja, ganz genau.

Tja. Bei soviel subtilem Metaterror ist es kein Wunder, dass zwischen Königsberg und Wladiwostok viele, viele Menschen im Gefängnis sitzen. 20.000 von ihnen, darunter auch die Damen von der Pussy-Fraktion, will Wladimir Putin zum 20. Jahrestag der Verfassung freilassen. Eine großzügige Geste? Ha! Wo kämen wir denn da hin. Natürlich verbirgt sich auch hinter dieser Aktion finsterste Berechnung. An den Gnadenakt eines absoluten Fürsten erinnere die Geste, schimpft n-tv.de – ein moralisch überlegenes Portal aus einem moralisch überlegenen Land, welches es selbstverständlich nicht nötig hat, mit derselben fürstlichen Großzügigkeit einen gewissen Horst Mahler zu begnadigen. Denn der hat schließlich „Heil Hitler“ gesagt – pfui! Wo kämen wir denn da hin! Zwölf Jahre Knast reichen dafür kaum aus! Wehret den Anfängen! Sonst kommt es bei uns bald auch so weit wie in Russland!


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Martin Johannes Grannenfeld

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