19. Dezember 2013

Bitcoins Im Spektrum zwischen natürlichem Geld und Falschgeld

Die richtigen Kämpfe führen

Vorab ein Videohinweis: Professor Thorsten Polleit diskutierte im DAF in einer nicht vergnügungssteuerpflichtigen aber notwendigen Debatte mit einem (zu) selbstbewussten Systemling namens Karpowitz von der faktisch verstaatlichten und seit Jahren mit Steuergarantien „geretteten“ Commerzbank (für die Schäuble trotz Auslagerung von Milliardenschrott in eine interne Bad Bank partout keinen Käufer findet – sogar die Unicredit hat trotz angebotener hoher „Incentivierung“ abgewunken). Rhetorisch begabt und mit gewisser Chuzpe und Aggressivität versucht Karpowitz, das Papiergeld, von dem er lebt, zu verteidigen. Prof. Polleit findet dazu die richtigen Antworten. Den Link zum Video finden Sie unten.

Das eigentliche Thema des Interviews (Bitcoins) geht inmitten der geldtheoretischen Diskussion der beiden Volkswirte ein wenig unter. Es ist auch zu komplex für eine Analyse in 15 Minuten. Hier haben beide Debattierer ein wenig recht. Am Ende wird der Markt (und damit der Akzeptanzwille der Menschen) über Bitcoins entscheiden, falls nicht die Welt-Geldregulierer das Thema schon vorher beenden. Die Rolle von BTCs als dauerhafter Wertspeicher ist im Gegensatz zur durchaus erfüllbaren Rolle als Transaktionsmedium sehr fraglich, weswegen Bitcoins sich langfristig wohl nicht als vollwertiges Geld durchsetzen werden. Derzeit sind sie ohnehin zu 99 Prozent eine „Währung“ für Spekulanten. Ob Bitcoins nun mit Mises Regressionstheorem in Einklang stehen oder nicht, wird dabei nicht alleine den Ausschlag geben. Gutes Geld muss eine ganze Reihe von Kriterien erfüllen – das Bestehen des RT-Tests ist ein zwar notwendiges aber nicht hinreichendes Kriterium für gutes Geld.

Prof. Polleit argumentiert in einem Artikel auf der Internetseite des Ludwig von Mises Institut Deutschland wie folgt: Bitcoins übertrügen den bereits existierenden Tauschwert des Papiergeldes auf den Bitcoin. Der Bitcoin könne darum die Geldfunktion des Papiergeldes übernehmen – und sei in diesem Sinne vereinbar mit dem Regressionstheorem (RT).

Dies mag stimmen. Allerdings könnte mit dieser Begründung praktisch jeder Geldkandidat den Test des RT bestehen! Auch und insbesondere unser heutiges Fiat-Geld. Genau in diesem Sinne schrieb ich 2009 im Smart Investor einmal vom „Nachhallen” der ehemaligen Golddeckung im heutigen Fiat Money: „Mises weist nach, dass nur Güter, die irgendwann einmal einen signifikanten intrinsischen oder Gebrauchswert hatten, überhaupt akzeptiertes, ‘natürliches’ Geld werden konnten. Diese Argumentation führt aber zwingend zum Schluss, dass ungedecktes Papiergeld nur deshalb heute noch als Geld mit Wertspeicherungsfunktion akzeptiert wird, weil die Menschen – seit 1971 ungerechtfertigterweise – noch immer von der Golddeckung der Währungen ausgehen. Diese falsche Annahme ist ein ‘Nachhallen’ der Welt vor 1971 bzw. vor 1913 und sie ist noch immer kollektiv im Gedächtnis der meisten Menschen verankert.“

Wenn man Thorsten Polleits Gedanken also etwas anders formuliert, dann hallt nun eben im Bitcoin das etablierte Fiat Money und darin wiederum die ehemalige Golddeckung nach. Nun denn, man kann das mit gewissem Recht so sehen. Es läuft eben immer wieder auf das Geld-Original Gold hinaus. Auch die Kaufkraft von  BTCs wäre in diesem Sinne des indirekt angewandten Regressionstheorems der Eigenschaft von  BTCs als (schwaches) Goldderivat geschuldet. Wenn sich das aber erst herumspricht und die Zockerhypephase bei  BTCs vorüber ist, wird der  BTC-Preis auf nahe seinen intrinsischen Wert oder höchstens auf den aus seiner Eigenschaft als Transaktionswährung resultierenden (niedrigen) Wert zurückfallen.

Der Preis des Goldoriginals wird dies niemals tun. Denn er speist sich nicht nur wie bei Bitcoins aus der Transaktionsnachfrage und aus einer (bei Gold langfristig sogar unwichtigen) Preissteigerungserwartung, sondern aus allen wichtigen Geld-Eigenschaften. Siehe dazu auch Tabelle in „Silber als natürliches Geld“ (Peter Boehringer, 2011):

- Ultimatives Sparmedium über fast alle Kulturen und Zeiten hinweg

- Natürliches Geld ohne Gegenparteien-Risiko; da entstehend ohne Verschuldung einer Gegenpartei

- Natürliches Geld aus Gründen physikalischer Einmaligkeit

- Medium der ultimativen Schuldentilgung (über fast alle Kulturen und Zeiten hinweg)

- Gebrauchswert (Schmuck, Industrie)

- Instrinsischer Wert (nicht bezifferbar und gegebenenfalls irrational – dennoch vorhanden)

- Wert aus psychologischen Gründen („Sicherer Hafen“; „Mystisches Metall“ – irrational aber psychologisch doch seit Jahrhunderten real)

- Preissteigerungserwartung gegenüber Papiergeld (derzeit kaum vorhanden – aber rational, wenn die weitere Inflationierung der Fiat Währungen anhalten sollte)

- Transaktionsmedium (derzeit nur theoretisch, da demonetisiert)

Wenn man die beiden letzten Punkte betrachtet, scheint es fast so, als ob Bitcoins derzeit ihre Attraktivität aus genau den beiden Eigenschaften ziehen, die Gold nach dem Willen der preismanipulierenden Welt-Geld-Totalitären keinesfalls haben darf: Erwartetes Preissteigerungspotenzial (= Zockergewinne) und anonymes Transaktionsmedium (= Freiheitsgedanke; ist aber bei Bitoins durch die Weltregulierer mittels gewisser Obstruktion zu unterbinden). Das macht BTC attraktiv. Aber nicht zum natürlichen vollwertigen Geld. Caveat: Meine Meinung kann widerlegt werden. Aber nur durch freie Marktwahl der Menschen über Jahrzehnte hinweg. Also bitte keine wütenden Zuschriften zum „ BTC-Feind PB“. Nichts wäre falscher. Ein Skeptiker ist kein Feind . Bitcoins sind eine interessante Bereicherung des freien Geldwettbewerbs, für den wir kämpfen müssen. Und ich weiß genau, dass die (ursprünglichen)  BTC-Entwickler und  BTC-Early-Adopter Freiheitskämpfer waren und sind. Aber man sollte immer die richtigen Kämpfe führen. Der um wirklich gutes Geld ist der Richtige.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Goldseitenblog.

Links

Thorsten Polleit im DAF

Thorsten Polleits Artikel auf misesde.org


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