03. Februar 2014

Zentralbank Willkommen im Club, Herr Stelter!

Neuer Verschwörungstheoretiker zum Bundesbank-Gold

Lieber Daniel Stelter,

Sie sind in Sachen „Schneeballsystem Finanzwelt“ und Geldsystemkrise ein langjähriger Systemkritiker. Soweit, so gut. Zwar habe ich Sie seit Ihrer vorauseilenden Auftragsarbeit für Wolfgang Schäuble „Back to Mesopotamia“ von 2011 immer mal wieder einen bösen Vermögensenteigner gescholten.

Und leider erklären Sie auch heute nicht, wie Sie Ihren damaligen so originellen BCG-Vorschlag „Enteignung der privaten Sparvermögen zur Lösung der Schuldenkrise“ eigentlich mit dem nun als sinnvoll erachteten privaten physischen Goldkauf zur Sicherung eben dieser privaten Sparvermögen in Einklang bringen? Gold, das ja nun eigentlich enteignet werden soll. Und nett wäre auch eine genaue Erklärung, wie solche Vermögens-Enteignungen unter Einhaltung des weiterhin geltenden Verfassungs- und Freiheitsrechts auf Eigentum durchgeführt werden sollen – welches aus Österreichischer Sicht sogar existenziell wichtig für produktive Gesellschaften ist.

Aber Schwamm drüber. Wen kümmert schon Logik? Man hat ja mal Auftraggeber, mal Leser – und schreibt eben, was die jeweils so hören wollen. Konsistenz über Zeit und Bücher hinweg – wen juckt das schon in einer schnelllebigen Medien-Welt?

Heute 2014 zählt doch nur was ganz anderes: Seit ein paar Tagen darf ich Sie nun als integren Mitkämpfer um das Gold der Bundesbank in unseren Reihen herzlich willkommen heißen! Zwar ist es nur eine Frage der Zeit, bis der deutschsprachige Mainstream die von Ihnen eben positiv rezitierte Forderung der „Financial Times“ vom 24. Januar 2014 nach Rückführung des deutschen Goldes nach Deutschland kritisiert. Wenn die solche Sätze lesen wie hier bei der „FT“ oder bei Ihnen im Blog, dann werden Sie im Mainstream sofort Mitglied unseres Clubs der fragenden Paranoiden:

„Learn from Buba and demand delivery for true price of gold

A year ago the Bundesbank announced that it intended to repatriate 700 tons of Germany's gold from Paris and New York. … a couple of jumbo jets could have managed the transatlantic removal. … While he awaits delivery, Herr Weidmann is welcome to come and look through the bars in the Federal Reserve’s vaults, but the question is: Whose bars are they? … After all, nobody knows whether there are really 260 million ounces of gold [at the Fed], because the US government won't let auditors inside.“

Sie haben einen Teil dieses Textes ja nun dankenswerterweise auf Ihrer Seite übersetzt und sich dem FT-Fazit angeschlossen: „Eigentlich eine einfache Sache: drei Jumbojets und das Thema ist geklärt. Doch im letzten Jahr war es deutlich weniger und bei der Geschwindigkeit dauert es 20 Jahre (eigentlich sogar 62 Jahre, Anmerkung des Verfassers) bis das Gold vollständig auf deutschem Boden lagert. Damit stellt sich die Frage: ist das Gold wirklich vorhanden (es gibt keine unabhängige Überprüfung der Bestände) und wenn es vorhanden ist, ist es wirklich verfügbar? Oder wurde es verpfändet, zum Beispiel um goldhinterlegte Finanzprodukte zu kreieren oder auch zur simplen Spekulation? Diese Sorge gewinnt noch dazu an Nahrung, dass das Gold vor der Lieferung nach Deutschland noch in neue Barren geschmolzen wird.

Fazit der ‚FT‘: kann sehr gut sein, dass das Gold gar nicht da ist oder dass es verpfändet ist. Und gibt den Rat an alle jene, die Gold besitzen wollen: mach es wie die Buba: verlang es physisch. Ich, Daniel Stelter, kann mich nur anschließen. Wenn es sogar die ‚FT‘ thematisiert.“

Lieber Herr Stelter: Es kann nun eigentlich nur noch Stunden dauern, bis Sie offiziell und gleichlautend-abgestimmt in allen Mainstream-Blättern als „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnet werden. Aber machen Sie sich nichts draus: Schäffler, Bandulet, Henkel, Turk, Hathaway, Boehringer, Habermann, von Hohenhau, Weede, Schulte, Hellmeyer, Popp, Hankel (R.I.P.), Bagus, Schünemann, Wenger und vielen vielen anderen zuvor ging es ebenso. Sogar ein Dimitri Speck wurde für einfache Fragen und unwiderlegbare statistische Erkenntnisse schon als Manipulationsbehaupter und Verschwörungstheoretiker gescholten. Das geht alles vorbei. Und am Ende siegt ohnehin die Wahrheit.

Danke also für Ihre schöne Übersetzung des „FT“-Fazits! Und willkommen in unserem Club der unberührbaren Verschwörungstheoretiker. Wenn es so weiter geht, nehmen wir in wenigen Jahren auch noch die Bundesbankvorstände Thiele und Weidmann hier bei „Holt unser Gold heim – Hauptzeichner“ mit auf, wo wir nun nach Diekmann und Mißfelder auch Sie gerne zur Mitzeichnung einladen! Die Herren Weidmann und Thiele sind derzeit noch qua Amt in der etwas unangenehmen Lage, die von der BuBa nicht auditierbaren Goldtresore ihrer „Partnerzentralbanken“ Fed, BoE und BdF als „integer“ bezeichnen zu müssen. Und die unterlassenen Gold-Audits im In- und Ausland durch all ihre Vorgänger seit Blessing irgendwie schönreden zu müssen.

Und natürlich hat der BuBa-Vorstand die in der Tat gewaltige Verantwortung, das jahrzehntealte „fractional gold banking“-System der Zentralbanken und speziell der BuBa bzw. deren Goldverwahrerin Fed nicht allzu transparent werden zu lassen. Bekannte Mehrfachverleihungen von Barren durch Fed & Co würden ja die (seit 1971 inoffizielle aber weiterhin relevante) Goldbasis des Welt-Geldsystems noch kleiner dastehen lassen als sie ohnehin ist. Und auf dieser physischen Basis von höchstens 25.000 Tonnen / einer Billion Dollar (zehn hoch zwölf) ruht immerhin die Weltkreditmenge von inklusive Derivaten heute wohl über einer Billiarde Dollar (englisch: quadrillion / zehn hoch 15)! Ein Bekanntwerden des „fractional gold banking“-Systems durch Mehrfach-Eigentümerschaften der ZB- / GB- und ETF-Barren würde also den globalen Geldmengen-Hebel „Welt-Kredit zu Welt-Zentralbank-Gold“ von bereits perversen 1000 : 1 in noch viel groteskere Größenordnungen bringen! Vor diesem Hintergrund haben wir also ein gewisses Verständnis, dass sich der amtierende BuBa-Vorstand heute noch nicht zur Mitzeichnung unserer Forderung nach Heimholung des deutschen Goldes durchringen kann.

Weniger Verständnis haben wir für die Kollegen des Mainstreams, die unsere absolut überfälligen Forderungen nach einer transparenten Klärung der unverliehenen (?) physischen Existenz des deutschen Gold-Barrenbestands in allen aus- und auch inländischen Tresoren noch immer mit der „Verschwörungs“-Keule abwürgen! Die „FT“ und nun auch Daniel Stelter haben verstanden. Hunderttausende denkender Beobachter auch – wenn man die immer überwältigend kritischen Kommentare der Leser unter „Verschwörungsbehauptungs“-Artikeln so ansieht. Die Kollegen des Mainstreams sollten sich darum sehr ernsthaft fragen, welche Intelligenz sie eigentlich ihren Lesern noch zutrauen, wenn sie offensichtlich einseitig, amateurhaft unkritisch nachfragend und systemtragend parteiisch wie einst das „Neue Deutschland“ oder der „Schwarze Kanal“ über einen anhaltenden Intransparenz-Skandal beim Zentralbank-Gold berichten.

Eine kleine Bitte aber noch, lieber Herr Stelter. Auch die Bundesbank singt nun seit zwei Tagen Ihr altes BCG-mesopotamisches Enteignungslied: „Brisanter Vorschlag der Bundesbank: Zwangsenteignung zur Staatenrettung?“ Ich hatte das ja schon seit langem kritisiert – etwa hier: „Enteignung im Namen EUropas“ - wo ich den absurden Vorschlag „Enteignungen der Privatsparer, denn die sind ja schuld an der Finanzkrise“ passend gewürdigt habe. Ganz aktuell tun dies auch in klaren Worten die Autoren Lindhoff (eigentümlich frei), Fischer („Wirtschaftswoche“) sowie etwa hier Polleit (Mises-Institut):

„Die Geisteshaltung, die sich hinter dieser Empfehlung verbirgt, ist unmissverständlich. Sie lautet: Der Staatsbankrott muss mit allen Mittel verhindert werden. Es ist besser, Private zu enteignen (und sie möglicherweise auch ins Elend zu stoßen), als dass der Staat zahlungsunfähig wird. Der Staat muss mit allen Mitteln gerettet werden. Das Kollektiv zählt, nicht der Einzelne! Der Einzelne hat dem Staat zu dienen. Erst der Staat, dann der Bürger. Man kann über die Richtigkeit von Schuldenschnitten streiten. Dass aber von Ökonomen, die im Staatssalär stehen, Empfehlungen verbreitet werden, die den Staat bedingungslos retten wollen, auch gegen die Interessen der Bürger, hinterlässt einen mehr als faden Beigeschmack.“

Ihre Enteignungsempfehlung, lieber Herr Stelter, sollten Sie also noch kurz widerrufen und ein öffentliches „mea maxima culpa“ sagen. Dann können wir bei beiden Themen (BuBa-Auslandsgold und Zwangsenteignung) gemeinsam zu Felde ziehen. Wir gehören schließlich nicht zur „BUBA“-Fraktion („Blöde Untertanen Bleiben Ausgeraubt“). Darauf trinken wir dann gemeinsam ein Bier. Sie sind heute schon darauf eingeladen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Goldseitenblog.


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