19. Februar 2014

Europa Fuck the EU

Eine Glosse zur EU-Propaganda

Schon ironisch, wie andere dafür abgestraft werden, dass sie die Wahrheit aussprechen, nur weil sie die anderen sind. Fuck the EU. Man kann es nicht häufig genug aussprechen, lesen und davon schreiben. Die Nuland hat schon recht, zwar nicht auf die Weise „Endlich spricht mal jemand die Wahrheit aus“, sondern in dem Sinne, dass sie nur ausdrückt, was tagtäglich Millionen von Menschen in Europa ohnehin denken: Fuck the EU. Egal, ob man hart schuftender Grieche ist, der sich wie ein anderer hart schuftender Grieche vorkommen muss, nämlich wie Sisyphos, wenn man  Monat für Monat harte Arbeit leistet, sich der eigene Kontostand aber dennoch nicht erhöht; egal, ob man  Student in einer beliebigen Stadt in Europa ist, der dank Bologna-Reform und der daraus folgenden Bachelor-Bürokratisierung zu seinem eigenem Zeitmanager geworden ist; oder ob man als Immigrant hunderte und tausende Kilometer auf sich genommen hat, um in Europa zu arbeiten und zu leben, aber letztlich an der Grenze abgewiesen wird – alle denken sich nur: Fuck the EU.

Dabei ist es in der Weltgeschichte absolut nichts Neues, wenn man einen Affront von außen nimmt, um daraus Propaganda nach innen zu schüren, ein politisches Feindbild zu schaffen und innenpolitische Stabilität zu suggerieren.

Wie hat Bismarck noch mal den katholischen Süden ins Reich geholt? Wie hat man 1914 den Burgfrieden geschaffen? Ach genau, durch Feindbilder. Genauer, mit Hilfe des Feindbildes des Franzosen, dem bösen, bösen Erbfeind, den wir Deutschen übrigens ohne zu zögern wieder überfallen würden. Das wissen die Eurokraten bestens, dass jeder Deutsche nur darauf wartet, Opas alten Karabiner endlich aus dem Keller zu holen, um dem Franzmann aus Rache an 1945 endlich einen überzuziehen. Aber zum Glück gibt es ja die EU, die genau für diese Wundertat, den Deutschen endlich den Frieden eingetrichtert zu haben, den Nobelpreis (mit Doppelpluspunkt für das großspurige Eigenlob) echt voll verdient hat. Zum Nobelpreis fallen einem dabei doch gleich mehrere gute Fragen ein. Wie zum Beispiel die Frage, wann man diesen Preis eigentlich als so gutes und effizientes Propagandamittel entdeckt hat? War das schon bevor oder erst nachdem Obama den Preis bekommen hatte? Und ob Obama  – wenn er ihn nicht schon für seine Drohnenschar, die jedem noch so kriegsversessenen Zivilisten den ewigen Frieden geschenkt hat und auch weiterhin schenkt – den Nobelpreis noch mal bekommen würde? Obama der Friedensstifter – „Yes, we scan!“?

Aber Freund und Feind sind eben schwer auseinanderzuhalten, wenn man ein Imperium zu führen hat. Da muss man natürlich darauf hinweisen, dass in Wirklichkeit der böse Iwan einen Keil zwischen die alten Freunde treiben möchte und dass er daran schuld ist,  dass diese Sache überhaupt veröffentlicht wurde. Überhaupt hat Nuland das doch nur aus Manipulation der Russen gesagt. Ja, alte Freunde sind wir doch, wir „EU-nianer“ und Amerikaner. Freunde, die man eben so sehr lieb hat, dass man sie per Spionage ganz genau unter die Lupe nehmen muss. Da vergisst man unter lauter Freund-/Feind-Schemata gerne mal die eigenen Probleme, die eigenen Bürgerrechte, die stark antidemokratischen Tendenzen der EU und überhaupt die eigentlich unübersehbare Inkongruenz von EU und Europa. Alles ohnehin für die Katz!

Aber so schnell geht das nun mal: Eben noch den Abgesang auf die Nation und den Nationalismus angestimmt, plötzlich grölt man schon feuertrunken von der EU. Seltsam findet man daran nur, dass der Eurokurs vor lauter Propaganda dieser Tage nicht stark in die Höhe erigiert ist. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass vielen Menschen die billige Propaganda egal ist, da sie vor allem über die ökonomische Krise, die Nachwirkungen der künstlichen „EUphorie“ der politischen Klasse, die man hierzulande auch noch verspüren wird, und die massive Verletzung der Bürgerrechte nicht hinwegtäuschen können. In fast allen Mitgliedsstaaten der EU gibt es eben eine Mehrheit gegen die EU.

Und  daher noch einmal, weil es zwar nicht befreiend, aber wenigstens schön klingt: Fuck the EU.


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Michael Sprick

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