14. April 2014

Marktkommentar Aktienmärkte vor dem Absturz

Warum man Sturmwarnungen nicht in den Wind schlagen sollte

An den Aktienmärkten stehen erneut alle Zeichen auf Sturm: Drastische Überbewertung, überkaufte Markttechnik in allen relevanten Zeitfenstern, Sentimentindikatoren, die ein Höchstmaß an Euphorie und Sorglosigkeit widerspiegeln, steigende Zinsen an den Anleihemärkten und ein makroökonomisches Umfeld, das sich hart an der Grenze zur Rezession bewegt. Diese Konstellation, die wir in der aktuellen Themenschwerpunkt-Ausgabe unseres Börsenbriefs „Krisensicher Investieren“ ausführlich besprechen, mündete in der Vergangenheit immer in eine große Aktienbaisse oder – wie in den Jahren 1929 und 1987 – in einen spektakulären Crash.

Es gibt nur eine einzige Ausnahme, und das sind die vergangenen beiden Jahre. Die oben beschriebene Konstellation der massiven Sturmwarnung liegt nämlich bereits seit 2012 fast ohne Unterbrechung vor. Dennoch ist das Platzen der Blase, der mehr als überfällige Absturz der Aktienmärkte bisher ausgeblieben. „Warum soll es jetzt anders kommen?“, wurde ich am Montag dieser Woche in einem Interview gefragt, „wodurch unterscheidet sich die aktuelle Situation?“

Der richtige Umgang mit Risiken

Bevor ich auf den vielleicht entscheidenden Unterschied zu sprechen komme, macht es an dieser Stelle Sinn, sich ein paar Gedanken über den Umgang mit Risiken zu machen. Wenn Sie als Segler oder Bergwanderer eine Sturmwarnung erreicht, dann werden Sie zügig einen Hafen beziehungsweise eine Schutzhütte ansteuern. In den seltenen Fällen, in denen sich der Sturm wieder verzieht, werden sie diese Entscheidung nicht in Frage stellen, weil Sie wissen, dass es richtig war, sich nicht dem sehr großen Risiko auszusetzen, auf das Sie die Sturmwarnung aufmerksam gemacht hat. Und wenn Sie später davon hören, dass Hans Leichtfuß trotz Sturmwarnung am Berg beziehungsweise auf See geblieben ist, dann werden Sie dieser Person wahrscheinlich niemals Ihre Kinder oder Enkel für einen Ausflug anvertrauen.

Ganz anders verhalten sich die meisten Menschen in vergleichbaren Situationen an den Finanzmärkten. Wenn hier der Sturm ausbleibt, dann wird zumeist die Sturmwarnung in Frage gestellt, ganz gleich wie fundiert sie gewesen sein mag. Und Hans Leichtfuß, der die Warnung in den Wind geschlagen hat, gilt nicht etwa als kurzsichtig und verantwortungslos, sondern als der Held des Tages, dem man seine Kindern nur allzu gerne anvertraut.

Kommen wir nun zurück zu der Frage, warum die Situation jetzt noch brisanter ist als je zuvor in den vergangenen beiden Jahren. Die Antwort lautet: Zusätzlich zu der Fülle negativer Einflussfaktoren, die ich oben umrissen habe, hat inzwischen auch noch eine geldpolitische Wende in den USA stattgefunden. Im Anschluss an ihre Sitzung vom 19. März dieses Jahres haben die US-Gelddrucker unter Vorsitz ihrer neuen Präsidentin Janet Yellen den Beschluss verkündet, ihr Anleihenkaufprogramm um weitere 10 Milliarden Dollar auf nunmehr 55 Milliarden Dollar pro Monat zu reduzieren. Das war der nunmehr dritte Schritt in dieser Größenordnung seit Ende vorigen Jahres, und weitere Schritte wurden in Aussicht gestellt.

Wahrscheinlich wird das der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Denn jede Spekulationsblase wird von einer Story begleitet, mit der die Masse der mehr oder weniger naiven Spekulanten ihr hochriskantes Tun rationalisiert. Eine Story, die im Lauf der Zeit so hohl wird, dass nach und nach selbst ihre glühendsten Verfechter abtrünnig werden müssen. Ende der 90er Jahre nährte die technische Revolution die absurde Hoffnung auf grenzenloses und ununterbrochenes Wachstum. Mitte der 2000er Jahre war es die Überzeugung, dass Immobilienpreise immer steigen würden. In den vergangenen Jahren schließlich war es der Glaube an die Allmacht der Zentralbankbürokraten und an die Wirkung der Zentralbank-Anleihenkäufe auf die Aktienmärkte. Die längst begonnene Reduzierung dieser Anleihenkäufe wird sich als der Anfang vom Ende des kuriosen Gelddruckmaschinen-Kults erweisen, der die vergangenen Jahre geprägt hat.

Gewinnen Sie, wenn die Blase platzt

Vor diesem Hintergrund gehe ich davon aus, dass die Chancen, die sich Ihnen mit dem Platzen der aktuellen Spekulationsblase demnächst eröffnen werden, mindestens ebenso attraktiv sein werden wie in 2007/08. Ich hoffe sehr, dass Sie auf dieses Szenario vorbereitet sind. Denn den Chancen stehen natürlich auch entsprechende Risiken gegenüber, die den unvorbereiteten Anleger genauso hart treffen werden wie damals, in 2000 bis 2003 und dann noch einmal in 2007 bis 2009.

Weitere Analysen finden Sie in Claus Vogts Börsenbrief Krisensicher Investieren.


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