05. Mai 2014

Marktkommentar Geldpolitische Wende

Vier Indikatoren, die dafür sprechen, dass sich die US-Wirtschaft auf dem Weg in die Rezession befindet

Ich wiederhole mich nur ungern, aber in diesen Zeiten finde ich es immens wichtig, dass Sie erkennen, welche Show uns die US-Ökonomen gerade liefern.  Denn obwohl mehrere bewährte Kennzahlen für eine Rezession sprechen, halten die Wirtschaftsexperten an ihrem einseitig positiven Stimmungsbild fest. Schon im letzten Marktkommentar wies ich Sie ja auf das aus meiner Sicht recht erstaunliche Ergebnis einer von Bloomberg durchgeführten aktuellen Ökonomen-Befragung hin: Unter den 67 Teilnehmern der Umfrage befand sich kein einziger, der in diesem Jahr den Beginn einer Rezession in den USA für möglich hält. Kein einziger. Es ist unglaublich. Denn die Fakten sprechen eine andere Sprache.

Rezessionsindikator: Schwaches US-Wirtschaftswachstum im ersten Quartal          

Am Mittwoch dieser Woche erfolgte die Veröffentlichung der ersten offiziellen Schätzung des US-Wirtschaftswachstums im ersten Quartal dieses Jahres. Mit gerade einmal 0,1 Prozent fiel das BIP-Wachstum (Bruttoinlandsprodukt) verschwindend gering und überaus enttäuschend aus. Die befragten Ökonomen rieben sich verwundert die Augen. Immerhin hatten sie im Vorfeld der Veröffentlichung noch mit einem Plus von 1,2 Prozent gerechnet, nachdem sie Anfang des Jahres sogar auf drei Prozent getippt hatten. Natürlich werden als Erklärung dieser enttäuschenden Entwicklung nicht die negativen Wirkungen der unkonventionellen Geldpolitik herangezogen, sondern der in Teilen der USA sehr kalte Winter.

Doch es kommt noch schlimmer: Am Donnerstag wurde mit den US-Bauausgaben im März eine weitere überaus schwache makroökonomische Zahl veröffentlicht. Sie liegt deutlich unter der Schätzung, die für die Berechnung des BIP verwendet wurde. Das lässt darauf schließen, dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal noch nicht einmal um 0,1 Prozent gewachsen, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar leicht geschrumpft ist.

Diese traurige Entwicklung hält die notorisch optimistische Ökonomenschar aber nicht davon ab, ihrem bewährten Motto „Bull Sells!“ treu zu bleiben. So verloren die Volkswirte von Goldman Sachs keine Zeit und wiederholten kurz nach Bekanntgabe der schwachen Zahlen des ersten Quartals ihren Drei-Prozent-Tipp – jetzt eben für das zweite Quartal. Da frage ich mich, welche Ausrede sich die Ökonomenschar im nächsten Quartal ausdenken wird. Vielleicht werden es dann ja die Überschwemmungen in Florida sein, die das Wachstum im ganzen Land behindert haben sollen.            

Rezessionsindikator: Lohnstückkosten steigen schneller als die Produzentenpreise            

Dabei sprechen neben dem vorige Woche von mir genannten Ende der Bärenmarkt-Rallye an den Immobilienmärkten noch weitere wichtige Kennzahlen zumindest gegen den erhofften Aufschwung, wenn nicht sogar für eine Rezession. Dazu gehören beispielsweise die Ende November vorigen Jahres in meinem Newsletter besprochene jährliche prozentuale Veränderung des nominalen US-BIP zum Vorjahr oder die reale US-Endnachfrage, deren Bedeutung als Rezessionsindikator ich in der Dezember-Ausgabe von Krisensicher Investieren thematisiert habe, sowie die Tatsache, dass die Lohnstückkosten derzeit schneller steigen als die Produzentenpreise. Diesen Indikator haben wir unseren Lesern übrigens bereits im Januar in unserer Themenschwerpunkt-Ausgabe „Sieben alarmierende Prognosen für 2014“ vorgestellt.

Rezessionsindikator: Kennzahl Investitionsgüterproduktion versus Konsumgüterproduktion spricht für Rezession

Heute möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf eine weitere realwirtschaftliche Kennzahl lenken, die zu demselben Ergebnis kommt wie die gerade Genannten: die Investitionsgüterproduktion im Verhältnis zur Konsumgüterproduktion. In der Österreichischen Schule der Ökonomie, vor allem aufgrund der Arbeiten von Friedrich August von Hayek, spielt die Produktionsstruktur eine sehr wichtige Rolle bei der Entstehung des Wirtschaftszyklus. Auf die recht komplizierten Details kann ich an dieser Stelle nicht näher eingehen. Hier muss der Hinweis genügen, dass die Kennzahl Investitionsgüterproduktion im Verhältnis zur Konsumgüterproduktion einen wichtigen Einblick in die Veränderung der Produktionsstruktur ermöglicht.

In Übereinstimmung mit den theoretischen Überlegungen der Österreichischen Schule erfährt diese Kennzahl üblicherweise im Vorfeld oder in der Frühphase einer Rezession eine Trendwende. Die Erklärungen, warum das so ist, sind relativ kompliziert und würden den Rahmen dieses Newsletters sprengen. Hier genügt die Feststellung, dass sich diese Kennzahl in einer Konstellation befindet, die eindeutig gegen einen deutlichen Wirtschaftsaufschwung spricht. Stattdessen legt sie die Befürchtung einer bald beginnenden Rezession nahe.             

Rezessionsindikator: Geldpolitische Wende in den USA        

Es gibt noch ein weiteres, sehr gewichtiges Argument, das dafür spricht, dass sich die US-Wirtschaft und mit ihr die Weltwirtschaft am Beginn des unabwendbaren zweiten Teils des aktuellen Wirtschaftszyklus befindet, also in der Frühphase eines Abschwungs: Die US-Zentralbankbürokraten haben Ende vorigen Jahres eine geldpolitische Wende eingeleitet.

In bisher vier Schritten wurde der von der US-Zentralbank vorgenommene Kauf von Anleihen mit extra für diesen Zweck neu geschaffenen Geldes von 85 Milliarden Dollar pro Monat auf 45 Milliarden Dollar reduziert, und weitere Schritte wurden bereits in Aussicht gestellt. Die Bedeutung dieser geldpolitischen Wende wird drastisch unterschätzt.

Weitere Analysen und Anlagehinweise finden Sie in Claus Vogts Börsenbrief Krisensicher Investieren.


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