28. Mai 2014

Wegen Staatsgold FPÖ fordert Rücktritt des Nationalbank-Chefs

Die Prüfung war ein schlechter Scherz

Gestern schon waren Gerüchte und Fragen aufgekommen zu einem bevorstehenden Audit des Österreichischen Nationalgolds, das nach heutigen Angaben der Österreichischen Nationalbank (OeNB) zu 80 Prozent bei der Bank of England gelagert sein soll (gestern in einem Bericht des „Trend“-Magazins unter Berufung auf dieselbe OeNB war übrigens noch von zirka 54 Prozent die Rede). Nun, ich hatte dabei von Anfang an erhebliche Zweifel geäußert.

Es hat nun nicht lange gedauert – und schon gibt es „Antworten“ auf meine Fragen nach der Form dieses Audits: Wenn man nach den Infos aus der gestrigen Pressekonferenz der OeNB gehen will, hat das vorgestern erst angekündigte „Audit“ bei der Bank of England nun angeblich schon vorige Woche stattgefunden. Beweise oder Details gibt es wie immer – und wie von mir bereits mit 99-prozentiger Sicherheit vermutet – keine. Es gibt nun lediglich eine Verlautbarung zu einem Besuch von wie immer namenlosen Experten der OeNB und von „Vertretern“ des Rechnungshofs bei der Bank of England (BoE) – von dem etwa das „Wirtschaftsblatt“ gestern berichtete: „Vergangene Woche haben Experten der Notenbank und Vertreter des Rechnungshofs die Goldreserven überprüft, vor dem Wochenende auch in London. Das Gold sei dabei gewogen und in seiner Konsistenz geprüft worden. Seinen Informationen nach kam der Rechnungshof zum Schluss, dass alles in Ordnung ist, sagte Gouverneur Nowotny.“

Hier wurde also wieder einmal nicht öffentlich nachvollziehbar geprüft, gezählt, gewogen – schon gar nicht anhand öffentlich nachprüfbarerer Barrennummernlisten. Es gibt keine Fotos, keine Videos des Prüf-Vorgangs. Und kein namentlich benennbarer, haftungsfähiger, vereidigter Wirtschaftsprüfer hat einen Stempel unter einen veröffentlichten und beglaubigten Prüfbericht gesetzt. Und erst recht nicht wurden mögliche Entleihungen/Doppeleigentümerschaften der angeblich in Augenschein genommenen Barren geprüft, was nur durch Offenlegung der Barrennummern und deren Abgleich mit anderen Beständen (von ETF-Anbietern, Goldkontenanbietern, weiteren Zentralbanken, sonstigen) möglich wäre.

Der gesamte angebliche Prüfvorgang bei der BoE ist bezüglich des Prozessablaufs und bezüglich der „von N.N.“ angeblich festgestellten Ergebnisse intransparent, ungenügend, unglaubhaft und gemessen an Grundsätzen ordnungsgemäßer kaufmännischer Inventur ein schlechter Scherz. Es ist genau dasselbe wie seit vielen Jahren auch beim deutschen Bundesbank-Gold.

Auch weiterhin (und mit immer mehr Nachdruck!) muss also für Österreich ebenso wie für Deutschland mein seit Jahren bekanntes Zwischenfazit stehen bleiben: „Nach wie vor fehlen alle Beweise für eine vollständige, ordnungsgemäße und unverliehene Existenz des deutschen und österreichischen Staatsgolds! Die Beweislast für die unkompromittierte Existenz von Staatseigentum in hoher Milliardenhöhe liegt dabei eindeutig bei der Bundesbank (BuBa) und der OeNB.“

Alle somit auch weiterhin absolut berechtigten Fragen tut OeNB-Präsident Raidl als „Fragen einfacher Gemüter“ ab – dabei ähnlich aggressiv und widersinnig argumentierend wie Bundesbank-Vorstand Thiele, der solche Fragen trotz völlig fehlender Beleglage seitens der BuBa gerne als „grotesk“ bezeichnet.

Vor diesem Hintergrund unterstütze auch ich die vom FPÖ-Abgeordneten Deimek gegenüber Herrn Raidl erhobenen Aufforderungen zum Rücktritt und zur Entschuldigung.

Hier die Pressemitteilung von Herrn Deimek

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Goldseitenblog.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Peter Boehringer

Über Peter Boehringer

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige