18. Juni 2014

Wetterkunde „Todesgewitter“

Ein unverantwortliches „Bild“-Spiel mit Ängsten

Dossierbild

Gewitter sind zwar keine tägliche, aber eine ganz normale Erscheinung jedes mitteleuropäischen Sommers. Auch trägt jedes Gewitter ein gewisses Maß an „Unwetterpotential“ mit sich, wie es im modernen Sprachgebrauch heißt. Das Intensitätsspektrum der Gewitter ist gewaltig und reicht von leichten Gewittern bis zu lokal extrem schweren und blitzreichen Gewittern mit Orkanböen, Hagel und Starkregen. Ist die generelle Vorhersage von Gewittern noch eine ziemlich leichte Aufgabe, so ist eine zeitlich und örtlich genaue Vorhersage mit konkreten Angaben wie Hagelkorngröße, Niederschlagsmenge und Windgeschwindigkeit unmöglich. Hinweise gibt es kurzfristig nur über Radar.

Die Tatsache, dass bei einer Hitzewelle mit hoher Labilität Gewitter auch gehäuft auftreten, gibt jedoch noch keinen Grund, Panikstimmung zu erzeugen. Die Riesenschlagzeile von „Bild“ am 11. Juni 2014 „Drohen uns solche Todesstürme jetzt häufiger?“ ist daher unverantwortlich und reine Sensationsgier, der sich seriöse Medien enthalten sollten. Wenn dann noch der „Wetter-Experte Jörg Kachelmann“ zitiert wird, der per Twitter verkündete „Achtung, Unwettergedöns im Westen/Nordwesten wahrscheinlich. Die Gewitter von heute Abend verstehen keinen Spaß und es ist nicht notwendig, einen Blödtod zu sterben,…“, dann ist das einfach „blöd“.

„Blöd“ ist auch, wenn Peter Hoffman vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) auf die Frage, ob „wir jetzt jeden Sommer mit solchen Todes-Stürmen rechnen“ müssen, fabuliert: „Klar ist: Deutschland wird sich künftig auf schlimmere Wetterextreme einstellen“ müssen. Das ist dummes Geschwätz, denn nichts ist klar. Das ist unverantwortlich. Das ist völlig spekulativ. Es gibt nicht den geringsten Hinweis für die Vermutung, solche speziellen Großwetterlagen könnten zukünftig zu einem sommerlichen Dauerzustand werden. Das ist Spökenkiekerei und hat mit seriöser Wissenschaft nichts zu tun, eher mit politisierter Wissenschaft.

Doch offensichtlich ist das die Arbeits-Maxime des staatlich geförderten PIK, dessen Existenz-Auftrag war und ist, der Politik und den Medien „Horrorszenarien“ zu liefern, um dem „Klimaschutz“ ein quasi-wissenschaftliches Mäntelchen umzuhängen und sich dem Volk zu zeigen wie der Kaiser in seinen neuen Kleidern. Was den Staat antrieb, im Jahre 1992 das PIK zu gründen, hat Friedrich Nietzsche (1844-1900) treffend formuliert: „Dem Staat ist nie an der Wahrheit gelegen, sondern nur an der ihm nützlichen Wahrheit, noch genauer gesagt, überhaupt an allem ihm Nützlichen, sei dies nun Wahrheit, Halbwahrheit oder Irrtum.“ Es wäre schön, wenn es nur „Irrtum“ wäre, was das PIK so alles hinausposaunt.

An uns gerichtet empfahl Nietzsche: „Wollt ihr hoch hinaus, so braucht die eigenen Beine! Lasst euch nicht empor tragen, setzt euch nicht auf fremde Rücken und Köpfe!“ Das erinnert stark an Immanuel Kant, der uns empfahl, den Mut zu haben, den eigenen Verstand zu benutzen, um uns aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien.

Spiele mit der Sehnsucht nach dem vorindustriellen Klimagleichgewicht

Seit im Jahre 1986 über die Deutsche Physikalische Gesellschaft das Wortungetüm „Klima-Katastrophe“ in die Deutsche Sprache eingeführt wurde und flugs zum modischen Schlagwort aufstieg, hat die eigens dafür installierte „Klimaforschung“ die Daueraufgabe, uns vor allen möglichen Klimagefahren zu warnen. Da das Klima eine abstrakte Größe ist und der Mensch sich alles und nichts darunter vorstellen kann, wurde der Begriff „Wetterextreme“ geprägt. Da dem „Klimawandel“ über die „Erderwärmung“ Richtung und Ziel vorgegeben wurden, müssen folgerichtig auch die „Wetterextreme“ zunehmen. Doch alle Versuche, anhand des Wetters diese Behauptung zu belegen, sind gescheitert. Das Wetter verhält sich chaotisch und kennt keinen linearen Trend. Alle diesbezüglichen Prognose-Versuche sind kläglich gescheitert. Weder hat sich die Zahl der Sturmtiefs stetig erhöht, noch die Zahl der Sturmfluten, wie bei den Hitze- und Eistagen. Es ist ein unregelmäßiges Auf und Ab wie bei dem bis heute nicht erklärten und damit nicht verstandenen Wechsel von „Eis- und Warmzeiten“. Das Wetter kann man nicht nach der Uhr stellen!

Wenn solche Angstszenarien von staatlichen Forschungsinstituten produziert werden, dann ist „Ruhe die erste Bürgerpflicht“, dann empfiehlt sich immer ein Blick in die Geschichte. Da fiel mir aus der Kosmos-Bibliothek ein Büchlein „Sturmfluten“ in die Hand. Es wurde 1962 von Jürgen Hagel geschrieben. Zu Beginn wird ausführlich die Sturmflutkatastrophe vom 16. und 17. Februar 1962 sowie deren Schäden entlang der Nordseeküste beschrieben. War sie schon eine Folge der „Erderwärmung“, des „Klimawandels“? Solche Betrachtungen wurden gar nicht angestellt, denn sie standen noch nicht auf der „Agenda“ der Klimapolitik. Erst musste der Popanz vom „Klimakiller CO2“ aufgebaut werden, um ihm alle Schuld an allen Wettern, nein, nur den Unwettern, aufbürden zu können. Schauen wir nun in das Büchlein.

Der Wandel der Küstenlinie am Beispiel „Jade-Jadebusen“

„Die Bildung der Jade setzte mit der Julianeflut (17. Februar 1164) ein, die mit dem Rüstringer Deich auch die durchgehende Küstenlinie durchbrach. Beide Rüstringen wurden dadurch voneinander getrennt. Neue Landverluste brachte die Marzellusflut von 1219. Mit der Clemensflut vom 23. November 1334 erhielt die Jade eine Verbindung mit der Weser, die Heete. Butjadingen wurde zur Insel. Drei Kirchdörfer verschwanden. Die zweite Marzellusflut (16. Januar 1362) setzte das Werk fort: Von Weser und Jade kommend, schuf sie zwischen beiden eine zweite Verbindung, das Lockfleth. Nun war auch das Stadland eine Insel. Gleichzeitig vergrößerte sich die Bucht im Westen, vor allem am Schwarzen Brack, und im Süden. Immer wieder mussten Gebiete ausgedeicht, das heißt die Deiche zurückverlegt werden. So sind für 1427/28, um 1491-1495, 1511, 1686, 1784 Landverluste oder Ausdeichungen belegt.“

An dieser Stelle möchte ich abbrechen, zumal den meisten von Ihnen die örtlichen Verhältnisse unbekannt sind. Das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist an dieser Stelle folgende Bemerkung, die sich im historischen Rückblick stellt. Ziel aller Klimaschutzmaßnahmen ist ja, die verheerenden Folgen der Industrialisierung ab etwa 1800/1850 auf das Wetter und Klima zu beseitigen, die „Erderwärmung“ möglichst zu begrenzen, den CO2-Gehalt der Atmosphäre auf ein erträgliches vorindustrielles Niveau zurückzuführen und die Zunahme an tödlichen  „Wetterextremen“ einzudämmen. Bei der Häufung an Sturmfluten in vorindustrieller Zeit, wo der CO2-Gehalt der Luft ein konstantes Idealniveau von etwa 0,03 Prozent hatte, drängt sich die ketzerische Frage auf, wer dann, wenn das CO2 als „Sünder“ ja „Klimakiller“ nicht in Betracht kommt, diese ganzen Sturmfluten ausgelöst hat. Außerdem traten sie sowohl im warmen „Klimaoptimum des Hochmittelalters“ wie der „Kleinen Eiszeit“ auf.

Diese Frage richte ich speziell an alle Klima-Experten weltweit, insbesondere die namhaften und die Elite ihres Faches darstellenden Experten in Diensten des Weltklimarates IPCC, der 2007 für seine sehr engagierte Friedensmission im zunehmend bedrohlicher werdenden „Klimakrieg“ von dem Preisgericht in Oslo mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden. 


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