31. März 2015

Gender-Gaga in Berlin Irgendwas mit Frauen

Eine Buchvorstellung mit Birgit Kelle und Katrin Albsteiger

Dossierbild

Am 24. März luden die Christdemokraten für das Leben (CDL) Berlin zur Buchvorstellung ins Löwenbräu in Berlin ein. Vor über 100 Zuhörern im überfüllten Saal würdigte die stellvertretende Vorsitzende der Jungen Union Deutschlands, Katrin Albsteiger (CSU) MdB, das neue Buch von Birgit Kelle: „Gender-Gaga. Wie eine absurde Idee unseren Alltag erobern will“.

Dekonstruktion der Menschenwürde

Der Landesvorsitzende der CDL Berlin, Stefan Friedrich, erklärte bei der Begrüßung und Vorstellung der beiden Referentinnen, dass das Thema des Buches, das sogenannte „Gender-Mainstreaming“ eben nicht einfach nur die Gleichstellung von Frauen sei. Vielmehr sei es ein Schlagwort für Linksideologen zur Durchsetzung ihrer eigenen Agenda. Gender-Mainstreaming, so Friedrich, sei letztlich auf die Dekonstruktion der Menschenwürde angelegt. Das Buch von Birgit Kelle sei ein Beitrag und Zeichen gegen diesen Wahnsinn.

Im Anschluss wurde die „nicht so kritische Würdigung“ des Buches durch Katrin Albsteiger ein launiger Vortrag über die Absurditäten des Gender-Mainstreaming, bei dem die Vortragende lachend bekannte, dass es wohl um ihre „Gendersensibilität nicht gut bestellt sei“. Seit der Lektüre wisse Sie um ihr Feststecken in der „zwangsheteronormativen Matrix“ und überlege, ob es nicht neben „Krankenschwestern“ auch „Krankenbrüder“ oder gar „Krankenmänner“ heißen müsse. Kelles Buch sei ein Weckruf gegen dieses Orwellsche Gender-Neusprech, das auch vor den Unionsparteien nicht haltmache. So habe sich ein CSU-Kollege aus Niederbayern nicht entblödet, auf dem Parteitag diesen Jahres allen Ernstes seine Begrüßung mit „liebe Delegiertinnen, liebe Delegierte“ zu beginnen. Dass selbst Bundestagsabgeordnete fordern, man (frau?) solle „mannhaft und frauhaft“ für etwas einstehen, sei schon fast Normalität. Kurioserweise, so Albsteiger, sei es aber entscheidend, wer für Gender-Mainstreaming kämpfen dürfe und wer nicht. Das Überraschungsei für Mädchen sei natürlich nicht konform mit Gender-Mainstreaming, denn laut „Emma“ sind Großkonzerne, die gendern, natürlich per se schlecht. „Wer gendern darf, bestimme ich!“ scheint hier das Motto zu sein. Trotz allem habe Birgit Kelle keine Satire geschrieben, sondern nur die kaum zu fassende Realität beschrieben. Für Katrin Albsteiger war denn auch der erste Satz des Buches der entscheidende: „Kennen Sie Gender? Nein? Es ist in aller Munde, frisst sich durch die Budgets und nervt.“ Durch Zugriff auf staatliche Gelder ermögliche Gender-Mainstreaming ein politisch-ideologisches Umerziehungsprogramm, gegen das sich Katrin Albsteiger, als Politikerin und Frau, auch aufgrund der Lektüre, künftig stellen will.

Birgit Kelle begann ihre Ausführung mit der Frage, ob sich die Zuhörer schon mal Gedanken über den Begriff Gender-Mainstreaming gemacht hätten, den viele als „irgendwas mit Frauen“ verstünden und irgendwie verwirrend fänden. Die Antwort der Autorin: Gender ist absichtlich verwirrend und diffus, damit die Leute beim Nachdenken irgendwann aufgeben und es seinen Lauf nehmen lassen.

Leitprinzip ohne Legitimation

Gender-Mainstreaming ist zu einem Leitprinzip erhoben worden, obwohl es nicht einmal eine politische Legitimation dafür gibt, so Kelle weiter. Lediglich in der Geschäftsordnung des Bundeskabinetts Schröder sei der Begriff verwendet worden, was allerdings auch keine rechtliche Grundlage sei. Ebensowenig, wie es eine rechtliche Grundlage für „gendergerechte Sprache“ an den Universitäten gebe. Birgit Kelle wünscht sich hier einmal, dass gegen diese Aufforderung geklagt würde, doch zumeist halte man sich an das Gender-Mainstreaming, teils unbewusst, teils um Ärger, Unannehmlichkeiten oder zu große Umstände zu vermeiden. Trotzdem müsse man sich dagegen wehren, so Kelle weiter, denn das „System der Gleichstellungsbeauftragten“, das Gender-Mainstreaming Tag für Tag exekutiv durchsetzt, bezahlen alle Bürger über ihre Steuern, ohne dass sich gefragt wird: „Was machen diese Leute?“ Tatsächlich können Gleichstellungsbeauftragte (im übrigen nur Frauen), als die Einzigen, die keine haushälterische Rechenschaftspflicht haben, sich gleichsam aussuchen, was sie tun und durchsetzen möchten.

Laut Kelle basiert dies, wie das gesamte Prinzip des Gender-Mainstreaming, auf der einfachen Rechnung Frau gleich Opfer, Mann gleich Täter. Heute sieht es jedoch so aus, dass je mehr gegen echte oder vermeintliche Diskriminierung unternommen werde, desto mehr Probleme sich ergeben. Das „Problem“ des Gender-Mainstreaming sei geschaffen worden, um mehr Einfluss und Geld zu bekommen. In der Folge werden natürlich mit immer größerem Erfolg immer mehr Problemfelder geschaffen, wofür natürlich mehr Einfluss und vor allem mehr Geld gebraucht werde. Letztlich geht es darum, dass sich eine kleine Gruppe über die zum Leitprinzip erhobene Ideologie Gender-Mainstreaming mehr Macht und Einfluss in Politik und Gesellschaft sichern kann.

Persönliches Empfinden als Ideologie

Das übergeordnete Ziel ist dabei, mittels Gender-Mainstreaming die „Zwangsheteronormativität“ aufzubrechen und sich davon zu befreien. Birgit Kelle wird diese Zwangsheteronormativität auch von ihren Kritikerinnen vorgeworfen. Dass sie gerne Hausfrau und Mutter ist, sei schon grundfalsch, wie ihr eine Feministin erklärte: „Sie denken nur, dass Sie gerne Hausfrau und Mutter sind, weil das System sie so sehr unterdrückt. Das patriarchalische System hat Sie in die Rolle gezwungen. Dieses System muss geändert werden.“ Politischer Systemwandel, nicht Wissenschaft ist denn auch das Ziel der Gender-Lehrstühle. Es gehe nur darum, diese Ideologie quasi-wissenschaftlich zu unterfüttern, in dem politischen Kampf um Einfluss. Nebenbei beschäftigt man sich mit einer Studie darüber, ob es für Pferde einen Unterschied macht, ob eine Frau oder ein Mann auf ihnen sitzt. Das Ergebnis, so Birgit Kelle, sei erstaunlich: „Dem Pferd ist das egal!“

Birgit Kelles Buch und ihr Vortrag mögen einem wie überspitzte Satire oder Polemik vorkommen, doch die Beispiele sind real und die Auswüchse der Gender-Ideologie finden statt. Gender-Mainstreaming ist eine Ideologie, die sich wissenschaftlichen Anstrich gibt, um einer kleinen Gruppe Gender-Aktivistinnen zu ermöglichen, die Gesellschaft in ihrem Sinne umzugestalten oder besser umzuerziehen, nicht, um Frauenrechte zu stärken. Respekt und Toleranz gegenüber anderen sollten selbstverständlich sein, so Birgit Kelle. Und wo dies nicht der Fall sei, sollte sich die Gesellschaft ihren Problemen stellen und gegen Intoleranz gekämpft werden. Beim Gender-Mainstreaming, einer Domäne von Frauen, die offenbar Probleme mit Heterosexualität und mit Männern haben, werde jedoch das persönliche Empfinden als gesellschaftliches bezeichnet. Daher beschließt Birgit Kelle ihr Buch mit der Mahnung: „Wenn das Volk nicht zur Ideologie passt, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder, man ändert die Ideologie – oder das Volk. Gender-Mainstreaming hat die zweite Variante gewählt. Es ist Zeit, dass das Volk widerspricht.“

Bei der abschließenden Diskussion meldeten sich auch die anwesenden Bundestagsabgeordneten Sylvia Pantel (CDU), Philipp Graf Lerchenfeld (CSU) und Josef Rief (CDU) zustimmend zu Kelles Thesen zu Wort und kritisierten die Gender-Ideologie scharf. Nach über drei Stunden Vortrag und Diskussion klang die Veranstaltung gegen Mitternacht in persönlichen Gesprächen aus.


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Dossier: Gender Mainstreaming

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Norman Gutschow

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