28. September 2015

Börse Porsche ist nicht gleich Porsche

Die Chancen der Volkswagen-Krise

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Bildquelle: shutterstock Porsche: Kann die Marke sich befreien?

Nach dem Kurssturz der VW-Aktie werden wir im „ME Fonds - Special Values“ dieser Tage oft gefragt, ob man nicht die Porsche-Aktie kaufen sollte. In der Tat ist Porsche an der Börse notiert und auch im Kurs stark gefallen. Doch Vorsicht! Der Schein an der Börse trügt. Wo Porsche draufsteht, ist etwas anderes drin.

Es ist ganz einfach. An dem Sportwagenhersteller Porsche kann man sich als Aktionär direkt gar nicht mehr beteiligen. Porsche ist voll und ganz in dem Volkswagenkonzern aufgegangen und gehört zu 100 Prozent den Wolfsburgern. Porsche ist eine Konzerntochter so wie Skoda und Seat. Anders verhält es sich bei der Audi AG. Dort gibt es noch freie Aktionäre, die direkte Miteigentümer an Audi sind, und die Audi-Aktie wird an der Börse auch gehandelt.

Was aber ist dann die an der Börse gehandelte Porsche-Aktie? Es handelt sich um die Porsche Automobil Holding SE. Sie ist eine reine Holding, der 50,73 Prozent der Stammaktien des Volkswagenkonzerns gehören. Daneben plant die Holding Beteiligungen im Technologiesektor, mit einem Schwerpunkt bei Fahrzeug- und mobilitätsbezogenen Anwendungen. Bislang gibt es eine zehnprozentige Beteiligung an einer US-Firma.

Die Porsche Automobil Holding lebt eigentlich von einem Ereignis pro Jahr: Der Ausschüttung der Volkswagen-Dividende. Denn der Porsche Holding fließt mehr als die Hälfte der gesamten Dividende aus den VW-Stammaktien zu. Wenn die Dividende künftig bei VW aufgrund des aktuellen Debakels gestrichen wird, heißt das für die Porsche-Automobil-Holding-Aktie nichts Gutes...

Noch einmal zur Porsche Holding: Es gibt Stammaktien und stimmrechtslose Vorzugsaktien von der Porsche Automobil Holding. Seit 2011 werden 100 Prozent der Stammaktien von den Familien Piëch und Porsche gehalten. Zuvor war Katar noch mit zehn Prozent beteiligt. Diese Aktien wurden dann aber von der Familie übernommen. An der Börse werden die stimmrechtslosen Porsche-Holding-Vorzugsaktien gehandelt. Sie notieren derzeit bei etwa 41 Euro pro Aktie. Im Mai 2015 standen sie bei über 90 Euro. Sie sind also – nicht verwunderlich – in einen ähnlichen Strudel wie die Volkswagen-Aktie geraten.

Die Familien Piëch und Porsche kontrollieren also über die Stammaktien der Porsche Automobil Holding SE die Beteiligung am VW-Konzern. Wer sich für Vorzugsaktien der börsennotierten Porsche Automobil Holding interessiert, beteiligt sich also genau an drei Dingen: erstens der Stimmenmehrheit beim VW-Konzern, mit den Piëchs-Porsches sozusagen als „Delegierte“ oder „Bevollmächtigte“; zweitens der VW-Dividendenausschüttung in Höhe der Hälfte der VW Stammaktien; drittens dem unternehmerischen Talent der Piëch-Porsche-Familie bei der Wiederanlage der vereinnahmten VW-Dividende.

Es bleibt jedem Investor überlassen, von welcher Seite er sich dem Thema VW nähern will: VW-Stammaktien, VW-Vorzugsaktien oder Porsche Automobil Holding SE. Entscheidend jedoch ist für alle drei Varianten gleichermaßen, wie es mit dem Volkswagen-Konzern nun weitergeht. In jedem Fall ist der Weg zum eigentlichen Automobilhersteller Porsche für den Investor an der Börse „zugemauert“. Die Sportwagenmarke Porsche ist im VW-Gewirr gefangen.

Gerade in der jetzigen Baisse: für den Investor ein Jammer. Einmal mehr ein Beweis, dass extreme Verschachtelungen und bzyantinische Organisationsstrukturen, zumal noch mit Stamm- und Vorzugsaktien, dem Aktionär in der Krise nichts nützen. Deshalb plädiere ich schon seit ewigen Zeiten für extrem fokussierte, schlanke und einfach strukturierte Aktiengesellschaften. Schauen wir mal, ob im Zuge der Volkswagen-Krise am Ende die Marken „Porsche“ und „Audi“ nicht befreit werden. Aus Value-Investoren-Sicht kann ich nur sagen: Warum eigentlich nicht? Was spricht dagegen?

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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