25. November 2015

Weight-Watchers-Aktie Volltreffer der Woche

Lernen von Oprah Winfrey

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Bildquelle: Joe Seer / Shutterstock.com Nicht nur in den Medien ein Schwergewicht: Oprah Winfrey

Eine Frau hat in den USA mehr Einfluss als die ganze Wall Street: Oprah Winfrey. Als Mediengröße und Multimilliardärin liegt sie im Kampf um den Börsenkurs bei der Weight-Watchers-Aktie vorne. Ein Musterbeispiel, wie die Börse wirklich funktioniert.

In meinem Blog vom 3. November 2015 „Eine aufregende Woche. Für Investoren gibt es viel zu entscheiden“ habe ich auf die Bewegung bei der Weight-Watchers-Aktie hingewiesen und geschrieben: „Herrlich, diese Börse. Was für Möglichkeiten. Nicht mit den großen Börsenindizes macht man das Geld an der Börse. Nein, die Woche zeigt folgendes: Augen auf und wachsam nach den dicken Brettern schauen.“ Treffender hätte man es nicht sagen können.

Herausragendes Highlight war in der vergangenen Woche wiederum die Weight-Watchers-Aktie (Börsensymbol: WTW) an der Wall Street. Der Kurs entwickelte sich gegen den Börsentrend der Woche außergewöhnlich gut und erklomm neue Höhen. Im oben erwähnten Blog hatte ich auf die große Bedeutung des Einstiegs von Oprah Winfrey hingewiesen. Eine Tatsache, mit der sich Investoren auseinandersetzen sollten. Der Oprah-Winfrey-Effekt: Nach jahrelangem Abwärtstrend hatte sich der Kurs auf 15 US-Dollar verdoppelt, nachdem bekannt wurde, dass sie bei Weight Watchers mit zehn Prozent des Aktienkapitals eingestiegen war. Die Börse erwartete nun ein baldiges Ende dieser Kursexplosion. Es wurde von den Finanzleuten in New York als Strohfeuer abgetan, die Dame aus Kalifornien eher belächelt. Außerdem legte Weight Watchers  in der vergangenen Woche erschreckend schlechte Geschäftsergebnisse vor: Rückläufige Mitgliederzahlen, weniger Umsatz und reduzierte Gewinne. Die meisten Investoren trauten dem Braten nicht und erwarteten eine Kurskorrektur nach unten. Vielleicht auf sechs, aber zumindest auf zehn US-Dollar.

Doch was passierte? Die Wall-Street-Broker lagen falsch. Die Kurse kletterten von 15 US-Dollar  weiter nach oben und schlossen am Freitag bei 24 US-Dollar. Und dies in einer Börsenwoche, in der es mit den meisten Kursen abwärts ging. Ein Anstieg um 60 Prozent seit der Erörterung im meinem Blog!

Wir sind in modernen Zeiten angekommen. Die Macht und wohl auch die Möglichkeiten von Oprah Winfrey als der erfolgreichsten amerikanischen Medienunternehmerin wurden offensichtlich unterschätzt. Zusätzlich zu dem Zehn-Prozent-Aktienpaket hat sie einen Sitz im Verwaltungsrat von Weight Watchers eingenommen. Das ist bedeutsam. Es wird in den kommenden Monaten sehr spannend sein, zu sehen, welchen Einfluss sie ausüben wird. Die Marke Weight Watchers ist weltberühmt, das Business-Modell aber angestaubt. Das Thema „Gesundheitsgefährdung durch Übergewicht“ ist weltweit aktueller denn je. Wie wird Oprah Winfrey diese Konstellation nutzen?

Oprah Winfrey ist bekannt für ihren modernen Führungsstil, der sich bewusst vom Stil der Großkonzerne abhebt. Ihr großes Plus – neben ihrer medialen Persönlichkeit – ist ihre Gabe, „nach vorne“ zu denken und neue Trends zu setzen. Ihre Zusammenarbeit mit Deepak Chopra, dem führenden spirituellen Lehrer der USA, sei hier beispielsweise erwähnt. Ich denke, man sollte die weitere Entwicklung bei der Weight-Watchers-Aktie im Auge behalten.

Was kann man generell aus dem Fall „Weight Watchers/Oprah Winfrey“ lernen?

Erstens: Erfolgreiche Börsianer müssen über den Tellerrand gucken. Es reicht nicht aus, sich nur für den Finanzteil der Zeitung oder für Finanzportale zu interessieren. Ich predige es seit Jahren: Die Value-Investoren alter Schule, die nur auf KGV, Kurs-Buchwert-Verhältnisse und Bilanzen und so weiter schauen, haben ausgedient. Das reicht nicht mehr zur richtigen Beurteilung der Lage. Heute heißt es zusätzlich: Quer lesen, sich neue Gebiete erschließen, die auf den ersten Blick nichts mit Investieren zu tun haben, Reisen, seinen Bildungsstand permanent erweitern, sich kritisch mit neuen Trends auseinandersetzen.

Zweitens: An der Börse geht der Blick immer nach vorne. Die Kurse nehmen die Ereignisse der nächsten sechs Monate vorweg. Also, nicht auf die Ergebnisse von gestern schauen, sondern die Zukunft richtig einschätzen – darauf kommt es an. Am Beispiel Weight Watchers/Oprah Winfrey kann man viel lernen.  

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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