21. August 2016

Warnbilder auf Zigarettenpackungen Auf den Schock ne Kippe?

Das soll abschrecken?

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Bildquelle: shutterstock Wirkte früher verführerisch: Rauchen

Hilfe, ein nackter Mann räkelt sich auf einer Zigarettenpackung! Wenn so Schockfotos aussehen, dann kann Rauchen nicht so ungesund sein.

In seiner NDR-Radiokolumne vom 11. August 2016 stellte der Journalist Harald Martenstein fest, dass die in Italien zu findenden Schockfotos auf Zigarettenverpackungen deutlich weniger gruselig seien als die auf den deutschen Verpackungen. Es sei „wie der Unterschied zwischen Hitler und Mussolini: Die Deutschen übertreiben wirklich alles.“

Die Schockbilder in Italien zeigten „vorzugsweise eine gut aussehende Blondine, die eine rote, keineswegs unappetitliche Flüssigkeit in ihr Taschentuch hustet“. Wenn dieses Zeug kein leckerer Tomatensugo sei, so wolle er, wie Martenstein fortfährt, Peppe Grillo heißen. Auf einem anderen Schockfoto mit dem Text „Rauchen verursacht Herzanfälle“ sei ein engelhaft schöner höchstens 25-jähriger Herztoter zu sehen. Eigentlich, so Martenstein, „hätten sie ‚Raucher haben mehr Sex und sterben manchmal sogar dabei‘ unter das Bild schreiben sollen“. Der Autor hat recht: Man muss die Italiener lieben für die Eleganz, mit der sie EU-Vorschriften unterlaufen.

Meine eigenen Urlaubs-Recherchen haben ergeben, dass derlei Eleganz im Umgang mit Schockfotos auch bei unseren sich direkt angrenzenden südlichen Nachbarn festzustellen ist. Auf einer in Österreich legal erworbenen Zigarettenpackung prangte unter dem Titel „Rauchen bedroht Ihre Potenz“ ein junger, äußerlich völlig makelloser, schlanker und noch dazu splitterfasernackter Mann in Embryonalstellung auf einem offensichtlich zerknüllten weißen Bettlaken! Vielleicht ist es sogar derselbe von Martenstein entdeckte 25-jährige Herztote, diesmal nur in einer anderen Rolle. Schockierend an diesem Foto ist … nichts – außer natürlich die grenzenlose Nacktheit und die suggerierte Message, dass die Liegeposition des nackten Jünglings offensichtlich Ausdruck tiefen Unglücks aufgrund seiner durch jahrzehntelanges Rauchen entstandenen Impotenz ist.

Es mag einem Kenner der Materie seltsam vorkommen, dass Männer in so jungen Jahren und in körperlich so guter Verfassung durch Tabakkonsum impotent geworden sein sollten – die Zerknülltheit des Bettlakens auf dem Foto bietet hingegen keine weiteren Hinweise auf tiefgehendes Unglück, eher vielleicht auf Erschöpfung. Was dem armen entkräfteten Kerl sonst fehlen könnte, bleibt der Phantasie des Betrachters überlassen. Ich habe den Eindruck, es ist die Zigarette danach.

Und irgendwie, ich gebe es zu, empfand ich derlei Schockbilder als beleidigend. Schlimm genug, dass sich die Europäische Union erdreistet, ihre Bürger mit Schockfotos in die Richtung anständigen Verhaltens ekeln zu dürfen. Aber dass die Damen und Herren und alle anderen in Brüssel meinen, der Anblick nackter junger und kerngesunder Männer würde ausreichen, um erwachsene Menschen hinsichtlich ihrer Vorlieben und Laster umpolen zu können, macht das Ganze eigentlich noch schlimmer.

Darüber habe ich mich so geärgert – ich hätte fast wieder mit dem Rauchen angefangen …

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Zeitgeisterjagd“.


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