13. Februar 2017

Nachruf auf Susanne Kablitz Wir haben eine starke Mitstreiterin verloren

Wut über die herrschenden Zustände

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Bildquelle: Juwelen-Verlag Nahm kein Blatt vor den Mund: Susanne Kablitz

Gerade noch sitzt man mit seinen liebsten Freunden zusammen, lacht, genießt das Zusammensein und freut sich des Lebens, und nur einen Augenblick später reißt es einen, wie von einem Vorschlaghammer getroffen, aus dieser heilen, unbeschwerten Welt. Es war Samstagabend gegen 21 Uhr, als mich die fürchterliche Nachricht vom Tode von Susanne Kablitz erreichte, am Telefon, sie soll freiwillig aus dem Leben geschieden sein. Etwas genaues weiß man nicht, eine offizielle Meldung gibt es noch nicht.

Vor wenigen Tagen erst hatte ich ihr über Facebook zum Geburtstag gratuliert, einige Wochen vorher hatte ich sie noch besucht, habe ihr bei einem Software-Problem geholfen. Wir haben uns unterhalten, über das Verlagsgeschäft, die Schwierigkeiten, die man beim Vertrieb von Büchern hat, und natürlich auch über die „allgemeine Lage“ in der Bundesrepublik. Wir haben uns verabschiedet, wie immer sehr herzlich mit einer Umarmung. Wir verabredeten uns noch zu einem Treffen im Laufe des Jahres, vielleicht zu einem libertären Stammtisch, den libertären Kulturtagen oder dem Ancap-Happening, man würde sich sicher bald wiedersehen, Gelegenheiten böten sich ja einige. Bei weiteren Fragen zum Software-Problem stünde ich selbstverständlich jederzeit zur Verfügung. Nie hätte ich geahnt, dass es das letzte Gespräch, die letzte Verabschiedung, die letzte herzliche Umarmung sein würde.

Ich lernte Susanne vor einigen Jahren kennen, damals noch in meiner Funktion als Landesvorsitzender der PDV in Nordrhein-Westfalen, sie wurde damals zur Bundesvorsitzenden gewählt. Ich war von Anfang an hellauf begeistert von ihrem Elan, ihrem Ehrgeiz und ihrer ansteckenden Heiterkeit. Ich hatte das sichere Gefühl, dass mit Susanne an der Spitze der PDV diese kleine, libertäre Partei und die Ideen, für die sie stand, schnell an Bedeutung gewinnen würden. Nie ging es ihr um ihren Posten, immer nur ging es ihr um die Idee, die Idee, den Menschen ihre Freiheit zurückzugeben und die Allmacht des Staates über das Leben seiner Bürger zu brechen. Es war ihr eine Herzensangelegenheit, das spürte man. Und für diese Idee rieb sie sich auf, investierte Zeit, Energie und Nerven. Unbeirrbar hielt sie an dem Ziel fest, aus der PDV eine vernehmbare Stimme für die Freiheit zu machen, reiste durch die ganze Republik, immer auf der Suche nach Verbündeten und Unterstützern, hielt Vorträge, führte Gespräche. Am Ende waren die Mühen dann aber doch vergebens, wie man jetzt weiß. „Parteiinterne Querelen“, um an dieser Stelle nicht ins Detail zu gehen, raubten ihr schlussendlich den Glauben daran, dass man über die Schiene der Parteipolitik etwas zum Positiven wird ändern können.

Stattdessen widmete sie sich zunehmend ihrer publizistischen Tätigkeit, gründete den Juwelen-Verlag. Und das konnte sie: Schreiben. Ihre Beiträge, die wir auch hier bei eigentümlich frei oft geteilt haben, gehörten mit zu den beliebtesten. Ihre klare, sehr deftige Sprache, ihre ungefilterte Wut über die Zumutungen dieses Staates, die sie überdeutlich zum Ausdruck brachte, imponierten vermutlich nicht nur mir. Nein, ein Blatt vor den Mund zu nehmen war Susannes Sache ganz bestimmt nicht. Dafür war es ihr einfach zu wichtig, dass das, was sie zu sagen hatte, auch so bei den Lesern ankam, anstatt durch Schönfärberei irgendwie verfälscht zu werden.

Ich weiß nicht, ob die Wut über die hier herrschenden, untragbaren Zustände mit ein Auslöser dafür war, dass Susanne die Entscheidung getroffen hat, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Sicher ist nur, dass wir eine starke Mitstreiterin im Kampf gegen eben diese Zustände und im Kampf um die Köpfe der Menschen hier in Deutschland verloren haben. Was bleibt, sind ihre Gedanken, ihre Texte und die Hoffnung, dass Susanne jetzt an einem anderen, freieren Ort ist …


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Dossier: Susanne Kablitz (1970-2017)

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