24. Mai 2017

Das alte Rom und die EU Die neue Völkerwanderung

Keine schöne, sondern eine bedrohliche neue Welt

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Bildquelle: shutterstock Untergang Roms: Zukunft Europas?

Analogien sind Ähnlichkeiten. Analogien ermöglichen Rückschlüsse. Analogien können erklären helfen, was geschieht und dann voraussichtlich weiter geschieht. Eine solche Ähnlichkeit besteht zwischen dem einstigen Römischen Reich und der heutigen Europäischen Union. Der massenweise Zustrom von Menschen aus Afrika und islamischen Ländern in diese Union ist unübersehbar, und der Vergleich mit der Völkerwanderung, der das alte Rom mit dem Weströmischen Reich zum Opfer fiel, nicht an den Haaren herbeigezogen.

Jeder, der Augen hat, sieht doch, was geschieht

Der aus Äthiopien stammende und geflüchtete Asfa-Wossen Asserate sagte 2015 in einem Gespräch mit der „FAZ“: „Was die afrikanischen Flüchtlinge betrifft, fürchte ich, werden wir bald nicht mehr von Migration sprechen, sondern von Völkerwanderung.“ Damals kommentierte „FAZ“-Leser Georg-Jesko von Puttkamer, Meerbusch: „Wenn gleichwohl in der politischen Debatte von Migration und (noch) nicht von einer Völkerwanderung gesprochen wird, so liegen die Beweggründe auf der Hand: Die auf uns zulaufenden Probleme werden hierdurch als beherrschbar dargestellt. Man bewegt sich mit einer Wortwahl ‚Migration‘ im Bereich einer Kontinuität und der Beherrschbarkeit einer Problemlage, die bei Verwendung eines Wortes wie ‚Völkerwanderung‘ mit einer steuerbaren Problemlage nicht mehr vereinbar erscheint. Jeder, der Augen hat, sieht aber doch: Auf uns läuft eine Völkerwanderung geschichtlichen Ausmaßes zu, die gerade beginnt und sich nicht stoppen lassen wird – jedenfalls solange sich an den Gründen für die Phänomene (Krieg, Terror, Hunger und selbstsüchtige Diktatoren) nichts ändert.“ („FAZ“ vom 27. Juli 2015, Seite 18.)

Weil sich Vergleich mit dem Zerfall des Römischen Imperiums aufdrängt

Weil sich der Vergleich aufdrängt, beschrieb die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“) im gleichen Jahr drei Monate später auf langen zwei Seiten den Zerfall des Römischen Imperiums im Zusammenhang mit den damaligen Eindringlingen sehr ausführlich.

Autor Ralph Bollmann leitete seinen Beitrag so ein: „Ein Wort macht Karriere, das die Fachleute schon fast vergessen hatten. Es bezieht sich auf ein Ereignis vor rund 1.500 Jahren, und doch klingt es höchst aktuell: ‚Völkerwanderung‘. Wenn sich Hunderttausende von Flüchtlingen zu Fuß auf den Weg machen, dann scheint diese Parallele nahezuliegen. Das Wort macht auch angst. Oft soll es genau diese Panik bewusst transportieren. Denn die historische Völkerwanderung des 4. und 5. nachchristlichen Jahrhunderts war nicht irgendeine Migrationsbewegung. Es geht um einen Zivilisationsbruch, vielleicht den am längsten nachwirkenden der Geschichte. Es geht um vermeintliche ‚Barbaren‘, die nach dem verbreiteten Geschichtsbild das Römische Weltreich überrannten und der antiken Hochkultur den Garaus machten. Erst ein Jahrtausend später, in der Renaissance, erholte sich das Abendland wieder von dem Rückschlag. So haben es jedenfalls viele aus dem Geschichtsunterricht in Erinnerung.“ („FAS“ vom 25. Oktober 2015, Seite 28 und 29.)

Das Imperium Romanum ging unter, weil es die Einwanderung nicht mehr meisterte

Der italienische Historiker Alessandro Barbero, Professor für Geschichte des Mittelalters an der Universität Piemonte Orientale, fasst, warum es zum Untergang des Römischen Reiches kam, kurz so zusammen: „Warum also geht das Weströmische Reich unter? Es geht unter, weil es ab einem bestimmten Punkt nicht mehr imstande ist, die Einwanderung zu meistern. Das Römische Reich begann seit der Pockenepidemie, die es entvölkerte, durch Jahrhunderte, Leute kommen zu lassen. Die Leute konnten den Limes mit der Erlaubnis der Behörden passieren. Ganze Stämme, ganze Völker ließen sich in Italien, in Gallien nieder, um zu arbeiten und um junge Männer für das Heer zu liefern. Das geschieht auf der Grundlage präziser Verträge mit der kaiserlichen Regierung. Ab einem bestimmten Zeitpunkt wird der Fluss der Immigranten zu groß, und die Verwaltung, die dafür zuständig ist, wird zu korrupt, und die Politiker, die die Zustimmung geben müssen, haben keine klaren Vorstellungen mehr. Das führt dazu, das humanitäre Notfälle, die Ankunft von Flüchtlingen und die illegale Ausbeutung der Einwanderer eine explosive Situation schaffen, die sich dann in Aufständen, in Kriegen, in Zerstörungen, kurz, in dem entladen, was wir die barbarischen Invasionen nennen – und im Untergang des Römischen Reiches.“

Anfänglich gleichgültig, dann aufgewacht

Bei Ralph Bollmann ist zu lesen: „Lange, allzu lange waren der Bevölkerungsmehrheit innerhalb des Imperiums die Konflikte an der Peripherie gleichgültig gewesen. Ähnlich wie heute galt das zumindest solange, wie sich die Folgen dieser Konflikte nicht im Alltag zeigten. So machten sich die Römer von dem Elend, das in den unbekannten Regionen des eurasischen Nordens und Nordostens herrschte, nur eine ungefähre Vorstellung. Doch plötzlich ließ sich das Geschehen nicht mehr ignorieren. Nicht, dass die Barbaren den Krieg auf das Gebiet des Imperiums getragen oder die Römer militärisch bedroht hätten. Es waren Flüchtlinge, die auf einmal vor der Tür standen. Sie wollten das Imperium nicht zerstören. Sie waren vor Krieg und Verwüstung, vor Hunger und materiellem Elend geflohen, und sie begehrten das genaue Gegenteil davon: Teilhabe an den Segnungen des Wohlstands.“

Die noch zusätzlich auf Trab gebrachte Völkerwanderung

Das kommt uns Heutigen inzwischen doch sehr bekannt vor. Daneben allerdings wird die neuzeitliche Völkerwanderung auch noch zusätzlich und – so wird befürchtet – planmäßig auf Trab gebracht. Erwähnt habe ich das schon früher. Klar, eine Spielwiese für Verschwörungstheoretiker. Es geht um Bevölkerungsverschiebung, Völkervermischung, „Umvolkung“. Der Plan, alle Völker Europas mit den Völkern Afrikas und Arabiens zu vermischen, ist in Englisch auf der Internet-Seite der UNO, Department of Economic and Social Affairs, Population Division, nachzulesen. Die Vereinten Nationen nennen das „Replacement Migration“. Dabei werden Völker mit dem Segen der UN von anderen verdrängt und ersetzt.

Die Schlepperbanden im Mittelmeer und die NGOs

In diesen Zusammenhang fällt auch das Schlepper-Unwesen im Mittelmeer. Das katholische Internet-Magazin für Kirche und Kultur Katholisches.info (Autor: Giuseppe Nardi) befasste sich am 10. Mai mit der Frage, welchen Zusammenhang es zwischen den Schlepperbanden und den Nichtregierungsorganisationen (NGOs) gibt. Es berichtet, ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss und die Staatsanwaltschaft von Catania versuchten, in Italien Klarheit zu schaffen. Seither herrsche massiver Druck, das Thema zum Schweigen zu bringen. Darin verwickelt seien auch drei Organisationen mit Sitz in Deutschland.

Systematischer Rechtsbruch unter den Augen der Behörden

Das Magazin schreibt: „Der leitende Staatsanwalt Carmelo Zuccaro wirft NGOs vor, Teil des organisierten Schleppertums zu sein. Unter dem Tarnmantel der humanitären Hilfe sei ein funktionierendes Schleppernetz entstanden. Der Rechtsbruch sei unter den Augen der Behörden zum System gemacht worden. Der offizielle Verdacht lautet auf ‚Begünstigung der illegalen Einwanderung‘. Die Bekanntgabe der Ermittlungen löste eine gigantische Welle der Kritik aus, die von der italienischen Regierung über Kirchenvertreter bis zu den NGOs selbst reicht. Der seither stattfindende Dauerbeschuss auf die Staatsanwaltschaft Catania ist nur mit tatkräftiger Unterstützung zahlreicher Medien möglich. Es gebe einen ‚Skandal‘, heißt es. Der Skandal sei nicht die systematische Einschleusung Tausender von illegalen Einwanderern nach Europa. Der Skandal sei, dass eine Staatsanwaltschaft es wage, ‚humanitäre NGOs‘ unter Verdacht zu stellen.“

Kesseltreiben gegen den Staatsanwalt, weil er ermittelt

Im März habe die Staatsanwaltschaft im sizilianischen Catania Ermittlungen gegen humanitäre Nichtregierungsorganisationen eingeleitet, die mit ihren Schiffen vor der Küste Nordafrikas patrouillierten. Sie hielten Ausschau nach Einwanderern, um sie, sobald sie die libyschen Hoheitsgewässer verlassen hätten, als „Schiffbrüchige“ zu „retten“. Wenige Meilen vor der nordafrikanischen Küste liege eine kleine Armada von NGO-Schiffen, die jedes gesichtete Einwandererboot sicher nach Italien und damit in die „gelobte“ EU bringe. Gegen den Staatsanwalt und seine Ermittlungen sei ein massives Kesseltreiben der Refugees-Welcome-Fraktion im Gange.

Zahlreiche neue Rechtstitel erfunden

Obwohl dem so sei und die Verantwortlichen es wüssten, dürften faktisch alle illegalen Einwanderer im Land bleiben. Die Politik habe zahlreiche neue Rechtstitel erfunden, mit denen nicht fünf, sondern mindestens 55 Prozent der Einwanderer auch ohne Flüchtlingsstatus abgedeckt werden könnten. Vom verbleibenden Rest tauche der Großteil früher oder später unter oder wandere in ein anderes EU-Land weiter. Italien weine ihnen keine Träne nach, wenngleich die Regierung in Rom gegenüber ihren EU-Partnern betone, diese Weiterreise nicht zu fördern. Die Zahl der Untergetauchten sei unbekannt. Keine Regierung wage, ernsthafte Schätzungen zu veröffentlichen. Die Zahl der Abschiebungen sei hingegen so unbedeutend, dass es sich nicht lohne, sie zu nennen.

Unter Verdacht, die Invasion zu finanzieren: George Soros

Offen im Raum stehe die Frage, so das Magazin weiter, ob die Organisationen Großspenden erhielten und damit eventuell ferngelenkt seien.Verdächtigt wird der amerikanische Milliardär George Soros, ein „Freund der Schleuser“ zu sein und aus dem Hintergrund die NGO-Mittelmeer-Armada zu finanzieren.

Die Eroberung durch die Goten war Roms Untergang noch nicht

Zurück zum Beitrag von Ralph Bollmann. An dessen Ende schreibt er: „Allerdings war die Eroberung durch die Goten mit all ihren Folgen noch nicht der ‚Untergang‘ Roms, wie zahlreiche Zeitgenossen und spätere Autoren glaubten. Nicht einmal das formale Ende des weströmischen Kaisertums im Jahr 476 konnte die Einheit der einst eng vernetzten Mittelmeerwelt von einem Tag auf den anderen auflösen. Der Senat tagte in der Stadt Rom bis weit ins 6. Jahrhundert hinein, auch die Thermen und Wasserleitungen blieben vorerst noch in Betrieb. Unter dem gotischen König Theoderich, der von Ravenna aus auf römische Weise regierte, erlebten Teile Italiens sogar eine neue Blüte. Langfristig ging aus der römisch-germanischen Kultursymbiose eine neue Zivilisation hervor.“

Keine schöne, sondern eine bedrohliche neue Welt

Da Bollmann aber immer wieder die Parallelen zu heute herstellt, klingt das doch sehr schönfärberisch. Denn ob die in Gang gesetzte afrikanisch-islamisch-europäische „Kultursymbiose“ wirklich friedlich ist und sich ebenfalls als „Zivilisation“ darstellt, ist allein schon wegen des militanten Islam sehr zu bezweifeln. Was uns in Europa erwartet, ist keine schöne, sondern eine bedrohliche neue Welt. Die österreichische Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi schrieb 2015: „Europa bekommt ein neues Gesicht, ob es den Alteingesessenen passt oder nicht.“ Die Entwicklung sei unumkehrbar. („Der Standard“ vom 8. Januar 2015.)

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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