16. Oktober 2007

Wolfgang Wippermann Stalins Mann in Berlin

Über einen zweifelhaften Chefhistoriker von ZDF und „Bild“-Zeitung

Jetzt kennt ihn jeder, „den Professor“. Wolfgang Wippermann bereitete die Rolle des unangreifbaren Anklägers beim Schauprozess gegen Eva Herman vor dem Gericht Johannes B. Kerners sichtbar Freude.  Zwei Tage später interviewte ihn die „Bild“-Zeitung, um sich und ihren Lesern noch einmal von allerhöchste Stelle erklären zu lassen, warum „Autobahnen nicht gehen“. Die „Bild“-Überschrift: „Darum ist es so gefährlich, Hitlers Autobahn zu loben“. Das hatte zwar niemand getan, aber auch das spielt in Zeiten wie diesen keine Rolle.

Wer ist nun dieser „Faschismusexperte“ Wolfgang Wippermann? Der Berliner Historiker arbeitet seit Jahren eng mit der „antifaschistischen“ Szene zusammen. Mit zahlreichen Autoren aus diesem Dunstkreis publizierte er im vom Verfassungsschutz als „linksextrem“ eingeschätzten Konkret-Verlag des Kommunisten Gremliza ein Buch mit Kritik am Schwarzbuch des Kommunismus. In diesem hatten französische Historiker um Stéphane Courtois die Grauensgeschichte des Kommunismus detailliert aufgezeichnet und festgestellt, dass die Opferzahlen des roten Sozialismus mit mehr als 100 Millionen Toten jene des braunen Terrors bei weitem noch übertreffen. Reinhard Mohr schrieb 1998 im „Spiegel“ in seinem Artikel „Die Wirklichkeit ausgepfiffen“ folgendes: „Schon auf der tumultuösen Berliner Veranstaltung warnte Wolfgang Wippermann, Historiker an der Freien Universität, vor den Folgen dieser Lektüre, die ‚eine ermüdende Reihung von Mordgeschichten’ biete. Im ‚Neuen Deutschland’ konzedierte er, dass die Bilanz der Regime in der Sowjetunion, China, Kambodscha etc. zweifellos grausig sei, doch müsse gefragt werden, ‚ob es sich hier wirklich um kommunistische bzw. sozialistische Systeme gehandelt hat’. Nach einer kleinen, aber feinen Zitatfälschung, mit der er Courtois drei Buchstaben unterjubelt – als habe dieser von ‚nur’ 25 Millionen Opfern der Nazis gesprochen –, kommt Wippermann zum eigentlichen Thema: Das Schwarzbuch betreibe die ‚Dämonisierung des Kommunismus’“

Ein Student Wippermanns in Berlin schreibt in einem Internetforum, er „hatte mal ein Semester Faschismustheorie bei Wippermann. Es war unglaublich, wie er über seinen Doktorvater Ernst Nolte hergezogen hat. In jeder Stunde musste er mindestens drei mal Bemerkungen wie ‚mein furchtbarer Doktorvater sagt ja..., aber der hat ja sowieso nicht alle Tassen im Schrank’ fallen lassen. In der Öffentlichkeit äußert er sich dagegen immer sehr vorsichtig zu Nolte und seinen Thesen. Dieser ‚ausgewiesene Fachmann’ ist ein Drückeberger und Nachtreter mit Minderwertigkeitskomplex – und überzeugter Kommunist ist er auch, gar kein Zweifel.“

In einem seiner Beiträge im Antischwarzbuch unter der Überschrift „Der nekrophile Antikommunismus der ‚aufgeklärten Linken’“ wertet Wippermann die Gegnerschaft zum Kommunismus als „pathologisch“. Auch Eva Herman attestierte der vermeintliche Chefdoktor vor Millionenpublikum eine krankhafte „Verfolgungspathologie“.

Immer schon war er dabei, wenn es um die Verfolgung Andersdenkender ging. Zuletzt auch gegen den Kölner Kardinal Joachim Meisner. Im Deutschlandradio Kultur sagte Wippermann über Meisner, der sträflicherweise das Wort „entartet“ benutzte wie Eva Herman das Wort „Autobahn“: „Das ist Kulturkampf und das ist fundamentalistisch. Einen nationalsozialistischen Propagandabegriff darf man einfach nicht gebrauchen. Das geht nicht.“ Einmal warm geredet fügte der Hobby-Ankläger hinzu: „Meisner ist ein Mehrfachtäter.“ Der Kardinal habe „eine fatale Nähe zu Äußerungen von Ayatollahs und islamistischen Extremisten“. Dann droht Wippermann: „Hier wird ein Kulturkampf geführt und wenn sie einen Kulturkampf haben wollen, dann sollen sie ihn bekommen. Wir müssen sehen, wo die Grenzen der Toleranz sind! Wir müssen etwas schärfer hier umgehen. Das geht nicht. Auch ein Kardinal hat sich unserer Ordnung zu beugen.“

Wolfgang Wippermann geht es um eine Art Beugehaft für Andersdenkende. Auch im „Fall Hohmann“ gab der Chefankläger gerne ein Interview, damals der „Netzeitung“. Wippermann wiederholte dort die Lüge, Hohmann habe „die Juden als Täter“ hingestellt. Genau das hatte er nicht getan [ef berichtete ausführlich]. Wie sich die Debatten gleichen. Auf die Frage, ob Hohmann „sich als Antisemit geoutet“ habe, antwortete Wippermann knackig: „Ja, das hat er!“

Hohmann ging es wie dem Schwarzbuch darum, der geschichtlichen Wahrheit gerechter zu werden als es die regierende Politische Korrektheit erlaubt. Auch Hohmann verglich den Bolschewismus mit dem Nationalsozialismus. Das ist es, was einen wie Wippermann erst richtig aggressiv werden lässt: „Das geht einfach nicht!“

Auf die Frage, ob die CDU im „Fall Hohmann“ angemessen reagiert habe, antwortete Wippermann:  „Nein, keinesfalls. Es war ein ganz entscheidender Fehler und ein falsches Signal, dass Hohmann nicht sofort aus der Fraktion und der Partei ausgeschlossen wurde.“

In einem Interview mit der „Deutschen Welle“ über den 8. Mai erklärte Wippermann einmal freimütig: „Ich muss sagen, dass Geschichte eben nicht nur das ist, was geschehen ist als historisches Ereignis, sonder auch das, was daraus gemacht wird. Also Geschichte ist Geschichte und Geschichtspolitik.“

Auf der bereits erwähnten Pressekonferenz 1998 bei der Vorstellung seiner Antwort auf das Schwarzbuch des Kommunismus fragte Wippermann, wie die „Berliner Zeitung“ berichtete, besorgt das Publikum: „Dient nicht jede Erforschung des kommunistischen Terrors letztlich nur der Verdrängung von Auschwitz und der Schwächung der sozialistischen Utopie?“ Geschichtspolitik an ihrem Tiefpunkt.

Schließen wir mit einer „Provokation“ der „Bild“-Zeitung an den Lieblingshistoriker der ganz großen medialen „Antifa“-Koalition: „Eva Herman sagt, dass man über den Verlauf unserer Geschichte nicht reden kann, ohne in Gefahr zu geraten.“ Wippermanns Antwort: „Absurd falsch!“


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Stephan Waitz

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