14. Juni 2008

Satire In der Küche lauert der Tod

Gefährdungsanalysen sind unverzichtbar

So sieht sie also aus, die von Angela Merkel jüngst ausgerufene „Bildungsrepublik Deutschland“: Private Arbeitgeber müssen ihren stundenweise beschäftigten Gärtnern in Zukunft erklären, dass es ganz schön weh tun kann, wenn man sich mit einem Hammer auf die Finger haut. Oder dass man von einer unsicher aufgestellten Leiter herunterfallen kann. Kein Scherz, sondern Inhalt der novellierten Betriebssicherheitsverordnung, im Bürokratendeutsch kurz BetrSichV.

Natürlich gilt die Verordnung nicht nur im Garten, sondern auch für andere Tätigkeitsfelder, zum Beispiel Haushaltshilfen. Die sind bestimmt ungeheuer dankbar, wenn man ihnen aufzeigt, wie gefährlich die unsachgemäße Anwendung von scharfen Messern oder Brotschneidemaschinen sein kann. Dass gestandene Küchenprofis eventuell von selbst auf diese Erkenntnis gekommen wären, kommt den regulierungswütigen Bürokraten aus dem Arbeitsministerium nicht in den Sinn - Pisa lässt grüßen.

Oder nehmen wir eine handelsübliche Flasche Spülmittel, da muss natürlich auch ein dicker, fetter Warnaufkleber drauf. Wie, die ist nicht gefährlich? Dann trinken Sie doch mal einen kräftigen Schluck daraus. Und wenn Ihnen dieses potentiell tödliche Risiko bislang schlichtweg nicht aufgefallen ist, besteht kein Zweifel: Sie brauchen unbedingt einen Sicherheitsberater vom TÜV, Kostenpunkt zwischen 60 und 120 Euro die Stunde. Der geht dann durchs Haus, pardon, durch die Betriebsstätte, und zählt alles noch mal auf, was Sie Ihren Kindern (wenn Sie denn welche haben) schon erklärt haben, als die noch ganz klein waren. Aber das haben die in den vielen langen Ganztagsschuljahren, zwischen Rumfordsuppe und ökologisch korrekter Sozialkunde, vielleicht schon lange wieder vergessen.

Einfach nur sicher ist eben noch lange nicht BetrSichV-sicher.

Internet


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Chris Vigelius

Über Chris Vigelius

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige