Chris Vigelius

Jahrgang 1975, selbständig in der IT-Branche.

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Ernährungsplan: Abspecken auf Befehl

von Chris Vigelius

Nicht nur Raucher kann man gängeln

Marie Antoinette, Gemahlin von Ludwig XIV., soll ihrem hungernden Volk ja angeblich empfohlen haben, in Ermangelung von Brot einfach Kuchen zu essen. Dass das höchstwahrscheinlich gar nicht stimmt und lediglich eine böswillige Verleumdung darstellt, hat sich zwar mittlerweile herumgesprochen, geholfen hat es der Königin allerdings nicht: Sie wurde am 16. Oktober 1793 in Paris hingerichtet.

Nun werden Geschichtsbücher natürlich auch in Berlin gelesen, und auch dort wird verstanden, dass ein allzu forsches Propagieren des (kolportierten) Königinnenwegs zur Lösung von Wirtschaftskrisen aller Art einen unversehens in die Lage bringen könnte, dem blaublütigen Vorbild auch auf dem restlichen Lebensweg folgen zu müssen. Was läge da näher, als das genaue Gegenteil zu probieren: Die Deutschen sollen keinen Kuchen essen, fordert jedenfalls der "Nationale Aktionsplan Ernährung", der gestern in Berlin vorgestellt wurde, nicht zuletzt um davon abzulenken, dass sich bei Benzinpreisen um 1,60 Euro eh kaum noch wer welchen leisten kann.

Ausser ein paar Kampagnen, für die man immerhin 45 Millionen Euro zu verbuttern bereit ist, wurden allerdings bislang keine sonderlich konkreten Vorschläge bekannt, wie man der immer noch existenten Wohlgenährtheit eines gewichtigen Teils der Bevölkerung zu Leibe rücken will. Gut für den Bürger, schlecht für die Grünen - die fordern nämlich neue Verbote und Vorschriften, um wenigstens die deutsche Jugend wieder flink wie Windhunde zu machen.

Ulrike Höfken, der Vorsitzenden des "Ernährungsausschusses im Bundestag" schmeckt vor allem nicht, dass man bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln ausgerechnet diejenigen gefragt hat, die davon etwas verstehen - nämlich die Hersteller. Da könnte man ja gleich sachgerechte Politik machen, denkt sich die grüne Seele, und schielt nach Japan, wo Firmen neuerdings verpflichtet sind, ihre Angestellten und deren Angehörige(!) regelmäßig zu wiegen und zu vermessen - wird der zulässige Bauchumfang überschritten, sind heftige Geldbussen fällig.

Ein solches Modell würde wohl auch in deutschen Politikerkreisen auf begeisterte Zustimmung stossen (dass schwer arbeitende Volksvertreter von derartigen Regelungen ausgenommen sind, versteht sich von selbst), nicht zuletzt, weil die staatlich erzwungene Magerkost auch Ausweichreaktionen bezüglich der schon lange verordneten Energie- und damit auch Heizmittelknappheit unmöglich machen würde. Es kann schliesslich nicht angehen, dass sich von der Natur besonders begünstigte gute Futterverwerter mit ihrem Speckmantel einfach dem solidarischen Frieren gegen die Klimaerwärmung entziehen.

Und falls Sie sich jetzt fragen, ob man mit 45 Millionen Euro nicht Sinnvolleres anstellen könnte, als Günstlinge der Politwirtschaft mit Werbeaufträgen für fragwürdige Abspeckparolen zu versorgen, oder ob der ganze Ernährungsausschuss über die Ernährung seiner Mitglieder hinaus überhaupt irgendwem irgendeinen Nutzen bietet, dann sind Sie in Wahrheit nichts weiter als ein überfressener Dauermäkler, dem die intellektuelle Kapazität fehlt, um den Segen eines geordneten Staatsernährungswesens zu begreifen. 20 Liegestütze, aber dalli!

Internet

26. Juni 2008

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