01. Februar 2009

Angeklickt Fundstücke

Aktuelles und Merkwürdiges aus Presse und Internet

Wegzensiert, die erste: Über die Bestrebungen von Bundes-Supernanny Ursula von der Leyen, unter dem Vorwand der Bekämpfung von Kinderpornographie eine bundesweite, beliebig nutzbare Zensurinfrastruktur einzuführen, hatten wir in ef ja schon vor einziger Zeit berichtet. Wie in einigen anderen europäischen Ländern soll hierfür eine geheime Filterliste benutzt werden, was insbesondere den Vorteil hat, lästige Nachfragen und kritische Recherchen zu unterbinden - schliesslich weiss niemand, was überhaupt alles blockiert wird. So oder ähnlich werden sich das auch die Zensoren beim Filter-Vorbild Finnland gedacht haben. Dumm nur, dass jemand die Liste entwendet und veröffentlich hat: Nun kann jeder nachzählen und feststellen, dass von 1047 blockierten Seiten lediglich eine(!) selbst Kinderpornographie enthält, während 8 weitere, oder ganze 0,76%, immerhin auf entsprechendes Material verlinken. Für einen angeblichen "Millionenmarkt" (O-Ton von der Leyen) erstaunlich wenig, oder nicht?

http://maraz.kapsi.fi/sisalto-en.html

Wegzensiert, die zweite: Auf die naheliegende Frage, warum man zwar immer wieder von Hausdurchsuchungen bei vermeintlichen Nutzern von Kinderpornographie, aber selten über Razzien bei Anbietern und praktisch nie über Verurteilungen ebensolcher hört, antworten Politiker und Behörden in schöner Regelmäßigkeit, dass die Hintermänner in Ländern säßen, in denen sie strafrechtlich nicht zu greifen wären. Praktisch für die Hintermänner (und die Politiker), aber stimmt es auch? Der Blogger Scusi hat sich die Mühe gemacht, aus den Filterlisten mehrerer europäischer Ländern die Serverstandorte zu ermitteln. Das Ergebnis: von 1413 gesperrten Seiten sind 1043 in den USA, 135 in Australien, 85 in Kanada, 41 in den Niederlanden, 26 in Deutschland, 19 in Tschechien und 11 in Großbritannien beheimatet. Oder anders formuliert: 95% der Angebote stammen aus Ländern, in denen Kinderpornographie verboten ist und bei denen man normalerweise von einer funktionierenden Strafverfolgung ausgehen würde. Das, zusammen mit mit den Fakten aus dem ersten Teil, lässt nun wirklich eine Menge Schlüsse zu - unter denen die Annahme, Politiker und Behörden wären schlichtweg zu doof um Kindesmissbrauch wirksam zu bekämpfen, noch die mit Abstand schmeichelhafteste sein dürfte.

http://scusiblog.org/?p=330

Ausgespäht: Ein deutlich angespanntes Verhältnis zu Wahrheit auf der einen und Intelligenz auf der anderen Seite herrscht offensichtlich auch beim BND: Der bespitzelt einen deutschen Journalisten, den er mit einem Schriftsteller verwechselt, dessen Namen er angeblich über eine Halterabfrage ermittelt hat. Dumm nur: Der Journalist fuhr an dem Tag mit einem Taxi, und der Schrifsteller hatte gar kein Auto. Ähnlich sehen sich die beiden übrigens auch nicht gerade. Immerhin teilen sie wenigstens eine Gemeinsamkeit: Beide Spitzelopfer sind männlich.

http://www.stern.de/politik/deutschland/:Bespitzelung-Der-BND,-Nacht/653325.html

Ausgereist: Ein Blick über den Tellerrand -oder die nächste Grenze- schadet selten und bringt zuweilen neue Einsichten zutage. Der Blogger Daniel Fallenstein fuhr nach Polen - und entdeckte einen quicklebendigen, lebensnahen Liberalismus, der vor allem von jungen Menschen getragen wird und von dem man hier in Deutschland sicher auch mehr gebrauchen könnte:

http://epu.fdog.org/Schlagworte/reisetagebuch

Abgehoben: Jason Hawke's Nachtaufnahen der Londoner City aus der Vogelperspektive kann man sich anschauen, weil sie auf anschauliche Weise eine zivilisatorische Leistung dokumentieren, wie sie nur der freie Markt zu erbringen vermag. Oder einfach, weil sie atemberaubend schön sind:

http://www.boston.com/bigpicture/2008/08/london_from_above_at_night.html

In eigener Sache: Haben Sie eine interessante oder kuriose Nachricht gefunden, die auch andere ef-Leser interessieren könnte? Dann schreiben Sie ein kurzes Mail an informant@ef-magazin.de - wir freuen uns über jeden Hinweis und verlinken auf Wunsch auch den Urheber.


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