22. Februar 2009

Angeklickt Fundstücke

Aktuelles und Merkwürdiges aus Presse und Internet

Eingeschüchtert: EU-Kommissar Günter Verheugen ärgert sich über Kabelsalat auf seinem Schreibtisch. Und bringt gleich den gesamten EU-Apparat dagegen in Stellung: "Meine Geduld mit der Industrie ist jetzt zu Ende", meinte er letzten Freitag in einem Interview, man könne ja auch einfach einheitliche Ladegeräte per Verordnung vorschreiben. Für die Branche eine Horrorvision mit durchschlagender Wirkung: Bereits am darauffolgenden Montag verkündeten die fünf wichtigsten Handy-Hersteller, man habe sich auf einen Standard geeinigt und würde den bis 2012 umsetzen. "management by fear" muss also nicht immer die schlechteste Lösung sein.

http://www.welt.de/welt_print/article3224289/Nur-noch-ein-Stecker-fuer-alle-Handys.html

Angelernt: Währenddessen hat man zumindest in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mittlerweile eingesehen, dass für die von Familienministerin von der Leyen vehement geforderten Internetzensurfilter kaum vernünftige Argumente sprechen. Also verlegt man sich auf offensichtlich unvernünftige: Alle Einwände (wie zum Beispiel das dreißigseitige, ausführlich begründete Gutachten des bundestagseigenen wissenschaftlichen Dienstes) wären "fadenscheinige Störfeuer", mit denen sich Kritiker auf eine Stufe mit "skrupellosen Geschäftemachern" stellten. Meint jedenfalls Ilse Falk, ihres Zeichens CDU/CSU-Fraktionsvizechefin, gelernte Gärtnerin und -ausweislich ihrer Homepage- vor der Politkarriere als "Familienmanagerin" tätig. Natürlich hat sie Recht: Im Zeitalter der Gleichberechtigung ist es arrogant und diskriminierend, bei Meinungsäußerungen ein Mindestmaß an fachlicher Qualifikation und Sachkunde zu verlangen. Lesen Sie deshalb ab nächster Woche an dieser Stelle meine Kolumne über Familienmanagement und Gartenbau.

http://www.golem.de/0902/65288.html

Vorgearbeitet: Im Bundesinnenministerium war man derweilen schon mal fleissig und kann nunmehr einen ersten Entwurf der Sperrseite präsentieren, die allzu neugierigen Surfern demnächst den Blick bzw. Klick auf unerwünschte Inhalte verstellen wird (Achtung: Satire!):

http://bmi.pifo.biz/?http://ef-magazin.de/

Eingedeutscht: In Zeiten der Finanzkrise treibt die Angst vor Inflation und Vermögensverlust selbst bei gestandenen Wirtschaftswissenschaftlern mitunter sehr eigentümliche Blüten. So erklärt uns Prof. Dr. Max Otte, der immerhin einen Lehrstuhl für BWL an der FH Worms innehat, allen Ernstes den Unterschied zwischen "deutschen" und "ausländischen" Euros - die könne man nämlich an der Seriennummer unterscheiden, und -rein vorsichtshalber- solle man Scheine mit S, T, Y, V, P und M lieber schnell weiterreichen, bevor es am Ende aufgrund der höheren Verschuldung der ausgebenden Länder zu einer Abwertung gegenüber "deutschen" Euros (Seriennummer mit X) käme. Bei jüngst aufgekommenen Gerüchten, Professor Otte arbeite gemeinsam mit Frau Falk von der CSU an einem Buch über Anlagestrategien und Kommunikationsfreiheit, handelt es sich allerdings um eine böswillige Verleumdung.

http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=9754

Zurückgeschaut: Wer glaubt, die Neigung der Politik zu Alarmismus und Bevormundung im Namen der "Sicherheit" wäre ein exklusives Phänomen der letzten Jahre, sollte sich einmal diesen kleinen Videoclip von 1977 zu Gemüte führen. "[...] sollen wegen der hohen Unfallgefahr eventuell verboten werden. Entsprechende Überlegungen werden im Bundesarbeitsministerium angestellt. Eine Statistik aus den USA ergäbe, dass dort innerhalb eines Jahres über 50.000 Unfälle mit [...] registriert worden sind" - erraten Sie, worum es geht?

http://www.youtube.com/watch?v=6-ypQmqK9fo

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