06. November 2009

Datenschutz Was Google alles über Sie weiß

Ein anschaulicher Test zum Thema Privatsphäre

Hand aufs Herz: Wissen Sie, was Google alles über Sie weiß? Falls nicht, machen Sie einfach mal die Probe aufs Exempel und klicken Sie auf den folgenden Link:

http://www.google.com/ads/preferences

Je nachdem, wie gut Ihre Datenschutzeinstellungen im Browser sind, listet Ihnen Google unter der angegebenen Adresse auf, für welche Themen Sie sich interessieren oder interessieren könnten. Schon erstaunlich, oder nicht?

Wie die Suchmaschine das wissen kann, ist schnell erklärt: Bei jedem Zugriff auf eines der Angebote von Google wird in Ihrem Browser ein sogenanntes "Cookie" gesetzt. Das ist eine kleine Datei, die bei jedem folgenden Aufruf einer der Webseiten zurück an Google übermittelt wird, und mit deren Hilfe Google Sie (beziehungsweise Ihren Browser) eindeutig identifizieren kann. Wenn Sie also heute in Google nach einem Rezept für Gänsebraten suchen, danach Ihren Computer ausschalten und morgen abend wieder ins Netz gehen, um nach den Lottozahlen zu suchen, dann weiß Google, dass Sie derjenige sind, der gestern nach dem Gänsebratenrezept gesucht hat. Und letzte Woche nach den Ergebnissen der Bundesliga. Und vor drei Monaten nach dem netzweit bekannten Video der kroatischen Sängerin Severina Vukovich.

Das ist aber längst nicht alles. Denn auch wenn Sie gar nicht direkt auf eines der Google-Angebote zugreifen, können trotzdem Informationen an den Suchmaschinenriesen übertragen werden. Nämlich dann, wenn die Webseite, die Sie gerade besuchen, einen Dienst von Google einbindet - meistens sind das Google-Anzeigen, wie sie auch auf ef-online angezeigt werden, oder der Statistikdienst "Google Analytics", mit dem Webseitenbetreiber ermitteln können, wie oft und von wo ihre Webseite abgerufen wird (ef-online verwendet diesen Dienst nicht). Mit den standardmäßigen Einstellungen übermittelt Ihr Browser in diesem Fall nicht nur das Cookie, sondern auch die Webseite, auf der Sie sich gerade befinden (der sogenannte "Referrer").

Google weiß also nicht nur, wonach Sie suchen und was Sie früher gesucht haben, sondern bei vielen Webseiten auch, wann und wie oft Sie sie besucht haben. Und daraus lassen sich leicht die Interessen ableiten, die Ihnen in den "Anzeigenvorgaben" angezeigt werden. Ihren Namen und Ihre Adresse kennt Google übrigens normalerweise nicht, es sei denn, Sie haben sich für irgendeinen Google-Dienst angemeldet und diese Informationen dort angegeben. Dann werden sie auch mit dem Cookie verknüpft, nach Aussage des Unternehmens werden alle Daten allerdings spätestens nach 9 Monaten gelöscht beziehungsweise anonymisiert gespeichert, so dass sich daraus keine persönlichen Daten mehr ableiten lassen. Das ist insofern durchaus glaubwürdig, als Google gar kein geschäftliches Interesse an personenbezogenen Daten hat, sondern nur an statistischen Informationen über das Nutzerverhalten, die sich -zum Beispiel eben durch Anzeige individualisierter Werbung- gewinnbringend nutzen lassen.

Man muss Google auch zugute halten, dass die Firma -bei aller Datensammelwut- recht offen und transparent mit dem Thema umgeht. Im Datenschutzcenter (Link am Ende des Artikels) wird detailliert erklärt, welche Daten gesammelt werden und was mit ihnen passiert. Andere Firmen und staatliche Stellen sammeln diese Daten ebenfalls, halten sich aber über Umfang und Verwendungszweck weitaus bedeckter. Vertrauen und einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Privatsphäre befördert das mit Sicherheit nicht.

Unabhängig davon gibt es einige Möglichkeiten, mit denen Sie Ihrem Browser die Geschwätzigkeit abgewöhnen können. Die wichtigste Einstellung ist dabei die Speicherungsdauer der Cookies - wenn die Cookies regelmäßig gelöscht werden, können neugierige Datensammler keinen Bezug zwischen einzelnen Sitzungen herstellen. Google wüsste dann zwar immer noch von der Sache mit dem Gänsebraten, aber nichts von ihren Interessen in puncto Fussball und kroatischer Volksmusik. Und die Chance ist deutlich geringer, dass Google herausbekommt, dass Sie das gewesen sind. Moderne Browser wie der Firefox oder der Internet Explorer 8 bieten die Möglichkeit, alle Cookies automatisch nach jeder Sitzung zu löschen, eine Anleitung dazu ist im Anhang verlinkt. Damit dieser Schutz nicht umgangen werden kann, sollten Sie zusätzlich auch die Cookies im weit verbreiteten Flash-Plugin deaktivieren.

Natürlich gibt es noch weitere Möglichkeiten, selbst für besseren Datenschutz zu sorgen, angefangen mit speziellen Browserplugins mit Datenschutzfunktion bis hin einer virtuellen Umgebung, mit der man in Verbindung mit Anonymisierungsnetzwerken wie Tor, Xerobank oder IPREDator nahezu vollständig anonym surfen kann. Diese Möglichkeiten alle zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, zudem kommt es oft auch nicht auf maximalen Datenschutz an, sondern vielmehr auf eine sinnvolle Kombination aus Datenschutz, Kosten und Bequemlichkeit (den maximalen Datenschutz erreichen Sie, wenn Sie das Internet überhaupt nicht nutzen). Einen guten Einstieg in die Thematik gibt das "Privacy Handbook" der German Privacy Foundation, das wir ebenfalls verlinkt haben.

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