23. Mai 2010

Diesseits von Multikulti Ein Aufruf an die Türken, die Opernhäuser zu stürmen

Was gehört zu einer gelungenen Integration?

Der Multikulturalismus als eine linke Ideologie hat die Integration in Deutschland nicht vorangebracht. Er erinnert an den in kommunistischen Diktaturen propagierten Internationalismus, eine von oben verordnete Freundschaft zwischen Nationen und Kulturen. Dass dieser Zwang zur Freundschaft Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen nicht näher gebracht hat, sondern im Gegenteil sie auseinanderdividierte, wissen wir spätestens seit den fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Ländern des ehemaligen Ostblocks.

Interesse und Verständnis für andere Nationen und Kulturen dürfen nicht von oben verordnet werden. Sie können nur „von innen“ kommen. Sie entstehen in einem langen Prozess der Aneignung von kulturellen Inhalten. Er kann nur dann gelingen, wenn er von Offenheit und Ehrlichkeit auf beiden Seiten begleitet wird.

Zur Integration gehören also zwei Seiten: diejenigen, die sich als Deutsche verstehen, und diejenigen, die integriert werden sollen, die Migranten. Von der einen Seite, von den Deutschen, wird immer wieder gefordert, dass sie die Hauptleistung der Integration erbringen soll. Die Deutschen sollen Verständnis für Menschen aus anderen Kulturen, für das „Fremde“, haben. Sie sollen auch die erzieherischen, organisatorischen und nicht zuletzt finanziellen Lasten der Integration tragen.

Ob die Deutschen ihre Integrationsarbeit gut machen, ist eine offene Frage. Es fällt mir auf, dass viele Deutsche zu wenig Respekt vor Fremden haben. Angehörige bestimmter Nationen, wie Türken, Araber oder Polen, werden immer noch sehr abschätzig bezeichnet und ablehnend behandelt. Respekt vor den Anderen ist aber eine Grundvoraussetzung für eine gelungene Integration. Viele Türken wünschen sich nichts anderes als Respekt.

Und was ist mit der „anderen Seite“? Gemeint sind hier vorwiegend Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis, von denen Integration verlangt wird. Was tun sie für die Integration? Nach meinen Beobachtungen zu wenig. Sie nehmen zu wenig am kulturellen Leben der Bundesrepublik teil. Mit „kulturellem Leben“ meine ich in erster Linie die Hochkultur, denn die Partizipation an der Hochkultur ist der wichtigste Gradmesser für eine gelungene Integration. Dass die meisten muslimischen Migranten aus der Unterschicht kommen, kann nicht als Entschuldigung für ihre mangelnde Teilnahme am kulturellen Leben gelten. Menschen aus der Unterschicht sind keine kulturlosen Idioten, wie es uns die linken Multikulturalisten weismachen wollen.

Während meines Philosophie-Studiums sind mir kaum Menschen aus dem islamischen Kulturkreis begegnet, während meiner Besuche von Konzerten für klassische Musik sehe ich fast gar keine Menschen aus diesem Kulturkreis. Ähnliches gilt für meine Besuche in der größten Buchhandlung meiner Stadt.

Es sind nur Einzelne, die sich sehr produktiv an dem kulturellen Leben Deutschlands beteiligen, wie zum Beispiel der Schriftsteller Navid Kermani, der Schriftsteller Feridun Zaimoglu und der Regisseur Fatih Akin. Die große Masse der Migranten aus dem islamischen Kulturkreis interessiert sich leider kaum für die Kultur unseres Landes beziehungsweise die westliche Kultur.

Um nicht missverstanden zu werden: Hier sollen niemandem Vorwürfe gemacht werden. Ich wünschte mir einfach, dass Menschen aus dem islamischen Kulturkreis mehr als bis jetzt an dem kulturellen Leben Deutschlands partizipieren würden. Täten sie das, wären Integration und Fremdenfeindlichkeit keine Themen. Nur wenn sich Menschen aus diesem Kulturkreis mehr für unsere Kultur, für ihre anspruchsvollen Inhalte aus Philosophie, Musik und Literatur interessieren, wenn sich z.B. die Opernhäuser mit diesen Menschen füllen, kann von einer gelungenen Integration gesprochen werden.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Alexander Ulfig

Über Alexander Ulfig

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige