Alexander Ulfig

Jahrgang 1962, ist ein deutscher Philosoph, Soziologe und Autor populärwissenschaftlicher Bücher.

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Joachim Gauck: Der bessere Kandidat

von Alexander Ulfig

Ausnahmsweise ein genialer Vorschlag von SPD und Grünen

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den farblosen Provinzpolitiker Christian Wulff für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen. Die SPD und die Grünen haben den eindeutig geeigneteren Kandidaten für das höchste Amt: Joachim Gauck. Ich kann mich nicht erinnern, wann die SPD und die Grünen das letzte Mal eine so gute Idee gehabt haben.

Gauck ist parteilos und von der Haltung her überparteilich. Er hat eine saubere Weste und stellt eine moralische Autorität dar. Mut, Standhaftigkeit und Aufrichtigkeit sind nur einige Eigenschaften, die er verkörpert. Und nicht zuletzt ist er als ehemaliger Bürgerrechtler ein Symbol für Freiheit, als Leiter der nach ihm benannten Behörde auch ein Symbol für Gerechtigkeit. Alles ideale Voraussetzungen für das Amt des Bundespräsidenten.

Liberale und Konservative könnten mit Joachim Gauck nicht nur sehr gut leben. Er ist auch für sie jemand, der das Wort „Freiheit“ noch ernst nimmt und in der Diskussion um die Zukunft unserer Gesellschaft positive Impulse setzen kann. Schon jetzt organisieren im Internet Liberale und Konservative Unterstützung für Gauck. Ich bin mir sicher, dass viele aus dem CDU/CSU/FDP-Lager in der Bundesversammlung für Gauck stimmen werden.

Doch auch wenn Teile des bürgerlichen Lagers für Gauck stimmen werden, wird er es schwer haben, die notwendige Mehrheit in der Bundesversammlung zu erhalten. Die Partei „Die Linke“ wird geschlossen gegen den Stasi-Jäger stimmen. Sie hat bereits angekündigt, einen eigenen Kandidaten aufzustellen.

Im Falle eines Sieges von Gauck werden wohl die Tage von Angela Merkel gezählt sein. Ihre parteipolitische Entscheidung für Wulff deutet bereits auf ihre Führungsschwäche hin. Sie konnte ihre Wunschkandidatin Ursula von der Leyen nicht durchboxen und unterlag Politikern, die schon abgeschrieben sind, wie Roland Koch und Jürgen Rüttgers. Und was wird im Falles eines Sieges von Gauck mit Guido Westerwelle, der sich mit besonderem Nachdruck für die Kandidatur Wulffs eingesetzt hat?

Mein Favorit für das Amt des Bundespräsidenten steht auf jeden Fall fest. Er wurde von der SPD und den Grünen vorgeschlagen. Das hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können.

04. Juni 2010

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