19. Juli 2010

Oolong-Tee Für eine Handvoll Groschen

Eine kurze Geschichte über den Sozialismus

Es gibt immer noch Menschen, die das Horrorsystem des Sozialismus verklären. Viele aus Unkenntnis der Verhältnisse, andere aus mir unerklärlichen Gründen. Für diejenigen, die dieses System nicht kennen oder vergessen haben, eine kurze Geschichte, die seine Absurdität demonstriert.

Ich bin in einer sozialistischen Diktatur aufgewachsen. Dort herrschte Mangelwirtschaft. Es gab Zeiten, in denen es an Produkten des täglichen Bedarfs fehlte, wie Zahnpasta, Klopapier und Binden für Frauen. Nebenbei bemerkt: Als Klopapier verwendete man dann die Zeitung der kommunistischen Partei.

Die Lebensmittelläden waren in der Regel leer. Doch ein Lebensmittel gab es dort immer regalweise: den chinesischen Oolong-Tee. Es gab Zeiten, in denen ein Lebensmittelladen nur mit diesem Tee gefüllt war. Das Verhalten der Käufer hat mich damals sehr erstaunt: Niemand hat diesen Tee gekauft. An dem Preis lag es sicherlich nicht, denn der Oolong-Tee war für ein paar Groschen zu haben. Die Menschen dachten wohl: Wenn es diesen Tee immer regalweise gibt, muss er von ganz schlechter Qualität sein. Also kaufen wir ihn nicht.

Anfang der 80er Jahre kam ich in den Westen. Ich lernte einen älteren Adligen kennen, einen Mann, der viele Länder und Kontinente bereist hat. Er war der beste Teekenner, der mir jemals begegnet ist. Er hat wohl alle Teesorten getestet, die es auf der Welt gibt, und alle Bücher über Tee gelesen. Ich fragte ihn natürlich, was seiner Meinung nach der beste Tee der Welt ist. Er antwortete mir, ohne eine Sekunde zu überlegen: der Oolong-Tee.


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