25. Juli 2010

Wissenschaft Die Feigheit der deutschen Professoren

Warum Akademiker Angst vor Gleichstellungsbeauftragten haben

Die Gleichstellungspolitik zeichnet sich durch einseitige Förderung und Bevorzugung von Frauen aus. Sie gewinnt in allen Bereichen der Gesellschaft immer mehr an Einfluss. Nirgendwo wird sie so vehement realisiert wie an den Universitäten. Nirgendwo stößt sie aber auf so wenig Kritik und Widerstand wie im akademischen Bereich.

Ich möchte hier der Frage nachgehen, warum Wissenschaftler, insbesondere die Entscheidungsträger in der Wissenschaft, nämlich die Professoren, nichts gegen das Treiben der Gleichstellungsbeauftragten an den Universitäten unternehmen. Haben sie die Ideale der Wissenschaft wie Unparteilichkeit, Unvoreingenommenheit und weltanschauliche Neutralität vergessen? Haben sie vergessen, dass in der Wissenschaft nur die Leistung und nicht die Gruppenzugehörigkeit zählen sollte? Sind sie nicht in der Lage, die männerdiskriminierenden Maßnahmen der Gleichstellungspolitik zu durchschauen? Oder haben sie bloß keinen Mut, sich mit der Gleichstellungspolitik kritisch auseinanderzusetzen?

Das Schweigen der Wissenschaftler verwundert, da in der Öffentlichkeit die Meinung herrscht, dass sie, insbesondere die Professoren, nicht nur die Klügsten im Lande sind, sondern auch moralische Autoritäten darstellen. Auch die sogenannten „kritischen Wissenschaftler“, die ja sonst jeglichem Zeichen von Ideologie und Ungerechtigkeit nachspüren, schweigen zu der feministischen Ideologie und ihrer gleichstellungspolitischen Institutionalisierung.

Fakt ist, dass jegliche Kritik an der Gleichstellungspolitik im akademischen Bereich tabuisiert wird. Bekannt wurde der Fall eines Mainzer Soziologieprofessors, der in einem noch im Internet kursierenden Aufsatz den Gender-Mainstreaming als „totalitäre Steigerung der Frauenpolitik“ bezeichnet hatte. Er wurde daraufhin von der Universitätsleitung angewiesen, den Aufsatz von seiner Internet-Seite zu entfernen. Der Wissenschaftler schweigt bis heute zu diesem Thema, und zwar aus Angst um seine Arbeit und seine Nachtruhe.

Nicht wenige Wissenschaftler engagieren sich sogar für die Gleichstellungspolitik. In ihrem Eifer übertreffen sie noch die professionellen Wächterinnen des Gleichstellungssystems. So sprach sich vor kurzem Ernst Rietschel, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, in einem „Zeit“-Artikel mit Nachdruck für die Einführung von Frauenquoten in der Wissenschaft aus. Er schlägt vor, „Zielgrößen“ für diese Quoten zu vereinbaren und „Sanktionen für das Nichterreichen dieser Ziele“ festzulegen.

Für ihr Engagement gibt es erstens eine pragmatische Erklärung: Sie erhoffen sich davon eine Sicherung ihrer Position und bessere Aufstiegschancen. Zweitens ist es psychologisch zu deuten: Der israelische Historiker Martin van Creveld behauptet in seinem Buch „Das bevorzugte Geschlecht“, dass sich Männer für Frauen auch dann engagieren, wenn es ihnen persönlich oder ihrem Geschlecht schadet, weil sie damit eine Schuld zurückzahlen. Schließlich wurden sie von Frauen zur Welt gebracht und von ihnen erzogen - die Stärke der Frauen ist das schlechte Gewissen der Männer.

Das Leid, das Männer Frauen angeblich zugefügt haben, soll kompensiert werden. Viele Männer fühlen sich dazu verpflichtet, Frauen entgegenzukommen, ihnen zu helfen, sie besonders zu fördern. Doch Psychologen und psychologische Laien wissen, dass es nicht richtig ist, sich von Schuldgefühlen leiten zu sein. Schuldgefühle nützen niemandem, weder dem, der sich Schuldgefühle macht, noch dem, dem tatsächlich oder angeblich Schaden entstanden ist. Sie verhindern eine offene und konstruktive Auseinandersetzung mit Problemen und lähmen überdies das Handeln.

Rechtlich sind Wissenschaftler gegenüber den Maßnahmen der Gleichstellungspolitik wehrlos. Das einzige Mittel gegen ihre offene Diskriminierung sind Klagen gegen Entscheidungen von Einstellungs- bzw. Berufungskommissionen. Dieses Rechtsmittel nehmen nur Wenige in Anspruch, weil sie Angst vor dem Gleichstellungssystem haben und nicht als Frauenfeinde bezeichnet werden möchten. Gegen solche Klagen wird folgendermaßen argumentiert: Aufgrund Artikel 3 des Grundgesetzes, Absatz 2 sei der Staat zur Beseitigung tatsächlich bestehender Benachteiligungen verpflichtet. Die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen sei eine solche Benachteiligung, die beseitigt werden müsse. Und das reicht dann auch schon aus.

Es ist daher höchste Zeit, dass männliche Wissenschaftler ihre Schuldgefühle und ihre Angst überwinden, sich organisieren und gemeinsam politische Forderungen stellen. In Analogie zu Frauenräten könnten an den Universitäten Organisationen entstehen, in denen alle benachteiligten Männer (Studenten, wissenschaftliche Mitarbeiter und Professoren) ihre Arbeit konsolidieren würden. Ihre vordringliche Aufgabe wäre es, auf männerdiskriminierende gesetzliche Maßnahmen und konkrete Fälle von Männerdiskriminierung zu verweisen. Sie könnten ferner Druck auf universitäre Entscheidungsgremien (Präsidium, Senat, Fachbereichsrat), wissenschaftspolitische Institutionen (DFG, Wissenschaftsrat) und bildungspolitische Institutionen des Bundes und der Länder (Ministerien) ausüben.


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