03. März 2012

Marktkommentar EZB-Monsterdruck II

Unlimitiertes Gelddrucken

Am 29.02.2012 wurden an 800 Banken 530 Milliarden Euro in einem Dreijahres-Tender ausgeschüttet, auch genannt LTRO. Beim Monsterdruck I im Dezember 2011 war es etwas weniger. Damit sollen notleidende Banken und Staaten der Eurozone über Wasser gehalten werden. Damit kann man vom unlimitierten Gelddrucken sprechen, die nächste Stufe ist die Hyperinflation des Euro.

Der im letzten Marktkommentar erwähnte „Amputationsplan“ aus Deutschland für Griechenland und ähnlich schlechte Staaten kommt nicht zur Realisierung. Stattdessen will man in einer komplizierten Aktion den Griechen noch einmal 130 Milliarden Euro in das Fass ohne Boden werfen. Gleichzeitig gibt es einen komplizierten Schuldenschnitt von 53 Prozent. Laut Commerzbank bekommen Halter griechischer Staatsanleihen sage und schreibe 24 verschiedene Papiere, inklusive solcher vom EFSF und einen Besserungsschein. Was sich da verbessern könnte, weiß kein Mensch, da der Schuldenschnitt viel zu gering ist und staatliche Organisationen nicht betrifft.

Warum druckt man nicht einfach den Griechen das Geld? Kein Mensch weiß es, vermutlich geht es nur um die Aufrechterhaltung eines Apparates.

Endstation Hyperinflation

Durch die ungerechte Behandlung von Privatgläubigern bei den Griechen-Anleihen und der Tatsache, dass man die Credit Default Swaps (CDS) zur Absicherung von Bonds gegen Ausfall weghaben möchte, beschwört man eine sehr gefährliche Situation herauf: Verschiedene Institutionen wie Pensionsfonds und Versicherungen werden sich aus Euro-Anleihen ganz zurückziehen müssen, da politische Risiken wie diese nicht vorhersehbar sind. Gleichzeitig läuft wieder eine Initiative im EU-Parlament, die Bekanntmachung von Staaten-Ratings ganz zu verbieten.

Das alles und das jetzt unlimitierte Gelddrucken dürften bald zum großflächigen Abverkauf aller Euro-Staatsanleihen führen und damit zum Eurocrash. Das ist der Beginn der Hyperinflation. Dann wird sich zeigen, ob man so weitermacht und dann ein Brot einmal 1.000 Euro kostet, oder ob einzelne Staaten aus dem Euro aussteigen, was wahrscheinlicher ist.

Gold und Silber

Der Goldpreis ist seit dem EZB-Monsterdruck I um circa 200 Dollar auf jetzt 1.780 Dollar gestiegen. Silber war noch besser und ist allein 2012 um 30 Prozent gestiegen. Offenbar treibt nicht nur die gestiegene Liquidität der Zentralbanken den Goldpreis, auch dürfte die Preisdrückung etwas nachgelassen haben. Die Situation ist nicht mehr so kritisch wie Mitte Dezember, wo die Eurozone knapp am Systemkollaps vorbeigegangen ist.

Viele wirkliche Goldexperten erwarten für das erste Quartal 2012 den großen Goldpreis-Ausbruch auf über 2.000 Dollar. Dieser dürfte jetzt im Gang sein und den Goldpreis noch im März auf über 2.000 Dollar pro Unze treiben. Die derzeitige Drückung des Goldpreises durch das Kartell aus Zentralbanken und Investmentbanken dürfte dann auch zusammenbrechen. Vermutlich ist das für das System vorübergehend auch gar nicht so  schlimm, denn fast alles Gold und Silber ist ohnehin schon bei Investoren des Smart Money gelandet. Die Masse hat in den letzten Jahren ihr Gold und Silber billig bei den unzähligen Goldaufkäufern gegen bunte Scheine abgegeben und wird sicher nicht versuchen, wieder Gold zu bekommen, bevor dieses auf 5.000 Dollar oder höher ist. Dann gibt es kaum mehr welches zu kaufen.

Wie man aus Bank-Insiderkreisen hört, werden die bereits gedruckten Nachfolgewährungen des Euro wie DM2, Schilling3 und so weiter auch reine Fiat-Währungen ohne Golddeckung sein. Ob es nach der großen Enteignung der Sparer dann noch ein Vertrauen in so etwas gibt, ist sehr zweifelhaft.


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