31. März 2012

Marktkommentar Die „Heile Welt“-Show

Noch wirkt die PsyOp

Derzeit läuft eine PsyOp (psychologische Operation) vom Feinsten ab, uns wird suggeriert, dass im Finanzsystem wieder alles in Ordnung sei, der Euro und die Banken gerettet, Gold zur Absicherung nicht notwendig, die Aktienkurse immer steigen und so weiter. Aber es hat sich real nichts geändert an der Überschuldung, der prekären Lage vieler Eurostaaten und so weiter. Es ist nur eine koordinierte Show, ausgedacht vermutlich von den besten Psychologen, die es dafür gibt.

„PsyOps“ kommt aus dem Militär und bezeichnet dort die Beeinflussung des Feindes mit psychologischen Mitteln. Aber aber auch die eigenen Soldaten und die eigene Bevölkerung werden beeinflusst, aber auf andere Art. Der „Feind“ sind in unserem Fall alle jene, die nicht mehr an das Finanzsystem und den Euro sowie die Sicherheit der Ersparnisse glauben. Also die Finanzmärkte (die „Soldaten“) und die Sparer (die Bevölkerung). Welche Komponenten hat diese Operation:

„Alles ist gerettet“ vorspielen:

In den letzten Wochen kam heraus, dass das Finanzsystem und der Euro im November und Dezember 2011 mehrmals kurz vor dem Untergang waren. Sogar Mario Draghi hat es gesagt. Aber man hat jede Bank und jeden Staat (Griechenland nur teilweise) gerettet, so dass die Sparer keine Nominalverluste hatten. Dazu waren zwei Monster-Gelddrucke durch die EZB von insgesamt einer Billion Euro erforderlich. Kurz gesagt, die Pleitestaaten und Pleitebanken werden durch Gelddrucken finanziert. Das produziert immer einmal Inflation und führt deswegen zur Flucht aus der Währung – aber noch nicht jetzt, um das ging es.

Aktienkurse anheben:

Aus mehreren Insider-Informationen aus deutschen Banken ist bekannt, dass vier grosse Banken gemeinsam die Aktien des DAX anheben. Das Publikum hat sich aus den Aktien zu einem guten Teil zurückgezogen. Warum? Die Entwicklung der Aktienindizes wird täglich in den Medien berichtet.

Gold- und Silberpreise drücken:

Seit Beginn der neuerlichen Finanzkrise im August 2011 drückt man ständig auf die Preise für „echtes Geld“. Damit ja niemand auf die Idee kommt, dort hineinzuflüchten. Trotzdem passiert es, und man kann deswegen den Goldpreis kaum unter 1.600 Dollar pro Unze drücken. Verschiedene Zentralbanken (sogar die von Großbritannien und Schweden sollen heimlich Gold kaufen) und Grossinvestoren kaufen das Gold immer auf, wenn der Preis gedrückt wird. Aber auf Fondsmanager, etwa von Pensionsfonds, und die Kleinanleger macht es mächtig Eindruck. So ist etwa bei manchen deutschen Edelmetallhändlern die Nachfrage im Februar und März 2012 im Gegensatz zum Rekordmonat Dezember 2011, wo alle berechtigte Angst um ihr Geld hatten, massivst eingebrochen. Das ist ein Beweis dafür, dass die Operation wirkt.

Nichts ist „heil“:

Klarerweise sind Italien und Spanien nicht gerettet, Spanien dürfte der nächste Pleitefall nach Griechenland werden. Auch ist zu erwarten, dass Deutschland durch immer mehr Rettungspakete kreditunwürdig wird. Frankreich ist es eigentlich heute schon, wie der negative Target2-Saldo zeigt. Die Welt kann erst wieder „heil“ werden, wenn die heutige übergrosse Verschuldung abgebaut wird, wie es in jedem Kondratieff-Winter passiert. Und wenn es wieder stabiles, goldgedecktes Geld gibt.

Prognose: vermutlich steht diese PsyOp im Zusammenhang mit den französischen Präsidenten­wahlen bis Anfang Mai 2012, die Sarkozy unbedingt wieder gewinnen möchte. Bis dorthin wird man versuchen, diese Operation mit allen Mitteln fortzusetzen. Ob es gelingt? Die Krisenrealität kommt aber auf jeden Fall bald wieder zurück.


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