09. März 2012

Glosse Darf ich aufrunden?

Neulich im Penny

Darf ich aufrunden, fragte die Kassiererin im Penny den jungen Mann, der vor mir stand. Äh, nein, sagte dieser nach kurzem Nachdenken, worauf die Kassiererin die restlichen Münze herausgab.  Hoppla, dachte ich. Was ist denn das?  

Und während die Kassiererin meine drei Sachen eintippte, las ich den Aufdruck an der Kasse, der mir klarmachte, dass es sich um eine neue Masche der regierigen Sozie’s handelt, an das Geld gut- und leichtgläubiger Bürger zu kommen. In diesem Fall armer Rentner, wie ich, Studenten und anderer armer Schlucker, denn bei Penny hab ich den OB noch nie einkaufen gesehen, obwohl er nur einen Steinwurf weit entfernt wohnt.  

Drum beantwortete ich die Frage der Kassiererin, noch bevor sie gestellt worden war, mit: Nein, bitte nicht ! -  und murmelte noch einiges verächtliches, gehässiges, unverständliches, hinterher. Die Kassiererin versuchte sich nichts anmerken zu lassen, bekam nur einen immer dickeren Hals und nannte dann den Preis. Auch der nachfolgende junge Mann schien ob meiner Bemerkungen ziemlich indigniert, was ich an der zunehmenden Gesichtsröte bemerkte, und dass er einem Blickkontakt sichtlich auswich.

Aber das ist ja bestimmt nicht auf ihrem Mist gewachsen, sagte ich zu ihr, während ich 7 Euro 26 in ihre offene Hand zählte. Viel Geld für nur drei Sachen, auch wenn es sich dabei um schwarzen Kaffee und roten Wein handelte. Warum das so teuer war, und wem wir die Teuerung zu danken haben, sagte ich dem Fräulein lieber nicht, denn sie hatte ihren Glauben an das Gute offensichtlich noch nicht verloren.

Nein, beantwortete sie dann meine nicht gestellte Frage, auf welchem Mist dieser Blödsinn denn wohl gewachsen sei. Nein, das ist eine sehr große, bundesweite Hilfsaktion für die vielen armen Kinder und …   den Rest verschluckte ihre inzwischen wieder aufgenommene Kassier-Tätigkeit. Der junge Mann sagte: Ja, bitte! – nach der neuerlichen Frage der Kassiererin, womit mir meine Vermutung über seine Gesichtsfarbe denn auch bestätigt schien.

Schweine, zischte ich im Hinausgehen in mich hinein, womit ich natürlich weder Kassiererin noch nachfolgenden Kunden meinte, sondern die Sozie’s, die zuerst mit ihrer antikapitalistischen Politik einen Großteil der Bevölkerung in die Armut (be)steuert, um dann als rettender Engel zu erscheinen, der mit Notopfern, Solidarbeiträgen und so weiter, die eben selbst erzeugte Armut zu bekämpfen.  Das gleicht dem Münchhausener  Kunststück, sich selbst und sein Pferd an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Da kann man nur applaudieren.

Jetzt lass ich mir den Merlot für 1,49 schmecken, den ich mir, Penny sei Dank, noch leisten kann. Und wenn ich den nächsten Bettler seh’, werf’ ich ihm mein ganzes Kleingeld in den Hut, denn er betreibt ein redliches Geschäft. Die Helferindustrie, die neue Mafia der Gutmenschen, der günen, roten und violetten Socken, wie ich sie so gern nenne –  wobei die Schwarzen und Gelben sich längst dem Zeitgeist angeglichen und also grün-schwarz und grüngelb sind –soll dagegen der Teufel holen. Obwohl, der Teufel, wie war das nochmal? Steht der denn nicht für das Böse? Ja, soll denn der Böse das Böse holen? Ich steig da nicht mehr durch. Hilfe!


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Hartmut Amann

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