13. Dezember 2013

Schulpflicht Nahe am Schwachsinn

Wer seine Kinder nicht der Schulsexualisierung überlässt, macht sich strafbar

Galt es jahrhundertelang als unschicklich, menschliche Geschlechtlichkeit in all ihren Facetten öffentlich zu besprechen, haben wir heute das genaue Gegenteil. Hauptleidtragende dieser Vergenusswurzelung unter staatlicher Aufsicht sind Schulkinder – und mit ihnen: Zukunft.

In dem mittelhochdeutschen Epos “Parzival” wird der junge Held ermahnt: “Seht zu, dass Ihr nie von der Scham lasst! Ein Mensch, der sich nicht mehr schämen kann, ist wie ein Falke, der in der Mauser alle edlen Federn verliert, und er geht den Weg zur Hölle.” Ein unheimlich Bewenden hat es mit der menschlichen Sexualität. Nur mühsam einzuhegen, ist sie in der Lage, Menschen, Familien, ganze Gesellschaften, Weltreiche gar zu zerstören – wenn ihr die Zügel abhanden kommen.

Mal lasziv, dann wieder mit Unschuldsmiene trieft es von Plakatwänden der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: „Mach’s – aber mach’s mit!” Über amtliche Aufrufe wie diesen regt sich längst niemand mehr auf. Doch in solcher Unverfrorenheit Intimes herauszuschreien, markiert den debilen Staat – frei nach Sigmund Freud, der Schamverlust als erstes Zeichen von Schwachsinn deutete. Sind bloß seine Funktionsträger geistig schwindsüchtig – oder führt der Staat Debilität durch medial-bürokratische Hilfstruppen bewusst herbei?

Fest steht: Nirgends propagiert der törichte Unhold verantwortungsloser die Befriedigung von Trieben als an seinen Schulen. Die Stoßrichtung wird deutlich, sobald jemand aus dem Zwang ausschert, sich “aufklären” zu lassen. Vor allem in Norddeutschland gibt es in jüngster Zeit mehr und mehr Fälle von Eltern, die lieber ins Gefängnis gehen, als für die versäumte Kollektiv-Sexkunde ihrer Kinder zu “büßen”. Dabei treibt deren richterliche Verurteilung seltsame Blüten – und ernährt den Verdacht, in manchem Oberstübchen stimmt was nicht.

So verkündete allen Ernstes etwa das Detmolder Amtsgericht vor Jahresfrist: „Unzweifelhaft gehört zur Heranbildung verantwortlicher Staatsbürger die Vermittlung von Kenntnissen aus dem Bereich der menschlichen Sexualität.” Somit habe Sexunterricht staatstragende Funktion – und die Betroffenen müssten ein Bußgeld zahlen, da sie nicht für die entsprechende Unterweisung ihres Kindes – in einem Schulgebäude – gesorgt hätten.

Als in juristischen Kreisen das Thema noch neu war (1977), legte das Bundesverfassungsgericht fest: Schulische Sexualerziehung ist keine Pflichtveranstaltung im “staatlichen Erziehungsauftrag”. Vielmehr habe die jeweilige Schule sich „größtmöglich“ mit dem Elternhaus abzustimmen. Wenn dort also Scham noch eine Rolle spielt, darf der Staat das nicht nach Belieben torpedieren.

Im selben Jahr wusste der Biologe und Sachbuchautor Joachim Illies („Schöpfung, Scham und Menschenwürde“) von einem Menschenexperiment aus dem China der sog. “Kulturrevolution“ zu berichten: Zur Umfunktionierung politischer Gefangener wurde ihnen „das Geschlechtliche in Wort und Tat brutal nahegebracht.” Im Ansturm massivster Obszönität brach „mit dem abgebauten Schamgefühl auch das Selbst­wertgefühl der Opfer völlig zusammen“. Sie waren „reif für jede neue Ideologie, die man in sie wie in leere Flaschen füllen konnte.”

35 Jahre später ist der höchstrichterliche Sprachnebel verflogen, hinter dem der Staat sich zum alleinigen Erziehungsberechtigten in Geschlechtsdingen aufgeschwungen hat. Dessen Credo heute: Leben gelingt erst, wenn es mit Kenntnis auch der abstrusesten Sexpraktiken unterfüttert ist. Wer’s nicht glaubt, kommt vor den Kadi.

Nicht umsonst sind in Kulturen und Zivilisationen, die ihre Blütezeit noch vor sich haben, kräftige Tabuzonen um eine schrankenlose Libido errichtet. Abbau von Scham dagegen bewirkt höchste Gefügigkeit – je früher, desto wirksamer. Ent-Schämung öffnet Tür und Tor für Manipulation. Darum ist sie ein Pfund, mit dem Ideologen gerne wuchern. Enthemmung durch schulische Pornografisierung ist kein Betriebsunfall der deutschen Geschichte. Vielmehr geht sie auf das Konto machtbewusster Sozialtechniker, die längst in unserem Land das Heft in die Hand genommen haben.

Die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Christa Meves schreibt in „Kindgerechte Sexualerziehung – Erziehung zur Liebe”: “Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass auf dem Sektor (der Sexualkunde) ab 1968 eine gezielte marxistisch-ideologische Beeinflussung stattfand. Die Prämissen dieser ideologischen Beeinflussung haben nicht das Geringste mit Wissenschaft zu tun, das heißt weder mit den Forschungsergebnissen echter Sexualwissenschaft noch mit solchen der Entwicklungspsychologie.”

Heuchlerisch war die schulische Sexual„erziehung“ angetreten, ungewollte Schwangerschaften von Minderjährigen zu verhindern (genau solche und deren „Abbrüche“ nehmen pausenlos zu) und Kinder vor Missbrauch durch böse Onkels zu schützen. Doch wenn genau diese Kinder aus den Klassen laufen und zur lehrplanmäßigen Konfrontation mit schlüpfrigen Details „nein danke“ sagen – oder aber ihre Eltern sich schützend vor sie stellen – , kommt es zu Erzwingungshaft.

Berichte von Grundschülern, die bei der Vermittlung von „Kenntnissen aus dem Bereich der menschlichen Sexualität“ kollabieren und ins Krankenhaus eingeliefert werden, nehmen zu. Um schon den Kleinsten den Ge­schlechts­akt nahezubringen, setzen Lehrer auf lebensnahes Anschauungsmaterial aus Holz und Plüsch – ein staatlich geprüfter „Sexualkunde-Koffer“ macht’s möglich. Doch damit längst nicht genug. Zwar hat man sich für den „LiveAct im Classroom“ noch nicht erwärmen können. Aber anderweitig abwegigen Lüsten sind heute keine Grenzen mehr gesetzt. Ob Homo-, Bi-, Trans- oder sonstwie: für halbstaatliche Sex-Pädophile, verzeih, -Pädagogen, die Schüler nach Dr. Sommer auf Vordermann bringen wollen, gibt es ein weites Betätigungsfeld.

Wo einfühlsame Zeitgenossen auf eine solche Entwicklung mit klaren Worten reagieren, handelt es sich längst nicht mehr um die Kritik randständiger Gruppen an einem angeblichen gesellschaftlichen „Konsens“. Vielmehr stehen Betreiber und ideologische Nutznießer der eiskalten Rechte-Einforderungs-Industrie besorgten Eltern gegenüber, denen die körperliche, moralische, seelische Gesundheit ihrer Kinder mehr Wert ist als nur ein Achselzucken. Am breiten Wegesrand jedoch schlummert die große Mehrheit, getreu dem Motto: „So schlimm wird es schon nicht sein …“. Deren unerschütterliches Vertrauen in Vater Staat (und dessen wahrheitsverliebte Justiz), aber auch in das Konzept Schule hat die systematische, als „Erziehung“ getarnte Scham-Zerstörung überhaupt erst möglich gemacht.

Sucht man ein übereinstimmendes Symptom dafür, wie sexuelle Übergriffe im Kindesalter sich auswirken, trifft man immer wieder auf den Verlust der Fähigkeit, „Nein“ sagen zu können. Eine seltsame innere Lähmung gegenüber Gefahrensituationen, ein Sich-nicht-mehr-wehren-können oder –wollen hat die ehemaligen Missbrauchsopfer befallen. Ist es das, was hier langfristig angelegt wird: Kohorten von unkritischen Ja-Sagern heranzuziehen, die jede politische Wendung klaglos hinnehmen?

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blauen Brief.


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