06. Januar 2014

Schulpflicht Gefangene des totalen Schulstaats

Gericht verweigert Freilernern Recht auf Freizügigkeit

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Eine Freilerner-Familie darf das Land nicht verlassen, um außerhalb Deutschlands Bildungsfreiheit zu genießen: Damit sie nicht auswandern können, entzog das Amtsgericht Darmstadt-Dieburg jetzt den christlichen Eltern wichtige Teile des Sorgerechts für ihre Kinder.

Mauern gibt es genug in unserem Land. Keine symbolisiert Unfreiheit, aber auch deren Unhaltbarkeit, so sehr wie die in Berlin.

In der letzten Dezemberwoche 2013 übertrug Familienrichter Markus Malkmus das Recht der Eltern, den Aufenthalt ihrer Kinder zu bestimmen sowie deren schulische und amtliche Angelegenheiten zu regeln, auf ein Kreisjugendamt. Faktisch nahm Malkmus so die Familie von Dirk und Petra Wunderlich (Ober-Ramstadt) in Deutschland-Haft. Zwar kann sie sich noch frei bewegen – während der Schulferien. Ansonsten verfügt der Staat über die Kinder. An den Umzug in ein freiheitlicheres Land ist nicht zu denken, die richterliche Anordnung gleicht einer virtuellen Mauer, dem berüchtigten Bauwerk im vormals geteilten Berlin nicht unähnlich.

Dabei haben Wunderlichs guten Grund, ihrer Heimat endgültig den Rücken zu kehren. Denn die tiefverwurzelte Überzeugung, dass auch „schulpflichtige” Kinder besser zuhause aufgehoben sind als in Staatshänden, hat der Familie viel juristischen Streit eingebracht. Bereits am 6. September 2012 war ihnen das Sorgerecht teilweise entzogen worden. Als sie ihre Kinder dennoch nicht der Staatsschule anvertrauten, sie stattdessen in Freiheit lernen ließen, bekamen sie knapp ein Jahr später die volle Wucht des totalen Schulstaates zu spüren: Zwanzig Sozialarbeiter drangen mit Polizeigewalt in die Familienwohnung ein, verbrachten die vier Kinder zwischen sieben bis vierzehn Jahren in ein Kinderheim.

Offizieller Grund des jugendamtlich initiierten Zugriffs war die Abwesenheit der Kinder aus einer staatlichen Schule. Zwar durften diese nach gut drei Wochen wieder nach Hause, jedoch nur unter der Auflage, von nun an die staatliche Schule zu besuchen, eine erneute Verweigerung hätte die Familie endgültig zerstört. Die Frage des bereits entzogenen Sorgerechts wollte das Familiengericht erst nach einer „Bewährungszeit” der Eltern Ende 2013 abschließend klären. Dies ist nun geschehen.

Theoretisch hätten Wunderlichs das volle Sorgerecht zurückerhalten können, hatten sie doch in den letzten Monaten die „Schulpflicht” vorbildlich erfüllt. Wie tausende andere Auswandererfamilien hätten sie eines Tages möglicherweise beschlossen, ihre Zelte in Deutschland abzubrechen, um in einem anderen Land die Kinder nach ihrer Überzeugung aufwachsen zu lassen. Allein, Familienrichter Malkmus befürchtete bei den Freiheitsliebenden einen erneuten „Missbrauch des Elternrechts” – im Ausland – und behauptete, der mögliche Umzug der Familie in die legale Bildungsfreiheit stelle eine „Gefahr für das Kindeswohl” dar. Das juristische Argument, ein auf Verdacht gefällter familiengerichtlicher Beschluss dürfe das EU-weit geltende Recht auf Freizügigkeit nicht aushebeln, ließ das Gericht nicht gelten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Der blaue Brief“.


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