10. Februar 2015

Energiewende Ziehen sich die erneuerbaren Energieträger selbst aus dem Sumpf?

Eine radikale Reform ist unvermeidbar

Dossierbild

Laut einer Analyse der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hätten die deutschen Stromverbraucher im Jahr 2013 ganze 11,2 Milliarden Euro durch die Nutzung erneuerbarer Energieträger gespart, weil diese mit null Grenzkosten den Börsenpreis kräftig nach unten gedrängt hätten. Dabei sind die Forscher davon ausgegangen, „dass der Anteil der konventionellen Erzeugungskapazitäten in der kurzen Frist (weniger als fünf Jahre), in der der überwiegende Anteil an erneuerbarer Kapazität zugebaut wurde, konstant geblieben wäre, auch wenn es den Zubau erneuerbarer Energien so nicht gegeben hätte.“ (S. 26.) Begründet wird diese Annahme mit einem langen Planungshorizont konventioneller Kraftwerke und der hohen Investitionsunsicherheit unter den Bedingungen eines liberalisierten Energiemarktes. Abstrahiert wurde ebenfalls von einer Reduktion der Energienachfrage als Reaktion auf steigende Preise und von einer Angebotsreaktion durch weniger stillgelegte Kraftwerke.

Wegen dieser Annahmen muss jedoch das gesamte Analyseergebnis mit einem dicken Fragezeichen versehen werden. Der Grund für steigende Grenzkosten konventioneller Kraftwerke ist neben der Abschaltung mehrerer Kernkraftwerke vor allem in den besonderen Einsatzbedingungen konventioneller Kraftwerke und der Investitionsunsicherheit infolge der Energiewende zu sehen. Kurzfristig erhöht der stärker schwankende und schwer prognostizierbare Einsatz des konventionellen Kraftwerksparks die Grenzkosten, und mittel- bis langfristig reduziert sich der Investitionsanreiz mit der Folge eines sinkenden Stromangebots und steigender Preise. Ohne die Einspeisung des Stroms aus erneuerbaren Energieträgern wären die Grenzkosten konventioneller Kraftwerke niedriger gewesen, was auch mit relativ niedrigeren Börsenpreisen verbunden gewesen wäre.

Die Energiemarktliberalisierung, organisatorisch bereits seit 1998 im Gange und in Deutschland im gesetzlichen Rahmen weitestgehend abgeschlossen, kann kaum als besonderes Investitionshemmnis interpretiert werden, zumal in anderen Märkten eine Liberalisierung in der Regel zu höheren Investitionsanreizen führt. Demgegenüber hat sich die Marktunsicherheit durch die bereits vor mehr als einem Jahrzehnt von der Energiepolitik einsetzende Privilegierung der erneuerbaren Energieträger und die zunehmenden Probleme bei der Planung, Genehmigung und Inbetriebnahme konventioneller Kraftwerke im deutschen Strommarkt wesentlich erhöht. Die Investitionszurückhaltung herrscht seit mehr als einer halben Dekade, auch wenn es in den vergangenen Jahren noch zu einer Kapazitätsausweitung kam. Ohne die Energiewende wäre noch stärker in moderne und effiziente konventionelle Kraftwerke investiert worden. Nicht umsonst wird seit Jahren vor der kommenden Versorgungslücke gewarnt.

Die preissenkende Wirkung der erneuerbaren Energieträger durch den sogenannten „Merit-Order-Effekt“ ist nichts Neues und kaum dazu geeignet, die negativen Folgen der Energiewende für den Wohlstand dieses Landes zu relativieren. Die langfristigen Folgen des „Greshamschen Stromgesetzes“, nach dem nur durch hohe Subventionen konkurrenzfähig gemachter Strom wirklich effiziente Kraftwerke vom Markt verdrängt und die Nachfrager auf den hohen Systemkosten sitzen lässt, sind ohne eine radikale Reform der deutschen Energiepolitik nicht zu vermeiden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Liberalen Instituts.

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