07. Februar 2007

Handball-Weltmeister Wo bleibt die Gesamtliga?

Es wird Zeit für mehr Gerechtigkeit auch im Sport

Bei der Fussballweltmeisterschaft im letzten Jahr reichte ein dritter Platz für das deutsche Team, um als „Sommermärchen“ in die Geschichtsbücher einzugehen. Die Handballer haben nun ein kleines Wintermärchen wahr werden lassen und den Weltmeistertitel im eigenen Land geholt. Beide male eine respektable Leitung der Spieler, des Trainers und des ganzen Teams, gefeiert von Millionen von Fans.

Was im Sport, speziell beim Fußball, ganz alltäglich ist, nämlich das Leistungsprinzip nebst Bewertung, Prämien und Kritik bei schlechten Ergebnissen, ist auf andere Bereiche nicht übertragbar. Im Bildungsbereich etwa ist Leistung, Anstrengung und Schweiß kaum das Maß aller Dinge. Anders als im Sport wird auch kaum jemand Unterschiede in der Spielstärke auf unterschiedliche Begabung zurückführen oder dies zumindest nicht öffentlich aussprechen.

Unterschiedliche Erfolge in der Schule werden nicht selten auf ungleiche Chancen, auf unfaire Ausbildung und auf andere externe Faktoren zurückgeführt. So sollen diese etwa mit der Gesamtschule egalisiert werden. Doch was für die Schule gilt, müsste für den Sport doch auch gelten. Übertragen wir deshalb einmal diese Idee auf den Fußball-Sport.

Die Bundesligen werden mit der Regionalliga zu einer Gesamtliga zusammengefasst. Natürlich muss es auch einen Ausgleich für die verschieden starken Mannschaften geben. Und so werden die Spieler aus München, Hamburg oder Schalke auf alle Teams aufgeteilt. Nur so ist gewährleistet, dass die Guten die Schwächeren Spieler mitziehen und alle die gleichen Chancen haben.

Stammplätze müssen leider verboten werden. Eine Rotation für alle Spieler wird eingeführt, denn der Mitspieler auf der Bank darf keinesfalls diskriminiert und um seine gerechte Chance gebracht werden.

Ein Finanztransfer würde sicherstellen, dass Werbeeinnahmen fair verteilt werden. Ein einzelner Mittelfeldregisseur wäre ja nichts ohne seine Mitspieler, seine Zuspieler. Also muss die daraus resultierende Popularität nebst den Werbeeinnahmen über einen Pool an alle Mitspieler aufgeteilt werden. Auch der Gegner sollte seinen fairen Teil abbekommen, zumal Spiele gegen deutlich schwächere Gegner zur Stärkung der eigenen Moral zutiefst diskriminierend und menschenverachtend sind.

Die Stadien müssen zur Verbesserung der Chancengleichheit alle die gleichen Kapazitäten haben. Wo kommen wir denn da hin, wenn ein Club mit großem Stadion regelmäßig von mehr Fans, dem zwölften Mann am Platz, unterstützt wird. Wettbewerbsverzerrung ist das – aber hier dürfte eine Deckelung der Stadienplätze auf das kleinste Stadion der Liga schon helfen, um eine echte Verbesserung herbeizuführen.

Die so entstandene Liga ist nicht mehr interessant? Die Fans wenden sich lieber den attraktiven Ligen in Italien, Spanien oder England zu? Die Erfolge der Nationalmannschaft bleiben auf der Strecke, denn selbstverständlich ist das deutsche Team Vorreiter in Sachen Chancengleichheit beim Sport? Dann braucht es eben europäische Lösungen. Die entsprechenden Verbände werden sich darum kümmern müssen.

Oder der Sport bleibt bei „Ohne Fleiß kein Preis“ und der ein oder andere nimmt sich an der heiteren Weltmeisterschaft oder dem Erfolg der Handballer ein Beispiel. Noch immer führt eigene Leistung und Arbeit zu den schönsten Erfolgen. Nicht nur im Sport.


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Michael Merkl

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