27. Juni 2008

Waffenrecht Amerikanische Freiheitskultur und deutscher Durchfalljournalismus

Beim Thema „Waffen“ nehmen es deutsche Journalisten mit der Wahrheit nicht ganz so genau

Der oberste Gerichtshof der USA hat das im Zweiten Zusatzartikel zur Verfassung des Landes garantierte Recht der Bürger, Waffen zu besitzen und bei sich zu tragen, gestärkt. Ein in der Hauptstadt Washington D.C. vor 32 Jahren verfügtes Verbot von Schusswaffen, das zu keiner Absenkung der hohen Mordrate geführt hat, wurde durch die höchsten US-Richter für verfassungswidrig erklärt. Ebenso faktenresistent wie vorhersehbar sind die Reaktionen der deutschen „Qualitätsmedien“ auf das Urteil.

„Gericht spricht US-Bürgern Recht auf Waffe zu“, titeln „Die Welt“ und „Der Spiegel“. Und damit beginnt die Desinformation deutscher Medien schon mit der Überschrift. Denn der „U.S. Supreme Court“ hat den US-Bürgern nicht ein Grundrecht zuerkannt, sondern die Unzulässigkeit von dessen Einschränkung festgestellt.

„Da eine wohl organisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.“, lautet der Text des Zweiten Zusatzartikels zur US-Verfassung. Hier lässt sich einmal mehr der Unterschied zwischen amerikanischer Freiheitskultur und deutscher Verbots- und Erlaubis-Mentalität festmachen. Der Verfassungszusatz konstituiert nämlich nicht ein Recht auf Waffenbesitz, sondern sieht es als vorkonstitutionell gegebenes Freiheitsrecht an, das durch den Staat nicht eingeschränkt werden dürfe.

Doch dringen wir tiefer in die Auswürfe deutscher Qualitätsjournalisten ein. Als „große[n] Sieg für die mächtige Waffenlobby in den USA“ bezeichnet der „Stern“ das Urteil und macht damit unmissverständlich klar, wo er steht. Jedenfalls hat die böse „Waffenlobby“, die man ob ihres Kampfes für das Recht auf Selbstverteidigung durchaus auch als Menschenrechtsorganisation bezeichnen könnte, das Verfahren nicht einmal angestrengt. Nein, ein kleiner Wachmann aus der Hauptstadt war es, der sich nach Ansicht des „Sterns“ „auf einen Verfassungsartikel, der allerdings sehr vage formuliert ist“, berufen hat. Was an den klaren, einfachen Worten des Zweiten Verfassungszusatzes „vage formuliert“ sein soll, wird wohl das Geheimnis des linken Boulevardblatts bleiben.

Wunderschön ist auch die propagandistische Bebilderung der Berichte. Wo „Der Spiegel“ ein ganzes Arsenal an Knallstöcken zeigt, lässt der „Stern“ gleich eine Pistole auf den Leser richten. Es ist leicht durchschaubar, welche Wirkung damit erzielt werden soll. Und um das Agitprop-Stückchen noch nett abzurunden, startet „Die Welt“ gleich noch eine Umfrage, bei der jede Antwortoption impliziert, dass Waffen eigentlich blöd sind.

Dass es auch anders geht, zeigen seriöse Nachrichtenmedien wie CNN. Dort wird der Leser objektiv, faktenrichtig und umfangreich informiert. So lässt man neben den Befürwortern auch die Gegner von Waffenverboten ausführlich zu Wort kommen und erfährt über ihre ganz persönlichen Beweggründe, sich für die Freiheit des Waffenbesitzes starkzumachen. Am häufigsten wird dabei der Schutz vor Kriminellen genannt, deren Opfer nicht wenige Waffenfreunde schon selbst geworden sind.

Neben diesem naheliegenden Grund spielt aber auch noch ein anderer Faktor eine gewichtige Rolle für das Verlangen vieler Amerikaner, eine (Schuss-)Waffe zu besitzen. Es ist die tiefe Verwurzelung der Freiheitsidee in der amerikanischen Kultur, die zu der Überzeugung beiträgt, dass Leben, Freiheit und Eigentum notfalls mit Waffengewalt gegen äußere Aggressoren oder eine tyrannische Regierung verteidigt werden müssen. Wo sich staatshörige Deutsche bei jeder noch so unverschämten Bevormundung wegducken und das Maul halten, überlegt sich eine US-Regierung dreimal, wie weit sie gehen kann, ohne von bewaffneten, wehrhaften Bürgern aus dem Amt gejagt zu werden.

Was jedoch treibt das mediale Establishment hierzulande zu ihrer waffen- und freiheitsfeindlichen Propaganda? Die Argumentation folgt meist dem gleichen Muster: mehr Waffen führten zu mehr Gewalt und Mord, was man schließlich an der höheren Mordrate der USA im Vergleich zu beispielsweise Deutschland sehen könne. Doch was ist wirklich dran an dieser Behauptung? Zuerst einmal ist ein direkter Vergleich USA-Deutschland gar nicht seriös. Anders als in der Bundesrepublik ist in den Vereinigten Staaten der jeweilige Bundesstaat für das Waffenrecht zuständig. Und dadurch gibt es so viele unterschiedliche Gesetze wie es Bundesstaaten gibt.

Gilt in New Hampshire beispielsweise ein sehr freiheitliches Waffenrecht, das fast keine Einschränkungen kennt, muss man im Gegensatz dazu im Bundesstaat Maryland eine staatliche Lizenz für den Erwerb einer Schusswaffe vorweisen. Diese erhält man jedoch nur, wenn man ein „berechtigtes Interesse“ glaubhaft machen kann, weil man beispielweise im Sicherheitsbereich arbeitet oder das zweifelhafte Glück hat, „mit dem Tode bedroht“ zu werden. Interessanterweise ist das extrem regulierte Maryland einer der Spitzenreiter ... bei der Mordrate. Im liberalen New Hampshire hingegen, in dem jeder seine Waffe offen tragen darf, lebt man mit am sichersten.

Alle von mir genannten Fakten sind nicht nach jahrelanger, schwierigster Nachforschung plötzlich zu Tage befördert wurden, sondern lassen sich mittels „Google“ innerhalb weniger Minuten recherchieren. Sie zeigen, dass ein liberales Waffenrecht zu weniger Kriminalität, zu weniger Morden führt. Was mag also der wahre Grund für die waffenfeindliche Haltung des deutschen (Medien-) Establishments sein?

Internet


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Marco Kanne

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