05. September 2008

Rebellen von rechts "Konservativ-subversive Aktion" stört Günter Grass

Aktivisten besuchen den moralischen Zeigefinger der Nation

Am vergangenen Sonntag störten Mitglieder der "Konservativ-subversiven Aktion" (KSA) eine Buchpremiere von Günter Grass, nach dem Zweiten Weltkrieg selbsternannter moralischer Zeigefinger der Nation, davor freiwilliges Mitglied der Waffen-SS. Auf letztere Tatsache, die Grass erst nach Jahrzehnten und dutzenden seiner moralischen Tribunale gegen Personen des öffentlichen Lebens, die aus ihrer Vergangenheit kein Geheimnis machten, enthüllte, spielte die Störaktion der "Konservativ-subversiven Aktion" an. So wurde ein großflächiges Plakat entrollt, auf dem Günter Grass holzschnittartig mit Stahlhelm und seiner markanten Pfeife zu sehen ist. Ein eigens produzierter Comic über die "moralische Instanz" Grass rundete die von Götz Kubitschek, Leiter des "Instituts für Staatspolitik" und verantwortlicher Redakteur der konservativen Theoriezeitschrift "Sezession", initiierte Protestaktion ab.

Ein bunter Haufen von Menschen ist diese "Konservativ-subversive Aktion", die man wohl unter dem Begriff "rechts" zusammenfassen könnte — so man denn genug Hirn besitzt, "rechts" nicht mit NPD oder ähnlichem Kram zu verwechseln. Denn unter dem Banner der KSA versammelt sich ein Mikrokosmos der deutschen Rechten und bildet ihre Manigfaltigkeit ab. Etatistische Konservative findet man dort ebenso wie nationalgesinnte Liberale, heimatverbundene Ökofreunde und sogar den einen oder anderen individuell-kulturell "rechtsstehenden" Libertären.

Die "Konservativ-subversive Aktion" hat seit ihrem erst kurzen Bestehen schon für einigen Wirbel bei Freund und Feind gesorgt. Denn eines war der deutsche Mainstream bislang nicht gewohnt, nämlich Nonkonforme, die vom Reden und Jammern zur Tat, zum Protest übergehen. Die "Konservativ-subversive Aktion" ist ein zartes Pflänzchen dieses Tatendranges rebellischer "Rechter".

Wenngleich der Saal im Hamburger Thalia Theater voller gutsituierter Vertreter des Establishments sich wohl nicht zum Nachdenken über die Doppelmoral und Heuchelei eines Günter Grass anregen ließ, ein durchaus beachtliches Echo in den Mainstreammedien produzierte die Aktion trotzdem. So berichteten zahlreiche Formate der öffentlich-rechtlichen Staatsmedien, als auch freie Mainstreammedien, von der "Welt" bis zur "taz".

Erstmals tauchte die "Konservativ-subversive Aktion" im Mai dieses Jahres auf, als sie einen in Berlin abgehaltenen Kongress zur 68er-Bewegung besuchte. Veranstalter dieses Kongresses waren neben Publikationen wie "taz" oder "Freitag" auch Organisationen der in "Die Linke" umbenannten SED. Eine weitere Aktion führte die KSA Mitte Juni in Chemnitz durch, als eine Selbstbeweihräucherungsveranstaltung von ehemaligen SED- und Stasi-Kadern gestört wurde.

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Marco Kanne

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