19. August 2008

Luxussozialisten Sollen Kinder in Entwicklungsländern hungern statt arbeiten?

Wie die blindwütige Selbstgerechtigkeit westlicher Wohlstandslinker Armut und Leid in der Welt vergrößert

Unter Luxussozialisten weiss man: Globalisierung ist bäh. Konzerne sind bäh. "Kinderarbeit" in deren Fabriken ist natürlich auch bäh. Beim Tässchen Latte Macchiato — das mehr kostet, als ein Ackerbauer in Bangladesch für seine Familie in der Woche erwirtschaften kann — im Lieblingscafe in der City, da schnattert man mit GesinnungsgenossInnen über die Welt und wie bunt und schön sie wäre, wenn alle nach der Gutmenschenpfeife tanzen würden.

So erwärmt die luxuslinke Seele nicht nur der mittägliche Sonnenschein, sondern vor allem der wohlig warme Strom der Selbstgerechtigkeit, der den edlen sozialistischen Weltenretter bei der Äußerung gedankenloser Forderungen durchdringt, deren Umsetzung ein Vielfaches an Leid und Not in der Welt zur Folge hätte.

Ein Beispiel menschenverachtender Gedankenlosigkeit, das vor zwei Monaten die Aufmerksamkeit der Mainstreammedien auf sich gezogen hat, war die satte Protestsimulation einer gewissen Kirsten Brodde gegen das Unternehmen Tchibo. Dieses lässt — wie so viele andere auch, nachdem eine unverschämt ausbeuterische Steuer- und Abgabenpolitik die Textilfirmen aus Deutschland verjagdt oder in die Pleite getrieben hat — sein Kleidungssortiment in Schwellen- und Entwicklungsländern fertigen.

Häufig sind die Arbeitskräfte dort Kinder. Satten westlichen Wohlstandmenschen wie besagter Frau Brodde geht es nun gegen den Strich, dass Tchibo und andere Konzerne den Menschen in den ärmsten Gebieten der Welt Alternativen bieten, die Chance, sich ein bescheidenes Einkommen zu erwirtschaften, das die Ernährung der meist kinderreichen Familien sichert und möglicherweise sogar noch ausreicht, wenigstens ein Kind aus der Familie in die Schule zu schicken.

Somit macht das wirtschaftliche Engagement Tchibos und jedes anderen Konzerns in den ärmsten Gebieten der Welt es möglich, dass die Menschen dort — wenn auch langsam — materiell vorankommen. Sie wollen Leben und Lebenschancen. Der Arbeitsplatz in der Fabrik des westlichen Konzerns ermöglich ihnen genau das.

Was wäre die Alternative? Was wären die Folgen für die Menschen dort und hier, wenn beispielsweise die böse westliche Textilindustrie ab sofort wird nicht mehr in diesen Ländern produzierte, sondern nur noch in westlichen Staaten nach deren Standards und zu deren durch den Staat in die Höhe getriebenen Löhnen, von denen die Arbeitnehmer doch auch nur einen Bruchteil sehen?

Die Folgen für die Menschen in den armen Lanstrichen des Globus' wären verheerend. Sie könnten mangels Arbeitsgelegenheit ihre Kinder nicht mehr ausreichend ernähren, müssten diese zur Feldarbeit verdonnern, die anstrengender, gesundheitsschädlicher und darüber hinaus noch weitaus unprofitabler ist, als es die Arbeit in einer Fabrik des ach so bösen westlichen Konzerns wäre.

Geld für Bildung bliebe damit natürlich auch nicht mehr über. Die Familie, die es schafft, alle Angehörigen zu ernähren, darf sich schon glücklich schätzen. Welches Drama sich dort abspielen muss, wo aus Mangel an Nahrung die Eltern zur Selektion gezwungen sind, welches Kind leben darf und welches verhungern muss, will ich mir gar nicht vorstellen. Verschwendet eine satte Kirsten Brodde oder ein anderer dieser verantwortungslosen Luxussozialisten auch nur einen Gedanken an an dies, wenn er voller moralischer Selbstgerechtigkeit gegen "Kinderarbeit" oder "Hungerlöhne" in den Fabriken westlicher Unternehmen hetzt?

Die Folgen hierzulande hätten ebenfalls die Ärmsten der Gesellschaft auszubaden, insbesondere arme Familien. Denn Kleidung würde sich um ein Vielfaches verteuern, ja preislich gerade zu explodieren. Zeiten, die man nur noch aus alten Büchern zu kennen glaubt, wo der Jüngste mit den kaputten Schuhen und Hosen in die Schule geschickt wurde, weil das Geld der Familie nicht für neue reichte, sie würden uns wieder einholen. Kein Thema für Luxuslinke, die nicht Gefahr laufen, der Armut zum Opfer zu fallen?

Wie man es dreht und wendet, die Globalisierung ist ein menschlicher und wirtschaftlicher Fortschritt für alle. Sie macht Produkte günstiger und so für viele hierzulande erschwinglich. Sie sorgt für Arbeitsplätze in den ärmsten Regionen der Erde, die es den Menschen dort möglich macht, sich selbst aus dem materiellen Elend zu befreien. Globalisierung, das wirtschaftliche Engagement westlicher Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern, ist nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in moralischer und sozialer Hinsicht ein Erfolg auf der ganzen Linie.

Würde der deutsche Staat nicht durch eine perverse Steuer- und Abgabenhöhe scheinbar alles dafür tun, dass die Menschen hierzulande so wenig wie möglich von der Globalisierung profitieren, Arbeitslosigkeit wäre kein Thema mehr. Denn jene Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern, die gestern noch in den Fabriken gearbeitet haben, wollen morgen die in aller Welt gerühmte deutsche Qualität kaufen, wenn die materiellen Grundbedürfnisse befriedigt sind. Geben wir ihnen und uns die Chance dazu, die Chance auf Wohlstand, Fortschritt, Freiheit!

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Marco Kanne

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