30. Juni 2008

Marktkommentar Das Beispiel Island

Scenen des nahenden Währungsuntergangs

Die Bankenkrise verschärft sich wieder, die Banken kündigen weitere Massenentlassungen an, besonders im Investment-Banking. Kein Wunder, ist doch eines der Haupttätigkeitsfelder dieser Banken, die „Securitization“ von Schulden in Anleihen, weiterhin tot. Damit entfällt auch diese Einnahmequelle.

Die Royal Bank of Scotland (RBS) ist mit der Warnung vor einem „Jahrhundert-Crash“ auf den Aktien und Kreditmärkten in den nächsten drei Monaten herausgekommen. Soetwas steht tatsächlich vor der Tür. Die Frage ist, wie lange die Zentralbanken und die diversen „Plunge Protection Teams“ diesen Crash noch aufhalten können. Warten wir ab.

Aber dieses Mal wird mein Marktkommentar etwas von üblichen Form abweichen und ein konkretes Beispiel zeigen: Der Fall der isländischen Krone. Dieses Land wird auch als „Nordischer Hedge-Fond“ bezeichnet, denn die dortigen Banken haben massiv am Kapitalmarkt Kredite aufgenommen und diese wieder meist im Ausland investiert, etwa primär im britischen Retail-Sektor, der jetzt dort wegen der Kreditkrise niedergeht. Kein gutes Investment.

Aber jetzt zur Inland-Situation in Island: Die isländische Krone ist im letzten Jahr bereits um 60 Prozent gegenüber dem Euro gefallen. Um die Krone zu verteidigen, musste die dortige Zentralbank die Leitzinsen inzwischen von 5 auf 15,5 Prozent anheben. Dabei sind die isländischen Bürger selbst mit 200 Prozent des Jahreseinkommens verschuldet, die höchste Privatverschuldung weltweit – und jetzt diese Zinsen. Der totale Schuldenkollaps ist nah.

Durch das Absacken der Krone ist die Inflationsrate im Land auf offiziell 12,3 Prozent gestiegen. Die realen Preissteigerungen sind sicher viel höher, da fast alles importiert wird.

Hier sehen wir ganz genau, was passiert, wenn es ein Land mit der Auslandsverschuldung zu weit treibt:

- Abverkauf der Währung

- Als Reaktion enorme Anhebung der Zinsen, um noch etwas von der Währung zu retten

- Schulden- und Bankenkollaps im Land, Massenbankrotte

- Die Bürger kommen zweifach in die Klemme: keine weitere Aufschuldung mehr und Inflation

- Massive Verarmung und Arbeitslosigkeit

Es kommt auch zu uns

Was wir in Island in brutaler Form sehen, läuft in milderer Form bereits weltweit. Es fehlen dort nur noch die massiv steigenden Zinsen. Die Flucht aus der Währung gibt es auch, hier in Form von massiv steigenden Preisen für Öl und Getreide – essentielle Realgüter also.

Die massiv steigenden Zinsen werden kommen, wenn die Rohstoffpreise weiter steigen und speziell wenn die derzeitige Goldpreis-Drückung nicht mehr gelingt. Dann wird eine massive Flucht in das Gold als „früherem und neuem Geld“ einsetzen. Goldpreise von 5000 Dollar pro Unze werden dann als „niedrig“ angesehen werden. Die Spannungen im Euro werden noch viel größer werden und es wird ihn zerreissen, was eine neue Fluchtwelle in das Gold auslöst. Die kollabieren Banken werden diese Flucht noch weiter verstärken.

Island ist ein gutes Beispiel

Hier können wir derzeit live sehen, was passiert, wenn eine Währung wirklich abverkauft wird. Wir sind selbst nicht weit davon entfernt. Die „Rettungsboote“ Gold und Silber sollten bereit stehen. Die Titanic hat den Eisberg bereits 2007 gerammt. Jetzt kommt der Untergang.

Information

Die aktuellen Marktkommentare von Walter K. Eichelburg erscheinen zweiwöchentlich im Rohstoff-Spiegel und jetzt auch auf ef-online. Eichelburg ist Consultant und Investor in Wien. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Investment- und Geldfragen. Er kann unter walter@eichelburg.com erreicht werden. Er betreibt die Gold-Website Hartgeld. Dieser Artikel ist als völlig unverbindliche Information anzusehen und keinerlei Anlageempfehlung. Jegliche Haftung irgendwelcher Art für den Inhalt oder daraus abgeleiteter Aktionen der Leser wird ausdrücklich und vollständig ausgeschlossen.


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