13. Juli 2008

Marktkommentar Fannie-, Freddie- und Autobomben

Jetzt sind die lebenswichtigen Organe betroffen

Die FAZ schrieb am 9. Juli in „Die vierte Welle der Finanzkrise“: „Das nun schon seit gut einem Jahr dauernde Siechtum des Finanzsystems greift allmählich auf die lebenswichtigen Organe über. Jüngstes Beispiel sind die amerikanischen Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae. Eigentlich sollen sie – mit staatlichem Auftrag und staatlicher Garantie ausgestattet – ein Fels in der Brandung sein.“

Die Aktienkurse dieser beiden halbstaatlichen US-Immobilienfinanzierer sind am Montag, den 7. Juli, um jeweils mehr als 15 Prozent abgestürzt, nachdem bekannt wurde, dass sie etwa 75 Milliarden Dollar neues Kapital brauchen. Diese GSEs (Government Sponsored Enterprises) spielen eine zentrale Rolle in der US-Immobilienwirtschaft und vergaben über fremde Vertriebsorganisationen Hypotheken für Wohnhäuser und Wohnungen für über 5.000 Milliarden Dollar. Daraus machten Fannie Mae und Freddie Mac Anleihen in der Form vom MBS (Mortgage Backed Securities), die weltweit verkauft wurden und auch viele Zentralbanken als Währungsreserven übernahmen.

Zwar waren Fannie & Freddie wesentlich strikter bei der Hypothekenvergabe als andere Finanzfirmen und nahmen meist nur „Prime-Hypotheken“ mit fixem Zinssatz. Aber was bedeutet das heute schon, wenn die US-Immobilienpreise bereits um mindestens 25 Prozent gesunken sind. Die große Gefahr ist, dass diese MBS genauso wie die CDOs im letzten Jahr massiv abverkauft werden. Wegen des viel größeren Volumens „staubt“ es dann allerdings richtig.

Finanzmärkte

Nicht nur Fannie & Freddie stehen jetzt bereits am „Hinrichtungsblock“, auch die US-Autoindustrie steht kurz vor dem Ende. Verschiedene Investment-Banken warnen schon vor einem Konkurs von General Motors, Ford und Chrysler. Auch verschiedene Investment-Banken wie Lehman Brothers dürften kurz vor dem Ende sein. Der US-Finanzminister Hank Paulson spricht schon öffentlich über Abwicklungsprozeduren für Insolvenzen bei Investment-Banken.

In der Tat hat die Finanzkrise im Juni und Juli wieder mächtig Fahrt aufgenommen und es dürften jetzt wirklich „lebenswichtige Organe“ wie die beiden GSEs betroffen sein.

Trotzdem ist es bisher gelungen, das System zusammenzuhalten. Die Frage ist: Wie lange ist das noch möglich? Auch die Aktienkurse bröckeln jetzt weltweit ab. Nicht nur haben die chinesischen Börsen bereits 50 Prozent verloren, auch die deutschen und US-Indizes sind schon 20 Prozent vom Höchstwert heruntergekommen. Irgendwo wird der Punkt erreicht werden, wo auch alle Plunge Protection Teams nicht mehr helfen können und der große Aktiencrash kommt – zusammen mit dem Absturz der Staatsanleihen, die wegen der realen Preissteigerungen von weltweit über 10 Prozent dringend herunter müssen. Dann ist wirklich „Feuer am Dach“.

Gold & Silber

Auch die Drückung der Gold- und Silberpreise wird für das „System“ immer schwieriger. Zwar sind diese von den 1.000 Dollar pro Unze und 21 Dollar pro Unze vom März noch weit entfernt, aber die 900-Dollar-Grenze beim Gold wurde überschritten und dürfte halten. Aber keine Sorge, diese Preise werden nicht unten gehalten werden können. Speziell bei einem Ölpreis in der Nähe von 150 Dollar pro Barrel.

Wenn wirklich etwas Massives passiert, wird der Goldpreis mühelos wieder 1.000 Dollar überschreiten. Man wird dann jeden Preis für diese „Rettungsboote“ bezahlen.

Nicht vergessen: Jetzt sind die „lebenswichtigen Organe“ des Finanzsystems betroffen.

Information

Die aktuellen Marktkommentare von Walter K. Eichelburg erscheinen zweiwöchentlich im Rohstoff-Spiegel und jetzt auch auf ef-online. Eichelburg ist Consultant und Investor in Wien. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Investment- und Geldfragen. Er kann unter walter@eichelburg.com erreicht werden. Er betreibt die Gold-Website Hartgeld. Dieser Artikel ist als völlig unverbindliche Information anzusehen und keinerlei Anlageempfehlung. Jegliche Haftung irgendwelcher Art für den Inhalt oder daraus abgeleiteter Aktionen der Leser wird ausdrücklich und vollständig ausgeschlossen.


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