24. Juli 2008

"TechCrunch" Markt in Aktion

Ein Technikblog und seine Leser basteln sich einen Tablet-PC

Wenn man etwas will, schaut man sich um, ob es das Gewünschte auf dem Markt gibt, ob es jemand einem anbieten kann. Ist dies nicht der Fall, was macht man dann? Eine Möglichkeit ist, auf das Gewünschte zu verzichten und zu warten, bis irgend jemand auf die Idee kommt, es anzubieten. Eine andere Möglichkeit ist es, selbst anzupacken, mit anderen zu kooperieren, um es zu schaffen.

Ein Beispiel dafür ist der professionelle, englischsprachige Web 2.0- und IT-Blog "TechCrunch". Chef-Blogger Michael Arrington ist es leid, dass es auf dem Markt keinen kostengünstigen "Tablet"-PC gibt, mit dem man einfach nur entspannt das Internet nutzen kann. Naja, eigentlich gibt es diese Geräte schon, allerdings bewegen sich deren Preise bei deutlich über 1000 Euro -- viel zu viel.

Arrington ist zur Abhilfe dieses Zustandes nun einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Er hat in einem Eintrag seine Leser dazu aufgefordert, gemeinsam einen Tablet-PC zu entwickeln, der kostengünstig (rund 200 US-Dollar), auf wesentliche Funktionen beschränkt, mit freier Software ausgestattet und -- jetzt kommt das Interessanteste daran -- dessen technische Spezifikationen "Open Source" sein sollen, womit die Herstellung für jeden, ohne Patentrechte und ähnlichen Kram beachten zu müssen, möglich ist.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Komerzielle Unternehmen, die über die entsprechenden Herstellungskapazitäten und Ressourcen verfügen, sparen sich die Entwicklungskosten, die in der Regel den allergrößten Teil bei technischen Innovationen ausmachen. Statt dessen kann sofort produziert und verkauft werden, was Herstellungkosten und damit letztlich die Kosten für den Endkunden auf ein Minimum reduziert.

Ein weiterer Vorteil ist die marktbelebende, preisreduzierende Funktion fehlender Patente. Jeder kennt die Spezifikationen, jeder kann das Ding bauen. Niemand kann davon mittels staatlich verliehener Patente ausgeschlossen werden. Und es ist klar, je mehr Unternehmen ein Produkt herstellen und um Abnehmer konkurrieren, um so wahrscheinlicher sind niedrige Preise für die Kunden.

"TechCrunch", eine der weltweit führenden Onlinepulikationen für Internet und Technik, zeigt mit diesem Schritt, was mit der Kraft des (freien) Marktes möglich ist. Noch ist das Gerät zwar nicht entwickelt, aber dafür, dass die Idee erst gestern das Licht der Welt erblickte, ist die Resonanz außerordentlich. Man könnte wirklich sagen, sie hat eingeschlagen wie eine Bombe. Allein die über 600 Kommentare zum Eintrag, von denen viele schon recht konkrete Gedanken enthalten, zeigen das.

Ohnehin ist "TechCrunch" nicht nur auf Grund der Kompetenz in Sachen Internet und Technik wärmstens zu empfehlen. Über Regulierungs- und Zensurbetrebungen von Internet oder Medien in allen Teilen der Welt wird durch die betont freiheitlichen Profiblogger kritisch berichtet. Menschliche Freiheit und technischer Fortschritt gehören für die Leute von "TechCrunch" untrennbar zusammen. Davon können sich vergleichbare deutschsprachige Dienste wie "heise" noch eine dicke Scheibe abschneiden.

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Marco Kanne

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