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Marktkommentar: Empire over!Analyse der US-Verstaatlichungen An der Wall Street knallt es derzeit kräftig. Da ist etwa der Bankrott der US-Investment-Bank Lehman Brothers am 15. September zu nennen. Am gleichen Tag flüchtete die ebenfalls stark angeschlagene Investment-Bank Merrill Lynch in die Arme der Bank of America. Kommentatoren schreiben, zusammen möchte man eine Bank „to big to fail“, also zu groß zum Sterben bilden, die dann der amerikanische Staat unbedingt retten muss. Diese Rechnung könnte aufgehen, wenn man sich die diversen Verstaatlichungen der letzten Zeit in den USA ansieht. Lehman war hoffnungslos mit schlechten Wertpapieren, primär bestehend aus US-Hypotheken, überladen. Mit einer vorläufigen Schuldensumme von 613 Milliarden US-Dollar ist es der größte Bankrott in der US-Geschichte bisher. Für das reine Investment-Banking von Lehman gibt es Käufer, jedoch nicht für die Mistpapiere, die die „Assets“ dieser Bank darstellen. Der jetzt folgende, von der Branche so sehr gefürchtete Abverkauf wird den wahren Marktwert aufzeigen – vielleicht ein Drittel des Nominalwertes kommt zurück. Alle Banken müssen jetzt eigene Bestände entsprechend abwerten, was ihnen weitere Verluste einbringen wird. Uncle Sam, der Notretter Den Untergang von Lehman konnte man offenbar riskieren, ohne das Gesamtsystem implodieren zu lassen. Am 7. September kam die Meldung, dass die USA die beiden siechen Immobilien-Giganten Fannie Mae und Freddie Mac verstaatlicht haben. Wie man heute weiß geschah dies auf Druck der chinesischen Regierung, deren Zentralbank ca. 360 Milliarden Dollar von den ausstehenden 5.300 Milliarden an Fannie & Fredde MBS (auch Agency Bonds genannt) als Währungsreserven hält. Auch in den USA gab es jede Menge zittriger Hände, wie die von Bill Gross, dessen PIMCO-Bond-Fond mit über 60 Proent in diesen Papieren steckt. Die US-Staatsschulden sind damit gleich um 50 Prozent auf ca. 15.000 Milliarden gestiegen, da die US-Regierung mittels Hank Paulson diese MBS garantiert. Das große Problem ist, dass der Staat selbst Geld borgen muss, um helfen zu können. Eine solche Aktion führt unweigerlich zum Abverkauf der Staatsanleihen und der Währung. Draufgabe AIG Am 17. September dann die Meldung, dass die US-Regierung über Nacht auch die größte US-Versicherung American International Group (AIG) verstaatlicht hat und sofort 85 Milliarden Dollar hineinsteckt. Warum? „Wenn AIG fällt, fallen wir alle“, erklärt ein Händler der „Financial Times Deutschland“. Der Bankrott wäre noch am nächsten Tag erfolgt und hätte unabsehbare Auswirkungen auf die Finanzmärkte, die Derivatenmärkte und die Versicherungsbranche weltweit gehabt. Kurz gesagt: Das Gesamt-System wäre in wenigen Tagen zusammengebrochen. Wie bei Fannie & Freddie wird man auch AIG nicht für ewig retten können, aber einen Aufschub des System-Crashs hat man offenbar wieder einmal erreicht. Für eine wirkliche Rettung sind die Schäden im System bereits viel zu groß. Selbst Alan Greenspan, der Vorgänger von Helicopter-Ben als Zentralbank-Chef spricht von einer „Jahrhundert-Krise“. Eijne solche ist es! Extrem-Manipulation der Märkte Seit Mitte Juli werden alle Finanzmärkte in einem nie gesehenen Ausmaß manipuliert, um einen groß angelegten Dollar-Abverkauf zu verhindern. Dazu müssen Ölpreis und Goldpreis herunter und der Dow Jones Index muss hochgehalten werden. Auch ein kleiner Krieg (Georgien) wird benutzt, wie im letzten Marktkommentar erwähnt. Auch während der Turbulenzen um Lehman hat man diesen Kurs aufrechterhalten. Die gigantischen US-Not-Verstaatlichungen sind der Grund für diese Manipulationen. Diese werden zusammen mit der Tatsache, dass die USA derzeit von der Rezession in die Depression gehen, trotzdem zum Dollar-Crash und Gold-Höhenflug führen. Dann heißt es: Empire over! Information Die aktuellen Marktkommentare von Walter K. Eichelburg erscheinen zweiwöchentlich im Rohstoff-Spiegel und jetzt auch auf ef-online. Eichelburg ist Consultant und Investor in Wien. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Investment- und Geldfragen. Er kann unter walter@eichelburg.com erreicht werden. Er betreibt die Gold-Website Hartgeld. Dieser Artikel ist als völlig unverbindliche Information anzusehen und keinerlei Anlageempfehlung. Jegliche Haftung irgendwelcher Art für den Inhalt oder daraus abgeleiteter Aktionen der Leser wird ausdrücklich und vollständig ausgeschlossen. 20. September 2008 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Arne Hoffmann, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Klaus Rainer Röhl schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Social BookmarksAnzeigenKommentaremittelhesse1, am 21. September 2008 um 20:08 ( Link ) Was ist fair? Dass durchgeknallte Banker mit Billionen spielen? Und die Staatshaushalte bankrott spielen? Ein ganz markantes Kennzeichen dieser Finanzmarktkrise ist doch eindeutig, dass verniedlicht, verharmlost und verschwiegen wird. Es wird doch genau das eintreten, was verhindert werden soll, die Rückzahlung der Hypothekenkredite wird ins Stocken geraten, wie die Rückzahlung anderer Kredite auch. Wer soll denn noch treu und brav seine Abzahlungen leisten, wenn die, die sie nicht zurück gezahlt haben, noch belohnt und entlastet wird? Oder glaubt Carl an einen Funken Moral in diesem Spiel? Durch die Zusagen der US-Regierung werden Mittel gebunden, die die Volkswirtschaft dringend bräuchte, und zwar weltweit. Denn die Finanzkrise und deren kurzfristige Unterbrechung werden auf alle Teilnehmer der gloabalisierung zurückfallen. Der Weg in die Dpression wird nur beschleunigt. Übrigends durch die 60 Milliarden verbrannte deutsche Steuergelder auch. Oder denkt jemand, der Herr wirft das Geld vom Himmel? Der heißt ja nicht Bernanke. Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können |
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Carl, am 20. September 2008 um 10:52 ( Link )
Vielleicht wäre es fair zu erwähnen, daß den 613 Mrd. an Schulden auch ein ähnlicher Betrag an Assets gegenübersteht, was zwar immer noch zu einem zweistelligen Milliardenverlust führt, aber doch wesentlich harmloser ist.
Auch sind die Staatsschulden nicht um 50% gestiegen, das wären sie nur im Fall das wirklich niemand mehr seine Hypotheken bedienen kann, was unwahrscheinlich ist, schließlich bedienen Freddy und Fanny nur solvente Schuldner, sondern es wurden lediglich Garantien übernommen.