04. Oktober 2008

Marktkommentar Horrorwoche

Vor dem „System-Meltdown“

Jetzt knallt es in Europa. In der Woche beginnend am 29. September (dieser Artikel wurde am 1. Oktober geschrieben) hätte es gleich mehrere Banken in Europa umgeworfen – wenn nicht jeweils der Staat eingesprungen wäre:

Erstens: Die deutsche Hypo Real Estate wurde mit 35 Milliarden Euro gerettet, wovon fast der gesamte Betrag vom deutschen Staat kommt. Zweitens: Die belgisch-niederländische Fortis wurde von diesen beiden Staaten gerettet. Drittens: Die französisch-belgische Dexia wurde von diesen beiden Staaten gerettet. Viertens: Die britische Bradford&Bingley wurde vom britischen Staat gerettet

Dazu kommt noch die Übernahme der US-Bank Wachovia durch Citigroup, wobei der Staat den Großteil der Verluste schluckt. Recht viel für die ersten zwei Tage einer „Horror-Woche“.

Die Bankenkrise, die bisher primär in die USA gewütet hat, ist nun mit voller Stärke nach Europa übergesprungen. Der Interbanken-Kreditmarkt ist praktisch zerstört. Keine Bank traut der anderen mehr, die Zentralbanken haben in den letzten Tagen ca. 600 Milliarden Dollar hineingepumpt. Zudem ist auch noch der Markt für Bank- und Firmenanleihen mit „Investment-Grade-Qualität“ kollabiert – wie schon letztes Jahr der Junk-Bond-Markt. Damit wird ein Überrollen auslaufender Anleihen nicht mehr möglich.

Bank-Runs

Die meisten der oben beschriebenen Bankenkrisen wurden durch massive Geldabhebungen verursacht. Bei Wachovia wurden in den letzten Tagen vor der Übernahme ca. 16 Milliarden Dollar abgezogen.

Inzwischen erscheinen in den Medien Artikel wie „Wie sicher ist mein Geld“. Ebenso erscheinen Artikel über Verluste mit Garantieprodukten und Zertifikaten von Lehman Brothers, die man vor einigen Wochen in die Insolvenz hat gehenlassen. Allein in Deutschland machen diese Verluste einen dreistelligen Millionenverlust aus.

Mit einem großflächigen Run auf alle Banken ist jederzeit zu rechnen. Die Verunsicherung der Öffentlichkeit über die Sicherheit der Spareinlagen ist inzwischen groß genug. Da wird auch dieser große amerikanische „Rettungsplan“ über 700 Milliarden US-Dollar nichts nützen. Falls er doch noch durch den Kongress kommt, ist er für das Problem viel zu klein. Es geht dabei wohl nur darum, die „Psychologie der Märkte“ hochzuhalten.

Keine Rettungsboote mehr

Wohin soll man flüchten? Da im System nichts mehr sicher ist, bleiben nur mehr Gold, Silber und essentielle Dinge wie Lebensmittel oder Energie. Nur Gold hat die nötige Wertdichte, um größere Summen aufzunehmen. Seit einiger Zeit gibt es weltweit kaum mehr Gold oder Silber zu kaufen, obwohl die Zentralbanken verzweifelt versuchen, deren Preise unten zu halten. Man will ja den Leuten nicht auch noch zeigen, wohin sie flüchten sollen.

Mit dem plötzlichen „Ableben“ des Systems ist daher jederzeit zu rechnen. Es braucht nur eine Rettung schiefgehen, was wohl bald passieren wird. Oder es gibt einen Massenansturm auf die Banken. Oder die Goldpreis-Drückung bricht zusammen. Das kann jetzt jeden Tag passieren, aber dieser Tag lässt sich leider nicht vorhersagen. Das nennt man dann „System-Meltdown“.

Information

Die aktuellen Marktkommentare von Walter K. Eichelburg erscheinen zweiwöchentlich im Rohstoff-Spiegel und auf ef-online. Eichelburg ist Consultant und Investor in Wien. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Investment- und Geldfragen. Er kann unter walter@eichelburg.com erreicht werden. Er betreibt die Gold-Website Hartgeld. Dieser Artikel ist als völlig unverbindliche Information anzusehen und keinerlei Anlageempfehlung. Jegliche Haftung irgendwelcher Art für den Inhalt oder daraus abgeleiteter Aktionen der Leser wird ausdrücklich und vollständig ausgeschlossen.


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