18. Oktober 2008

Marktkommentar Monster-Rettung

Wie wäre es mit einer Tonne Kupfer?

Wurde mein letzter Kommentar noch mit „Horrorwoche“ überschrieben, so gab es in der darauffolgenden Woche noch mehr Horror. Die Aktienkurse stürzten weltweit ab, Panik machte sich in Finanzmärkten und Politik breit. Böse Zungen mögen behaupten, das kam gerade zur rechten Zeit, um die Politik auch in Europa von der Notwendigkeit eines Monster-Bailout wie in den USA zu überzeugen. Das gelang tatsächlich vortreffend.

Beim Euro-Gipfel vom 11. bis 12. Oktober in Paris wurden EU-weite „Notmaßnahmen“ für die Eurozone beschlossen, die am folgenden Montag national umgesetzt wurden: Ein „Rettungspaket“ für die Banken in Deutschland mit 500 Milliarden Euro aus primär Staatsgarantien, ein (relativ gesehen) noch größeres Paket in Österreich über 100 Milliarden Euro und insgesamt in der Eurozone Staatsgarantien und Subventionen an die Banken über 1.000 Milliarden Euro.

Überall bilden sich „ganz große Koalitionen“, um die dafür notwendigen „Staatsbankrott-Gesetze“ mit Höchstgeschwindigkeit durch die Parlamente zu peitschen. Warum machen diese Politiker das wohl? Wissen sie nicht, dass mit den Banken nun auch der Staat untergeht und damit die Politikerjobs und ihre Gehälter verschwinden?

Die ohnehin schon hoch verschuldeten Staaten bürden sich noch weitere Schulden in einem gigantischen Ausmaß auf, denn diese Garantien werden sicher gezogen werden. Dabei dürften die Garantien noch viel zu niedrig sein, denn wenn die Derivatenbombe rund um die Credit Default Swaps (CDS) hochgeht, multiplizieren sich die Bankenverluste. Das Einzige, was man also getan hat, ist den unmittelbar bevorstehenden Bankenuntergang noch etwas hinauszuschieben, in dem man den letzten potentiellen Schuldner mit noch etwas Kreditwürdigkeit dafür einspannt: den Staat. Mit dem Resultat, dass nun Banken und Staat gemeinsam untergehen.

Wie das aussieht kann man sich gerade in Island und teilweise in Ungarn ansehen. In beiden Ländern wurden die Banken vom Staat gerettet. Daraufhin stürzten Währung und Staatsanleihen ab. Island etwa kann nichts mehr importieren, da diesem Land niemand mehr Kredit gibt. Im Moment werden die Supermärkte leergekauft, die Preise dort explodieren – Hyperinflation. Der großflächige Hunger wird bald einsetzen. Zeitungsberichte sagen aber, dass der Großteil der Bevölkerung immer noch nichts von der Krise wissen will – sie schwelgen weiter in ihrem Kreditrausch als gäbe es kein Morgen. Das „Handelsblatt“ titelt: „Zurück zum Fisch“. Das wird es in Zukunft sein, denn nur Fisch können sie selbst fangen, der Rest kann nicht mehr importiert werden.

Durch diese Riesen-Rettungspakete kommt eine solche Situation in absehbarer Zeit auch auf uns und die USA zu. Dort explodieren gerade die Staatsschulden und die Fed-Bilanz, ein Zeichen, dass das Geld für deren 700-Milliarden-Dollar-Bailout gerade monetisiert wird, das heißt es wird von der Zentralbank einfach (elektronisch) gedruckt. In Europa wurde auch gerade der Weg in die Hyperinflation gestellt. Das Resultat wird, man kann es nicht deutlich genug sagen: Währungsabverkauf und Hyperinflation, dann Staatsbankrott.

Die Rettungsboote Gold und Silber

Ab jetzt gibt es keinerlei Sicherheit mehr in irgeneiner Form von „Wertpapier“, auch nicht im Bargeld. Man muss aus dem System heraus. Leider haben die Rettungsboote bereits abgelegt, der Markt für kleinere Barren und Münzen ist weltweit ausgetrocknet. Nur große COMEX-Barren gibt es noch, diese werden von den Zentralbanken weiterhin auf den Markt geworfen, um den Preis zu drücken. Die realen Verkaufspreise im Handel sind bereits viel höher.

Was bleibt noch: Waren und Rohstoffe aller Art. Deren Preise werden massiv anziehen, wenn die große Flucht aus den Währungen losgeht. Außerdem bricht bereits der Welthandel zusammen. Wie wäre es mit einigen Tonnen Kupfer? Aber nicht als Aktie oder Zertifikat, sondern in Barren! Das braucht gar nicht nicht viel Platz.

Information

Die aktuellen Marktkommentare von Walter K. Eichelburg erscheinen zweiwöchentlich im Rohstoff-Spiegel und auf ef-online. Eichelburg ist Consultant und Investor in Wien. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Investment- und Geldfragen. Er kann unter walter@eichelburg.com erreicht werden. Er betreibt die Gold-Website Hartgeld. Dieser Artikel ist als völlig unverbindliche Information anzusehen und keinerlei Anlageempfehlung. Jegliche Haftung irgendwelcher Art für den Inhalt oder daraus abgeleiteter Aktionen der Leser wird ausdrücklich und vollständig ausgeschlossen.


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