29. November 2008

Marktkommentar Die Spareinlagen sind schon weg

Weimar, wir kommen!

Seit Sommer 2008 versucht die Politik alles, um den Anschein der „Normalität“ im Finanzsystem aufrechtzuerhalten. Im Oktober musste man dazu die Kreditwürdigkeit der Staaten in den Hexenkessel werfen, indem man die Spareinlagen durch den Staat hat garantieren lassen.

Über das letzte Wochenende vom 22./23. November musste dann eine der größten US-Banken, die untergehende Citigroup, gerettet werden. Ein Grund für diese Schieflage sind die vielen Konsumkredite, die Citi weltweit und besonders in den USA vergeben hat. Nach den Hypotheken müssen jetzt auch immer mehr Kreditkarten- und Autoschulden abgeschrieben werden. Die Leute können nicht mehr zahlen, 85 Prozent der Amerikaner sind real pleite.

Ian Gordon zeigt dies in seinem Kreisdiagramm des Kondratieff-Zyklus (siehe unten) sehr schön: In der „Herbstphase“ ab 1980 werden primär Konsum- und Spekulationsschulden aufgebaut, diese müssen am Ende von den Banken abgeschrieben werden, da keine erhöhte Produktion dahintersteckt („non-selfliquidating debt“), die sie abzahlen könnte. Dieses Abschreiben geschieht derzeit auf breiter Front, seien es US-Kreditkartenschulden, Wertpapierkredite an Hedge-Fonds oder russische Oligarchen.

Man hat uns noch nicht offiziell gesagt, dass die Spareinlagen weg sind. Denn diese können stecken (etwa bei deutschen Banken): in US-Subprime-CDO-Mistpapieren, deren Schicksal ist bereits bekannt, in osteuropäischen Ratenkrediten, diese Länder können ihre Euro/CHF-Schulden nicht mehr zahlen,in Krediten an russische Oligarchen, deren Reichtum war auf West-Kredit aufgebaut, in spanischen Hypotheken, das Land ist vor der Pleite, in UK-Kreditkartenschulden, dort kollabiert gerade der Konsum in eigenen Autoleasing-Krediten, sogar VW muss schon bei der EZB betteln gehen. Dazu kommen viele andere Möglichkeiten, Kredite abschreiben zu müssen.

Real sind die Spareinlagen weg. Die Aktionäre spüren es schon überall durch sinkende Kurse. Aber die Banken werden derzeit noch von den Staaten gehalten, bis diese auch pleite gehen. Das dürfte in der Euro-Zone im Jahr 2009 passieren, zeitgleich mit den USA.

Indem man im Oktober auch noch die Staaten als Garantiegeber „geopfert“ hat, hat man noch einmal einige Monate gewonnen, aber nicht viel mehr. Die nächste Flucht wird aus allen Wertpapieren inklusive Staatsanleihen und Währungen in Realgüter gehen. Dann ist die Hyperinflation da.

Die derzeit massiv gesunkenen beziehungsweise gedrückten Rohstoffpreise werden dann wieder hochfahren, speziell Öl, Gold und Silber. Diesmal nicht wegen Spekulation, wie in der ersten Jahreshälfte 2008, sondern aus Flucht vor dem Papier, das in jeder Form dramatisch abwertet.

Dann werden es alle wissen, dass ihre Spareinlagen versenkt wurden – zu spät. Sie werden mit der Titanic untergehen. Die letzten Rettungsboote aus Gold und Silber dürften derzeit ablegen, denn seit der Goldpreis wieder steigt, geht auch das Big Money vermehrt hinein. Klein-Gold und Silber ist ohnehin schon einige Zeit kaum mehr zu bekommen.

In jedem Kondratieff-Winter werden wie jetzt die übermäßigen Schulden abgebaut. Da können Politiker und Banker sagen, lügen und garantieren, was sie wollen. Glaubt ihnen nicht! Die Papier-Vermögen sind nichts als das Papier wert. Politiker und Banker werden als „Papiertiger“ entlarvt werden. Zur Erinnerung: 1923 konnte man das Papiergeld verheizen, denn es war billiger als die Kohle, die man damit kaufen konnte. Weimar, wir kommen.

Internet

Ian Gordon: http://www.thelongwaveanalyst.ca


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